Stadt Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Museum
 
"hackordnung#1"

12.10.09 bis 16.08.10

Meisterwerke der Sammlung

Vernissage am 11.10.09 um 17.00 Uhr





Mit seiner Sammlung internationaler Prägung hat sich das WHM einen Namen als Hort der konstruktiv-konkreten Kunst gemacht. Hochkarätige Werke aus der Klassischen Moderne, Fluxus und Pop Art und eine exquisite Mittelalter-Sammlung runden das Profil ab. Mit einer jährlich variierenden Reihe von Szenenwechseln wird die Sammlung nach "alles" und "simply the best" schließlich in jeweils neuen Kontexten zu sehen sein.

Mit hackordung#1 treten nun die Meisterwerke der Sammlung in den Dialog mit künstlerischen Nachbarn, um inhaltliche, stilistische und kunsthistorische Kontexte zu erschließen. Acht Sammlungsbereiche eröffnen dem Besucher ein Panorama der europäischen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts und geben zugleich einen Einblick in die wesentlichen Bestände des Museums.

Zeitgleich wird in der neu eingerichteten Projektionsplattform dis>play von der an der documenta 12 beteiligten Künstlerin Danica Dakić (* 1962 in Sarajevo) die Videoarbeit "Role-Taking, Role-Making" eröffnet. 


hackordung#1 - Ein Überblick

Die Wiedereröffnung des Museums im März 2009 gab den Anstoß, sich in einer dreiteiligen Ausstellungsreihe intensiv mit der eigenen Sammlung, aber auch mit den Aufgaben und Fragestellungen des Museums auseinander zu setzen.

Beginnend mit der Ausstellung "alles", die zunächst den Gesamtbestand an Kunstwerken des Museums offen legte, folgte mit "simply the best!" auf die Überfülle das genaue Gegenteil: eine erlesene Auswahl von 53 Highlights. Den Abschluss bildet nun die Neupräsentation der Sammlungsbestände, die unter dem Titel "hackordnung #1" die Meisterwerke in den Dialog mit künstlerischen Nachbarn treten lässt, um inhaltliche, stilistische und kunsthistorische Kontexte zu erschließen.

Acht Sammlungsbereiche eröffnen dem Besucher ein Panorama der europäischen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts und geben zugleich einen Einblick in die wesentlichen Bestände des Museums:

-   Deutscher Expressionismus
-   Russische Avantgarde
-   De Stijl
-   Anfänge der Abstraktion
-   Kölner Progressive
-   Informel und Abstrakter Expressionismus
-   Konstruktiv-konkrete Kunst
-   Pop- und Fluxus-Sammlung Heinz Beck

Bereits in den 1950er Jahren konnte die Stadt Ludwigshafen einer Gruppe herausragender Werke des Deutschen Expressionismus erwerben, die durch die Stiftung Wilhelm Hacks um zahlreiche Hauptwerke ergänzt wurde. Aus diesem zentralen Sammelgebiet zeigt die Ausstellung einen Querschnitt der wichtigsten Arbeiten, be-ginnend bei Ernst Ludwig Kirchners berühmten "Urteil des Paris" und Max Pechsteins monumentalen "Palau-Triptychon" über Werke des norddeutschen Expressionismus von Paula Modersohn-Becker und Emil Nolde bis hin zur Münchner Künstlervereinigung "Der Blaue Reiter".

Herzstück des Museums ist daneben die exquisite Sammlung zur Kunst der Russischen Avantgarde, deren Hauptvertreter Kasimir Malewitsch allein mit zwei Gemälden aus seiner suprematistischen Phase vertreten ist. Im Vergleich mit Werken von El Lissitzky, Iwan Kljun, Alexandra Exter, Ljubow Popowa und Wassily Kandinsky soll Malewitsch’ besondere Stellung als Bezugsgröße und Reibungspunkt dieser vielfältigen Bewegung sinnfällig vor Augen geführt werden. Ergänzt wird dieser Bereich durch Arbeiten des deutschen Künstlers Erich Buchholz, dessen wichtiger Beitrag zur Entwicklung einer abstrakten Bildsprache damit besonders gewürdigt werden soll.

Zwei Gemälde von Piet Mondrian sind die Glanzstücke des Raums der De Stijl-Gruppe, welche für den niederländischen Weg in die Abstraktion zu Beginn des 20. Jahrhunderts steht. Flankiert von den Künstlern Bart van der Leck, César Domela, Vilmos Huszar, Carl Buchheister und Wobbe Alkema soll sowohl die Bandbreite der unter dem Gruppennamen zusammen gefassten Persönlichkeiten als auch das über-regionale Ausstrahlen der De-Stijl-Prinzipien auf das künstlerische Umfeld gezeigt werden.

Im dem sich anschließenden Sammlungsbereich werden dem Besucher unter dem Begriff Anfänge der Abstraktion eine Reihe von Künstlerpersönlichkeiten vorge-stellt werden, deren Beitrag zur Entwicklung der abstrakten Kunst als bahnbrechend zu bezeichnen ist. Neben dem Hauptwerk von Robert Delaunay "Formes Circulaires" sind Arbeiten von August Macke, Rudolf Jahns und Wilhelm Morgner sowie dem in deutschen Sammlungen selten vertretenen Frantisek Kupka zu sehen.

Einen eigenen Raum erhält erstmals die Künstlergruppe der Kölner Progressiven zu deren Protagonisten die Maler und Grafiker Franz Wilhelm Seiwert, Heinrich Hoerle, Gerd Arntz und Augustin Tschinkel gehören. Vom Wunsch getragen, Kunst und Poli-tik miteinander zu vereinbaren, entwickelten sie parallel zur Neuen Sachlichkeit einen grafisch reduzierten Realismus, der den Menschen in einer radikal vereinfachten Bildsprache in den Mittelpunkt stellt. Als Kölner hatte Wilhelm Hack bereits früh Werke dieser jüngst wiederentdeckten Avantgardebewegung erworben, so dass das WHM über eine repräsentative Auswahl dieser Künstlergruppe verfügt.

Während das erste Stockwerk der Klassischen Moderne gewidmet ist, vermittelt das Balkongeschoss einen Einblick in die Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Sammlungsschwerpunkt des WHM im Bereich der konstruktiv-konkreten Kunst dokumentiert die vielfältige Entwicklung dieser Stilrichtung bis in die Gegenwart. Beginnend mit Josef Albers, über die Gruppe der Zürcher-Konkreten um Max Bill, zu Rupprecht Geiger, Georg Pfahler und Leon Polk Smith.

Einen Gegenpol hierzu bilden Werke des europäischen Informel sowie des amerika-nischen abstrakten Expressionismus. Als eines der wenigen Museen in Deutsch-land besitzt das WHM zwei Gemälde von Jackson Pollock, die neben Arbeiten von Georges Mathieu, Ernst Wilhelm Nay, Jean-Paul Riopelle und Asger Jorn für die Internationalität dieser Bewegung nach dem Zweiten Weltkrieg stehen.
Auch die bedeutenden Bestände der Stiftung Heinz Beck, die zu den größten Pop- und Fluxus-Sammlungen in Deutschland zählt, werden im Rahmen der hackordnung #1 neu geordnet. Die Bandbreite der präsentierten Künstler umfasst die wichtigsten Strömungen der Kunst der 1960er und 1970er Jahre von Joseph Beuys über Wolf Vostell bis zu den Klassikern der amerikanischen Pop-Art wie Roy Lichtenstein oder Andy Warhol. Erstmals wird in diesem Rahmen auch eine kleine Auswahl aus der Plattensammlung von Heinz Beck gezeigt.

Innerhalb dieser weitgehend klassischen kunsthistorischen Kategorien offenbart sich die herausgehobene Bedeutung des WHM, das zu den besten modernen Sammlungen in Rheinland-Pfalz zählt. hackordnung #1 bildet den Auftakt zu einer jährlich wechselnden Präsentation, die Lust darauf machen soll, die Sammlung jeweils in einem neuen Kontext zu erschließen.


dis>play
Danica Dakić: "Role-Taking, Role-Making"

In der seit der Wiedereröffnung neu eingerichteten Projektionsplattform dis>play zeigt die Künstlerin Danica Dakić ihre Videoarbeit Role-Taking, Role-Making, die kulturelles Rollenverhalten in einem Europa thematisiert, das von politischer Veränderung und der Kollision verschiedener Kulturen gezeichnet ist. Aus ihrer Migrationserfahrung heraus beschäftigt sich die Videokünstlerin mit dem Bedeutungswandel der Begriffe "Heimat", "Nationalität" und "Identität", hervorgerufen und erzwungen durch Kriege und Glaubenskonflikte. Gleichzeitig experimentiert Dakić mit den Medien Video, Film, Theater, Malerei und Fotografie an der Schnittstelle zwischen Dokumentation und Inszenierung. Ihr Bühnenbild für "König Ödipus" ist im Rahmen der Festspiele Ludwigshafen vom 10.11.09 bis 12.11.09 im Theater im Pfalzbau zu sehen.

Danica Dakić wurde 1962 in Sarajevo geboren und wuchs in Bosnien-Herzegowina auf. Nach ihrem Kunststudium in Sarajewo und Belgrad verließ sie 1988 ihre Heimat und ging nach Deutschland. An der Kunstakademie Düsseldorf studierte sie bis 1990 als Meisterschülerin von Nam June Paik. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf und Sarajewo.

 


 
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