Heidemarie Berberich
 
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Landschaftsmalerei als Innenbild und Projektionsraum

"… Schließe dein leibliches Auge, damit du mit dem geistigen Auge zuerst siehst dein Bild.
Dann fördere zutage, was du im Dunkeln gesehen, dass es zurück wirke auf andere von außen nach innen...
…Nicht die treue Darstellung von Luft, Wasser, Felsen und Bäumen ist die Aufgabe des Bildners, sondern seine Seele, seine Empfindung soll sich darin widerspiegeln. Den Geist der Natur erkennen und mit ganzem Herzen und Gemüt durchdringen und aufnehmen und wiedergeben, ist Aufgabe des Kunstwerkes…"
(Caspar David Friedrich)

"…Ich glaube, dass ein Bild, in dem ohne besondere Wahl des Gegenstandes oder Handlung nur das Wesen und die Farbe dargestellt sind, schon genug Poesie, also auch Gedanken enthält, als ein Produkt der Schönheit mit allem Recht Anspruch darauf machen kann, als ein Kunstwerk genommen zu werden…"
(Hans Thoma)

"…Der abstrakte Maler bekommt seine Anregungen nicht von einem x-beliebigen Stück Natur, sondern von der Natur im Ganzen, von ihren mannigfachsten Manifestationen, die sich in ihm summieren und zum Werk führen…"
(Wassily Kandinsky)

Oben aufgeführte - zunächst widersprüchlich erscheinende - Zitate habe ich von Künstlern von der Romantik bis zum abstrakten Expressionismus ausgewählt, die sich ebenfalls mit dem Thema der Landschaftsmalerei auf unterschiedliche Art und Weise auseinandergesetzt haben, um meinen eigenen künstlerischen Standpunkt zu verdeutlichen.

Aufgewachsen in der Pfalz, zwischen Wiesen, Feldern und Wald, hatte ich schon als Kind eine intensive Beziehung zur Natur. Und seit der Studienzeit war und ist "die Landschaft" -
angestoßen durch ein Seminar bei Professor Peter Lörincz - mein wichtigstes Thema, wohl einerseits, weil ich in der Landschaftsmalerei ganz subjektiv und emotional agieren konnte, andererseits mir auch alle Freiheiten in der Wahl der künstlerischen Ausdrucksmittel und Experimentiermöglichkeiten zur Verfügung standen. Landschaft als Plattform für Innenbilder und Empfindungen des Künstlers sowie des Rezipienten, der eingeladen ist, auf die formalen Vorgaben eigene Assoziationen und Inhalte zu projizieren, ist eine Idee, die auf die Romantik zurückgeht und u. a. im Expressionismus wieder aufgegriffen wurde. Erfahrungsgemäß werden die Deutungsmöglichkeiten bei meinen Bildern auch durchaus aufgegriffen, weswegen ich selten Bildtitel mit "Ortsangaben" gebe, sondern Begriffe für Naturphänomene vorziehe oder allenfalls auf den Anlass der Entstehung verweise, wie die Bildserie "Timanfaya", die nach einer Lanzarote-Reise aufgrund der Eindrücke durch die vulkanischen "Feuerberge" entstanden ist.

So haben sich im Lauf der Zeit viele Impressionen, die beispielsweise das Plätschern eines Bachs vor der Haustür, eines ruhigen Flusses, eines Wasserfalls, einer Sturmflut oder gar eines Tornados sein können, zu "Essenzen" verdichtet, die für mich das "Landschaftliche an sich" repräsentieren. Dabei spüre ich den Kräften der Natur nach, dem Veränderlichen, Fließenden oder Dynamischen flüchtiger Erscheinungen, aber auch dem Beständigen, Massiven, Bedrohlichen oder - um einen Begriff der aus der Romantik zu gebrauchen - gar "Erhabenen".
Deshalb kann das bildnerische Resultat - vergleichbar der oben angedeuteten kunstgeschichtlichen Entwicklung - dann variieren zwischen relativer "Naturtreue" des Motivs bis hin zur "Abstraktion", sowie der Entstehungsprozess als Auslöser einen kleinen, banalen, zufällig gefundenen Naturausschnitt, eine grandiose Landschaftsformation oder reine Fantasie, die "innere Landschaft" haben kann. Die Grundlage sind bei letzterem manchmal kleine abstrakte Bleistiftskizzen, aber auch mehr naturgetreue Arbeiten haben nicht nur das "Gesehene" zur Vorlage. So gut wie nie spielt die topographische Wiedererkennbarkeit eine Rolle, sondern der Ausdruck der malerischen Mittel, die den Inhalt transportieren.