Arno-Reinfrank-Literaturpreis für Svenja Leiber
12.11.15


Am Dienstag, dem 17.11.15, um 19.30 Uhr verleiht die Stadt Speyer den mit 5.000 EURdotierten Arno-Reinfrank-Literaturpreis an die in Berlin lebende Schriftstellerin Svenja Leiber. Oberbürgermeister Hansjörg Eger wird gemeinsam mit Jeanette Koch, der in London lebenden Witwe Reinfranks und Stifterin des Preisgeldes, die Auszeichnung im Historischen Rathaus übergeben. Michael Au, Literaturreferent des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz, erläutert als Laudator den Juryentscheid.
Svenja Leiber setzt sich im Rahmen der feierlichen Preisverleihung mit dem literarischen Werk des 2001 in London verstorbenen Schriftstellers Arno Reinfrank auseinander. Ihr eigenes literarisches Schaffen steht am darauf folgenden Abend im Focus, wenn sie zur Eröffnung der Ausstellung "Ein Pfälzer in London- Arno Reinfrank 1934 - 2001" am Mittwoch, 18.11.15, um 19.00 Uhr im Landesbibliothekszentrums lesen wird. Die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin hat ihre Lesung unter den Titel "Fremd bin ich eingezogen…" gestellt.
Juryentscheid
Die Jury zeichnet mit Svenja Leiber eine Autorin für ihre herausragende Prosakunst vor allem in ihrem "dystopischen" Bildungsroman "Das letzte Land" aus, der von Stärke und Würde im Scheitern handelt. Die Juroren hat der politische, "welthaltige" Text, sowohl in dem, was er erzählt, als auch in seiner Sprache überzeugt: Die regional gefärbte Sprache, aus einem vergangenen Jahrhundert kommend, wirkt nie antiquiert; in lakonischer, oft karger Ausdrucksweise werden selbst aufwühlende Ereignisse im Präsens in einer nüchternen Sprache geschildert. "Die Symbolik, die Svenja Leiber durch die Genauigkeit ihrer Details ganz klar vermittelt, passt sowohl auf das verfehlte Leben des Helden als auch auf den Werdegang Deutschlands während der Zeit des Nationalsozialismus", heißt es im Juryentscheid. Auch sei es der Autorin trefflich gelungen, die Psychologie der Mitläufer nachzuzeichnen: nicht nur Ideologen, sondern auch wohl intentionierte Personen werden durch die toxische Mischung aus Propaganda und Zwang aus der Bahn geworfen. Ein Thema, das auch Arno Reinfrank nicht fremd war.

Kurzvita Svenja Leiber
Svenja Leiber wurde 1975 in Hamburg geboren, wuchs in Norddeutschland auf und lebte einige Zeit in Saudi-Arabien. Heute wohnt sie in Berlin. 2005 erschien "Das letzte Land". Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Werner Bergengruen-Preis (2009), der Kranichsteiner Literaturförderpreis (2007) und 2014 den Kulturpreis Schleswig-Holstein "Neue Prosa".

Arno-Reinfrank Literaturpreis
In Erinnerung an den 2001 in London verstorbenen Schriftsteller Arno Reinfrank (1934-2001) wird der Literaturpreis alle drei Jahre vergeben. Bisher gingen die Auszeichnungen an Daniela Dröscher (2012) Monika Rinck (2009) und Jan Wagner (2006). Letzterer kehrt für eine Lesung am 6. Mai 2016 nach Speyer zurück, um als virtuoser Lyriker das Publikum im Alten Stadtsaal zu begeistern. Mit dem Preis sollen laut Satzung deutschsprachige Schriftsteller für herausragende literarische Leistungen in Lyrik oder Prosa ausgezeichnet werden, die im Sinne des Werkes von Arno Reinfrank den Idealen des Humanismus und der Aufklärung verpflichtet sind beziehungsweise sich literarisch mit den Prozessen und Phänomenen von Wissenschaft und Technik auseinandersetzen.
Mit Blick auf die Zukunftssicherung des Literaturpreises wurde jüngst die Arno-Reinfrank-Stiftung als Treuhandstiftung unter dem Dach der Kulturstiftung Speyer errichtet. Einerseits wachse mit Jeanette Koch als weiterer engagierter Stifterin das Stiftungsvermögen der Trägerstiftung, andererseits sei die unbegrenzte Dauer der Stiftung sichergestellt, freut sich Prof. Peter Eichhorn als Vorsitzender der Kulturstiftung Speyer.

Reinfrank und die LBZ/ Pfälzische Landesbibliothek
Das Landesbibliothekszentrum (LBZ)/ Pfälzische Landesbibliothek Speyer besitzt den überaus umfangreichen schriftstellerischen Nachlass Reinfranks, der 2014 noch einmal erheblich vermehrt worden ist. Die Ausstellung "Ein Pfälzer in London- Arno Reinfrank 1934 – 2001", die vom 19.11.15  bis 30.12.15 im LBZ Speyer gezeigt wird, widmet sich unter anderem diesen Nachträgen, zeichnet aber auch die Geschichte des von der Witwe Jeanette Koch gestifteten Arno-Reinfrank-Literaturpreises nach

Kurzvita Arno Reinfrank
Arno Reinfrank (1934-2001), geboren in Mannheim und in Ludwigshafen aufgewachsen, ging nach diversen Studienaufenthalten in Paris und Berlin 1955 aus Protest gegen die restaurative Politik der Bundesrepublik nach England und lebte bis zu seinem Tode am 26.06.01 in London. Reinfrank war Generalsekretär des P.E.N.-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland und ist Träger zahlreicher Ehrungen und Literaturpreise. Sein vielgestaltiges und umfangreiches Werk umfasst publizistische Arbeiten, Prosa, Theaterstücke, Mundartgeschichten und Lyrik. Im Zentrum seines lyrischen Schaffens steht sein dichterisches Hauptprogramm, die zehnbändige Poesie der Fakten, in der er sich zu den Fragen einer industrialisierten Welt äußert und auf symbolische Weise wissenschaftliche Fakten der modernen Welt auf den schriftstellerisch-ästhetischen. Bereich überträgt.

Arno Reinfrank wurden folgende Preise verliehen:
Kurt-Tucholsky-Buchpreis Hamburg 1957
Kurt-Tucholsky-Prämie Kiel 1964
Förderpreis der Stadt Ludwigshafen 1964
Förderstipendium des Kultusministeriums Rheinland-Pfalz für Arbeitsaufenthalt in Paris1967
Fördergabe des Pfalzpreises für Literatur 1968
Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz 1973
Villa-Massimo-Stipendium 1978/79
Robert-Blum-Preis 2001 (posthum)

Quelle: Stadt Speyer


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