Stadt Landau, Städtische Galerie Villa Streccius
 
"Wann's Lichd brennd iss uff!"

13.03.10 bis 25.04.10

Stipendiaten des Künstlerhauses Edenkoben 2008/09: Sebastian Gräfe, Franziska Metzger, Nanaé Suzuki

Vernissage am 12.03.10 um 20.00 Uhr
Einführung: Dr. Jörg Katerndahl, Kunsthistoriker und Kurator der Ausstellung



Nanaé Suzuki: "Replacement I" (2001/2006)
C-Print auf AluDibond und versiegelt mit Acrylglas, 70 x 50 cm


Vom 13.04.10 bis 25.04.10 stellen bereits zum 4. Mal Stipendiaten des Künstlerhauses Edenkoben im zweijährigen Turnus in der Städtischen Galerie Villa Streccius in Landau aus. Sebastian Gräfe, Franziska Metzger und Nanaé Suzuki, drei Stipendiaten der Jahre 2008 und 2009, die in Braunschweig und Tokio studiert haben, präsentieren eine Auswahl ihrer in Edenkoben entstandenen Arbeiten sowie einen Querschnitt älterer und jüngerer Werke aus den Jahren 2001 bis 2010.



Franziska Metzger: "Seelengrube" (2007)
Rauminstallation mit Gesprächssituationen, Gesangseinlage, countrymusikalischen Ein- und Aussetzern sowie raumtypischer Geräuschkulisse aus fünf Audioquellen, MDF auf Lattenkonstruktion, Dispersionsfarbe, Lack, Pappe, Tapete, Lampen, flackernde Glühbirne, Bierflaschen, gerahmte Digitaldrucke, fünf Lautsprecher (vier davon auf zwei Wände verteilt, einer in der Toilettenschüssel)


Der Ausstellungstitel verweist auf die pfälzische Offenheit und Ungezwungenheit, die alle drei heute in Berlin lebenden Künstler von ihren fünfeinhalb Ateliermonaten in Edenkoben in besonders angenehmer Erinnerung haben. Die in der Ausstellung zusammengefassten künstlerischen Ansätze sind dabei äußerst vielfältig. So zeigt Sebastian Gräfe (geboren 1976 in Grimma) künstlerisch überformte und von Naturprozessen beeinflusste Objekte, wie unter anderem seinen "Happy Buddha", dessen Bauch als Nisthöhle für Wildbienen diente, oder einen als "Wanderstock" bearbeiteten Kastanienast. Auch Franziska Metzger (geboren 1980 in München) zeigt mehrere zentrale Arbeiten, darunter ihre multimediale Rauminstallation "Seelengrube" sowie Videofilme, in denen sie die manchmal absurden Verhältnisse von Sprache und Bild thematisiert. Vielschichtige und zum Nachdenken anregende Werke präsentiert auch Nanaé Suzuki (geboren 1947 in Kanazawa, Japan), die in ihren Fotoarbeiten und Zeichnungen die unterschiedlichen Transformationsprozesse zwischen Natur und Bild neu interpretiert.



Sebastian Gräfe: "Happy Buddha" (2009)
bearbeitete Holzfigur, 20 x 30 x 20 cm


Die Ausstellung ist eine Kooperation der Kulturabteilung der Stadt Landau mit dem Künstlerhaus Edenkoben.


Begleitprogramm

21.03.10 | 15.00 Uhr
14.04.10 | 18.30 Uhr
25.04.10 | 15.00 Uhr
Führungen durch den Kurator Dr. Jörg Katerndahl

Für Schulklassen und Gruppen werden auf Wunsch weitere Führungen angeboten.


Besprechung von Brigitte Schmalenberg, Die Rheinpfalz vom 15.03.10

Pfalz besiegt Kunst
"Wann's Lichd brennd iss uff": Stipendiaten des Künstlerhauses in Edenkoben demonstrieren in Landau die Macht des Lokalkolorits

"Wann's Lichd brennd iss uff" - auf gut Pfälzisch lockt die Werkschau dreier heute in Berlin lebender ehemaliger Stipendiaten des Künstlerhauses Edenkoben in die Villa Streccius nach Landau. Denn Franziska Metzger, Nanaé Suzuki und Sebastian Gräfe mutmaßen, dass sich südpfälzische Offenheit und landschaftliches Idyll auch in die Aquarelle und Videoinstallationen, Fotografien und Objekte einnisteten, die hier während ihres jeweils sechsmonatigen Aufenthalts entstanden.

Was hat der "Happy Buddha", dem die Rotunde der Villa Streccius zum majestätischen Tempel wird, mit der Pfalz zu tun? Auf den ersten Blick kommt uns die Holzfigur doch recht chinesisch vor. Aber Sebastian Gräfe, der an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studierte, hat die grinsende Gottheit in Edenkoben akklimatisiert, indem er ihr ein paar Löcher in den dicken Bauch bohrte, sie in einem Wingert aussetzte und von Bienen bevölkern ließ. Deren Spuren sind noch deutlich sichtbar und zeugen vom Sieg der Natur über künstlich geschaffene Objekte.
Auch aus dem wappenverzierten Wanderstock, der auf seinem gebogenen Griff balanciert, wächst der neue Trieb eines Kastanienbaumes gen Himmel. Dabei sieht sich Sebastian Gräfe ganz in der Tradition der "Arte Povera", der Kunst mit "armen" Materialien also, die sich reduzierter Formen und einer geradezu asketischer Zurückhaltung bedient, um eine optimale Wirkung zu entfalten. Da kann ein umgestülpter Plastikeimer, dessen Körper man einen einfachen Zackenschnitt verpasst und das Fragment sodann auf einen Sockel platziert, schon mal zur Krone mutieren.

Auch bei der gebürtigen Japanerin Nanaé Suzuki, die an der Staatlichen Hochschule der Künste Tokio studierte, ist manches im Wandel. Die Kapuzinerkresse beispielsweise, die so schnell und unproblematisch wächst, dass sie vom Keimling über die wuchernden Blattranken bis zur verwelkten Blüte als Sinnbild würdiger Vergänglichkeit auf einem einzigen, zarten Aquarell Platz findet. Oder die fragile, längst verwelkte Blüte einer Fuchsie, die in starker Vergrößerung und theatralischer Zuspitzung zu einer Operndiva mutiert und in vielfacher Gestalt und dezenter Veränderung ihres pastellfarbigen Grund-Tons zum frohen Reigen der "Coloratura I-IX" anstimmt.

Der Kunsthistoriker Jörg Katerndahl, Kurator der Ausstellung, hat diese "Präsentation auf 9 Notenständern" wie einen Chor im Halbrund eines Salons angeordnet und der Installation damit ein wohl unwiederbringlich klassisches Ambiente verliehen.

Rauminstallationen mit deutlich wahrnehmbaren Tönen bilden einen Schwerpunkt der Arbeiten von Franziska Metzger, einer weitere Absolventin der HBK Braunschweig. In ihrem "Hörstück", in dem sie ihre eigenen Stimme vielfach verfremdet, schnappt sie wie zufällig verschiedenen Gesprächssituationen auf, spielt mit Plattitüden, Worthülsen und Phrasen und setzt die Dialogfetzen in Beziehung zu mehr oder weniger vagen Naturaufnahmen. In ihrer "Seelengrube", die wie eine richtige Theaterkulisse aufgebaut ist und aus verschiedenen Richtungen betrachtet und begangen werden kann, wird Bürgerlichkeit suggeriert. Wenn man sich darauf einlässt, sich vielleicht gar zum Stimmengemurmel an der Bar gesellt, hört man tatsächlich den Kachelofen knistern, die Standuhr ticken und Klospülung rauschen.

 


 
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