Stadt Speyer / Städtische Galerie Kulturhof Flachsgasse
 
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Willy Weiglein: "Figur und Landschaft"
01.09.17 bis 08.10.17

Vernissage am 01.09.17 um 18.00 Uhr
Begrüßung: Hansjörg Eger, Oberbürgermeister
Einführung: Prof. Thomas Duttenhoefer

"Bei meinen Arbeiten kommt es mir darauf an, durch die Art der bildnerischen Mittel die Zufälligkeiten der äußeren Realität zu beseitigen. So eröffnen sich die Möglichkeiten zu allgemeineren und vieldeutigeren Aussagen. Der gewonnene Spielraum an Ausdrucksmöglichkeiten reicht von freien Gestaltungen bis zu figuralen Formverdichtungen. Durch entsprechende Materialbehandlung möchte ich das heutige Sensibilitätsvermögen, die differenzierte Empfindungsweise unserer Zeit treffen. Aus der durch den Malvorgang beseelten und vergeistigten Materie mag diesem Vermögen eine künstlerische Antwort ablesbar sein."

Die 1968 von Willy Weiglein formulierte Aussage zeigt einen Maler, der nicht nur die Aspekte des damaligen Kunstgeschehens wie das ausklingende Informell beobachtet, sondern die durch gesellschaftliche Veränderungen hervorgerufenen Seh- und Empfindungsweisen erkennt. Gerade seine angesprochenen figuralen Formverdichtungen bilden einen Schwerpunkt der Ausstellung. Es wird deutlich, dass die Figuren keine realistische Darstellung bestimmter Personen ist, sondern es sind erfundene Figuren, die freilich ihren Ursprung in der sichtbaren Welt haben. Die großen archaischen Akte, an Muttergottheiten vergangener Kulturen erinnernd, entstehen durch die bewusste Verschmelzung von Körpern mit äußerst differenziertem Bildgrund. Die Figuren in ihren kraftvollen Konturen scheinen Verfall und Vergänglichkeit zu trotzen. Die meisterhafte Serie wurde durch das großformatige Gemälde "Auguren" eingeleitet. Eben jenen Gestalten der Antike, die aus dem Vogelflug die Zukunft voraussehen sollten. Begleitet werden die Gemälde von figürlichen Zeichnungen und Mischtechniken landschaftlicher Strukturen.

Der Maler Willy Weiglein wurde 1928 in Speyer geboren. Anfang der fünfziger Jahre lernte er den Maler Rolf Müller-Landau kennen, der ihn in seinem künstlerischen Anliegen bestärkte und beeinflusste. Daneben setzte sich Weiglein mit dem Werk Albert Haueisens auseinander. Während seines Jurastudiums in München fand er Gelegenheit, an der Münchener Kunstakademie Zeichenkurse bei dem Bildhauer Prof. Emil Krieger zu besuchen. Nach Abschluss seines Jurastudiums unternahm Weiglein mehrere Reisen in die Provence. Von diesem Landschaftserlebnis nachhaltig beeindruckt, konzentrierte er seine Malerei auf landschaftliche Strukturen und expressive Szenerien von Badenden, Fischern sowie mediterrane Hafenszenen. Eine davon wurde von der französischen Kunstzeitschrift "La Revue Moderne" auf der Titelseite abgebildet. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Jurist betrieb er in seinem Speyerer Atelier ein intensives Aktstudium, denn das Thema Figur wird zum Zentrum seiner Malerei, wovon seine "Großen Figuren" zeugen.
Zusammen mit den Künstlerkollegen Hein Albig, Rudolf Dister und Thomas Schubert gründete Weiglein 1966 die Speyerer Gruppe argo, die ihre erste Ausstellung in der Sparkasse Speyer veranstaltete. Am 1. März 1985 erlag Willy Weiglein einem langwierigen Leiden.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Öffnungszeiten:
Do. und So. von 11.00 bis 18.00 Uhr



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Städtische Galerie Kulturhof Flachsgasse
Willy Weiglein: "Auguren" (Ausschnitt)