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Kunstverein Germersheim, Zeughaus Germersheim
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Karl-Heinz Deutsch: "Weiß in Weiß"
27.02.10 bis 28.03.10
Vernissage am 27.02.10 um 17.00 Uhr
Begrüßung: Marita Mattheck, Kunstverein Germersheim e.V. im Zeughaus Grußwort: Marcus Schaile, Bürgermeister Einführung: Wolfgang Bachtler Musik: Lömsch Lehmann, Saxophon
Finissage am 28.03.10 um 17.00 Uhr Künstlergespräch
"Endlose Form"
Stelen - Knoten - Köpfe
Mit diesen drei Themen beschäftige ich mich seit Jahren. Ich suche und finde dabei vielfältige Lösungen und Ausdrucksformen.
Die hellen Räume des Kunstvereins Germersheim ermöglichen es mir, erstmals Gips-Skulpturen auszustellen. Das Weiß der Flächen in Verbindung mit der plastischen Gestaltung ergibt eine herausfordernde Sensibilität für das menschliche Auge. Dies den Betrachter erkennen und sehen zu lassen, ist mir wichtig.
Es entstehen Helligkeitswerte und unterschiedliche Graustufen mit lebendigen Hell- und Dunkeltönen und erzeugen damit eine lebendige Ausdruckskraft.
Ergänzend dazu wirken die Bronzeskulpturen. Durch die ausgewogene Komposition in der Aufstellung der Kunstwerke sollen sie sich in die Architektur gut integrieren, jedoch durch ihren Aufbau eine eigene Architektur bilden.
Das Weiß der Gips-Skulpturen steht im Kontrast zum Material der Bronze-Skulpturen, die der Besucher auf sich wirken lassen kann. Sie beinhalten meist eine fröhliche, unkomplizierte Sinnlichkeit, zeugen von einer Lebensbejahung und dem Glauben an eine stetige Weiterentwicklung. Für mich werden sie zu Ur-Formen, die zeitlos Bestand haben sollen.
Professor Karl-Heinz Deutsch

Besprechung von Brigitte Schmalenberg, in Die Rheinpfalz vom 27.02.10
Alle Sinne ansprechen
"Weiß in Weiß" präsentieren sich die Skulpturen des Bildhauers Karl-Heinz Deutsch, dem zu seinem 70. Geburtstag eine Ausstellung des Kunstvereins Germersheim gewidmet ist. Der Titel der Schau aus "Stelen, Knoten und Köpfen" ist durchaus wörtlich zu nehmen: die weißen Gipsarbeiten verschmelzen mit den hellen Gewölberäumen des Zeughauses zu einer lichten Einheit ästhetischer Reinheit. Man schaut und staunt. Steht man neben dem "großen Fenster", das der Künstler, der die Ausstellung selbst kuratierte, als Entree für seine fast sakral anmutende Werkschau wählte, dann kommen die Blicke zur Ruhe und die Sinne zum Tanzen. Es ist eine ganz besondere, makellos und klar anmutende Aura, die den Besucher umhüllt und zugleich lockt. Und ganz am Ende des sparsam mit Stelen gesäumten, nur von einem Heer kleiner "Ritterköpfe" beanspruchten Ganges, wartet eine geradezu klassisch anmutende, überlebensgroße Troika darauf, dass man ihre Reverenz erweise. Es sind König, Dame und Springer eines imaginären Schachspiels, die den Raum sanft, aber bestimmt dominieren und durch ihre anmutigen, gleichwohl robusten Gestalten aus weißem Gips faszinieren.
Gips ist der Werkstoff, dem der Jockgrimer Künstler Deutsch, der sein Atelier in der Fronte Lamotte in Germersheim eingerichtet hat, seit einigen Jahren besondere Aufmerksamkeit schenkt. Freilich hat er auch bislang schon viele seiner Plastiken und Skulpturen, die sich in Gebäuden und auf öffentlichen Plätzen landauf, landab befinden, vor dem Gießen als Gipsmodell gefertigt. Doch nun wird der formbare Baustoff auch zur Außenhülle und damit zur Projektionsfläche schöpferischer Ausdruckskraft. Sein mattes Weiß in den verschiedensten Helligkeits- und Grauabstufungen entfaltet in Verbindung mit der plastischen Gestaltung eine erstaunlich lebendige Wirkung und vermittelt zugleich Ursprünglichkeit und Reinheit. Vielen Skulpturen dient ein Styropor- oder Holzskelett als Rüstzeug, das mit Schaumstoff und Verbandsmaterial umwickelt und sodann mit Gips und Moltofill bearbeitet wird. "Die Form ist mir dabei wichtiger als die Struktur", so Deutsch, der seinen Arbeitsschwerkpunkt freilich "im Modellieren und Kreieren" sieht. Deshalb lässt er seine Bronzeplastiken in einer Pforzheimer Werkstatt gießen.
In der Ausstellung stehen sich die großen hellen Gipsarbeiten und ihr kleines Pendant aus dunkler, glatter Bronze oft kontrastreich gegenüber. Etwa als "Raumzeichen", die als geometrische Form ihren Anfang nehmen, sich in geschlungenen Verknotungen aufzulösen scheinen, dann aber doch in himmelwärts strebenden Auswüchsen fortsetzen. Oder als grazile "Figurationen", die sich in schlanker Gestalt zur Gruppe versammeln, während ein Einzelgänger in Bronze für sich selbst steht. Und nicht zuletzt als "Stadtgespräch", das als szenische Darstellung - vielleicht für einen Brunnen oder einen Dorfplatz - die Fantasie des Betrachters beflügelt. Was quillt aus dem Zackenmund des großen Denkerkopfes, der sich bruchstückhaft seinem gerahmten Negativ gegenübersieht? "Sehen, riechen, fühlen …alle Sinne", so sinniert der Schöpfer dieser Plastik, sollen hier angesprochen werden und der Werkstoff Gips mit seinem "lebendigen Weiß" beflügele dabei die Wahrnehmung. "So eine Ausstellung - so klar - wie hier, habe ich noch nie gemacht", meint Karl-Heinz Deutsch sichtlich zufrieden mit der Wirkung seiner "Weiß in Weiß" gehaltenen, dabei ganz und gar nicht steril anmutenden Werkschau, bei der er sich von der Architektur des umgebenden Raumes inspirieren ließ und auf alles was ablenken könnte konsequent verzichtete.
Karl-Heinz Deutsch
1940 - geb. in Karlsruhe, lebt in Jockgrim/Pfalz
- Lehre als Keramik-Modelleur, Gesellenjahre - Studium an der Kunsthochschule Karlsruhe bei Prof. Kindermann und Prof. Klemm
seit 1965 - hauptberuflich freischaffender Künstler - intensive Begegnung mit Architektur und Bauplastik. - Gewinner mehrerer Wettbewerbe für "Kunst am Bau"
1973 - Pfalzpreis für Plastik
1978 - Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz
1988 - Bestellung zum Honorarprofessor an der Fachhochschule Rheinland-Pfalz, Abteilung Kaiserslautern
1997 - Kunstpreis der VPK mit Picasso Medaille
 "Spirale"
 "Philosoph"
 "Visierkopf"
 "Fenster"
 "Torso"
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