Bezirksverband Pfalz / Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk)
 
Ankauf der Skulptur "Das kleine Mädchen" von Hermann Scherer
Feierliche Übergabe an die Pfalzgalerie
07.09.04

Im Rahmen einer Feierstunde findet am 07.09.04 um 18.00 Uhr die Übergabe der Skulptur "Das kleine Mädchen" von Hermann Scherer in der Pfalzgalerie Kaiserslautern statt. Den Ankauf dieses bedeutenden Werkes ermöglichten der Bezirksverband Pfalz als Träger des Museums, die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur sowie die Kulturstiftung der Länder, Berlin. Die Beteiligten brachten je zu einem Drittel die Gesamtsumme von 284.500 Euro auf; die Volksbank Kaiserslautern unterstützte den Erwerb.

"Die Skulptur, die nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich ist, zählt zu den herausragenden Exponaten der Pfalzgalerie", stellte der Bezirkstagsvorsitzende Joachim Stöckle fest. In der neu eröffneten Dauerausstellung nehme sie "neben anderen großartigen Werken des Expressionismus von Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Erich Heckel und Wilhelm Lehmbruck einen bedeutenden Platz ein".

Zur Veranstaltung sprechen der einen Tag zuvor gewählte neue Vorsitzende des Bezirkstags Pfalz, der stellvertretende Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, Frank Däberitz, der rheinland-pfälzische Kulturminister Professor Dr. E. Jürgen Zöllner, Joachim Stöckle sowie die Pfalzgalerie-Direktorin Dr. Britta E. Buhlmann. Die musikalische Gestaltung übernehmen die beiden Violinistinnen Sonja Kotters und Julia Goerge vom Orchester des Pfalztheaters Kaiserslautern.

Hermann Scherer zählt neben Ernst Barlach, Wilhelm Lehmbruck und Ernst Ludwig Kirchner zu den bedeutendsten Bildhauern des Expressionismus. Letzterer war für den 1893 im Markgräfler Land geborenen und später in Basel lebenden Künstler prägend. Die ausdrucksstarke Holzskulptur "Das kleine Mädchen" von 1924/25 ist beispielhaft für Scherers Werk, in dem gefühlsbetonte zwischenmenschliche Beziehungen ein bevorzugtes Thema sind. Die 76 Zentimeter hohe, aus Arvenholz geschnitzte Figurengruppe gehört zu den wenigen Skulpturen, die Hermann Scherer in der kurzen Schaffensphase vor seinem frühen Tod 1927 schuf. Schon zu Lebzeiten haben die rund 20 Holzplastiken seinen Ruhm als hervorragenden Bildhauer des deutschen Expressionismus begründet.

Ein kleines Mädchen wird von einer hockenden Frau mit den Armen schützend umfangen. Charakteristisch für die Arbeit sind die großen fragenden Augen des Mädchens, die sich direkt auf den Betrachter richten und deren Eindringlichkeit man sich kaum entziehen kann. Die unverhältnismäßige Größe der Köpfe, die grobe Vereinfachung der Formen und die Wirkung des natürlich belassenen Materials Holz verstärken die Intensität des Ausdrucks. Scherer gelingt es, Existenzangst als menschliche Grunderfahrung und zugleich die Sehnsucht nach Fürsorge und Geborgenheit überzeugend darzustellen.

In der Reihe "Patrimonia" der Kulturstiftung der Länder erscheint in Zusammenarbeit mit der Pfalzgalerie eine Publikation zum Preis von 10 Euro.



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