Matthias Göhr: "Was wäre wenn" im SWR Studio Kaiserlautern vom 01.04.17 bis 31.05.17



In die Welt der Märchen und Fabeln entführt der Maler Matthias Göhr.
Der in Silz lebende Künstler illustriert allerdings keine bekannten Tiergeschichten und Sagen, er erschafft sich mit seiner Malerei eine ganz eigene Welt voller zauberhafter Figuren, die die Seele berühren - stets geheimnisvoll und rätselhaft.
Der Betrachter mag den Blick von vielen seiner Bilder kaum abwenden, weil es
immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt.
Wie bei seinem Bild "Was wäre wenn", auf dem viele mit dem Blick für das
Wesentliche festgehaltene Tiergesichter ineinander übergehen - und dabei den Kopf
eines erstaunt in die Welt schauenden Buben umrahmen. Oder "Nase hoch", auf
dem ein an Pinocchio erinnernder Junge einen kleinen Marienkäfer auf seiner
langen Nase balanciert. Dabei lohnt es sich, das Glückskäferchen mit seinen
menschlichen Zügen genauer zu betrachten. Nur nicht bewegen, damit es nicht
davon fliegt, das Glück.

Aber nicht alle Werke machen fröhlich. Auch wenn der Titel "Von einem, der auszog" an ein altes Märchen der Gebrüder Grimm erinnert, so hat dieses Bild doch alles andere als etwas Märchenhaftes an sich. Die Mitte des großformatigen Bildes wird von einem traurig blickenden, blutjungen Mann in der Uniform eines deutschen Landsers aus dem Zweiten Weltkrieg eingenommen. Auf seiner rechten Seite lauert
das Nichts, auf seiner linken Seite scheinen Kinder und Tiere, vom Hofhund bis zu
einem Fisch, der in einem Nikolausstiefel steckt, Abschied nehmen zu wollen. Ein
winziges Eselchen schmiegt sich an die Wange des Mannes, der vor rund 80 Jahren
ausgezogen ist und das Fürchten gelernt hat - aber es war ganz sicher ein anderes
Fürchten, als es die Gebrüder Grimm in ihrem Märchen beschrieben haben.

Deutlich wird in dieser Ausstellung auch, dass Göhrs Herz für die Esel schlägt.
Immer wieder hat er sie auf die eine oder andere Weise mit recht menschlichen
Zügen in seiner einmaligen Technik - Öl auf Rupfen - porträtiert. Sie stehen einfach
nur da, ziehen den Betrachter mit ihrem Blick in den Bann, scheinen alles zu wissen,
alles zu kennen und nehmen Anteil. "Ihr habt einen Eselsgott", haben die Römer die
ersten Christen verhöhnt und Karikaturen, die den Gekreuzigten mit einem Eselskopf zeigen, an die Wände gekritzelt. Von einem Eselchen bewacht ist Christus auf die Welt gekommen, auf einem Eselsrücken ist er eingezogen in Jerusalem – und mehr braucht es nicht, wenn man sich von Gott getragen weiß.

Der 48-jährige Autodidakt wurde in Landau geboren und arbeitet seit 1992 als freischaffender Künstler. Seitdem begeisterte er in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland mit seinen märchenhaften Bildern, von denen die meisten die Welt vergessen lassen. Aber wie ein richtiger Märchenerzähler versäumt es Matthias Göhr nicht, den Betrachter hin und wieder zurückzuholen in eine Welt, die den Heuchlern und Gewalttätern in die Hände gefallen ist - und die zurückerobert werden will, von Menschen, die sich von Gott getragen wissen.

Veranstaltungsort
SWR Studio Kaiserslautern
Emmerich-Smola-Platz 1
67657 Kaiserslautern

Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. von 8.00 bis 16.00 Uhr
oder nach Vereinbarung, Tel. 0 631 / 36 22 83 95 26 - Frau Karin Krell




Matthias Göhr
Matthias Göhr: "Was wäre wenn", 2014, Öl auf Rupfen, 80 x 80 cm
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