Bezirksverband Pfalz / Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk)
 
15 Filmtagebücher
Ergebnisse des Projekts "28 Stunden Film"
16.01.19 bis 17.03.19

Filmtagebücher, Filmausschnitte und Erinnerungstexte - die Ausstellung spiegelt eine intime und vielgestaltige Auseinandersetzung mit dem architektonischen Innen- und Außenraum wider. Die gezeigten Objekte lassen in der Zusammenführung eine vor zwei Jahren stattgefundene intensive und feinsinnige Begegnung fünfzehn junger Masterstudentinnen der Innenarchitektur mit der Filmkunst wieder lebendig werden, zu der sie die Filmemacherin und Dozentin Susan Chales de Beaulieu im Rahmen des Projekts 28 Stunden Film eingeladen hatte. Der Raum, so ihre gemachten Erfahrungen, schlägt in der Filmkunst noch einmal mehr Volten als in der Wirklichkeit!

Ein intensives zeitliches Setting bildete den Rahmen des Projekts 28 Stunden Film. Von Freitag bis Sonntag schauten, analysierten und erspürten die Teilnehmerinnen in privaten Räumen und in Räu-men der Hochschule Kaiserslautern zwölf Werke der Filmgeschichte (von den 1940er-Jahren bis in die Gegenwart), die in unterschiedlicher Weise den komplexen architektonischen Raum thematisieren. 28 Stunden lang standen die Filme im Zentrum der Auseinandersetzungen, selbst beim Zubereiten und Verzehren der gemeinsamen Mahlzeiten wurde über sie gesprochen - oft bis spätabends. Eine Intensität des Lernens griff um sich, die von den Teilnehmerinnen als außerordentlich stimulierend, lehrreich, aufwühlend und beglückend erlebt wurde und ihr Denken über Bauen, Leben, Innenarchitektur und Architektur beflügelte.

Die aus Stockholm stammende Chales de Beaulieu bettete das Projekt 28 Stunden Film in eine Lernatmosphäre, die Energie und Neugier freisetzte, Gemeinsamkeit und Forschergeist. Nachdenken und Reden griffen ineinander und führten die Unterschiedlichkeit des Denkens vor Augen. Fünfzehn Per-sonen sahen dieselben Filme, doch jede der jungen Frauen sah Unterschiedliches, war von unterschiedlichen Dingen bewegt, wurde in unterschiedliche Fragestellungen hineingezogen und zu unterschiedlichen Assoziationen veranlasst. Zusammen lernten sie den Film als eine künstlerische Sprachkennen, erweiterten das Spektrum des Entschlüsselns und Redens über Filme und erlebten einen vitalen Erkenntnisgewinn für ihr Studium an der architektonischen Fakultät und ihr Leben.

Monate später mündeten ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und Erinnerungen in 15 persönliche Filmtagebücher, handgefertigte Blattsammlungen der Zwiesprache und der Vielstimmigkeit. Tagebuchschreiben - eine intime, sehr persönliche, zugleich formal freie, befreiende Form der Auseinander-setzung. Stimmig wagt sie dem Kühnen und Behauptenden das Bruchstückhafte, Unfertige und Probierende an die Seite zu stellen - ist Sein und Werden zugleich. Eine neue Erfahrung im Feld der akademischen Projektberichte und vielleicht dessen Erweiterung.

Die Ausstellung 15 Filmtagebücher lädt zum flanierenden Lesen, Schauen, Hören und Staunen ein. Die ausgestellten Filmtagebücher gleichen Künstlerbüchern, delikate, laborhafte, jugendhafte Objekte, in denen sich schriftliche Reflexionen, mal handschriftlich, mal maschinell mit Typografischem und Buchbinderischem, mit Zeichnungen, Skizzen und plastischen Einarbeitungen ins Papier lustvoll abwechseln. Vitrinen mit den Unikaten, in die man sich vertiefen kann wechseln mit im Raum hängenden Vergrößerungen einzelner Seiten aus den Filmtagebüchern, dazu Erinnerungstexte zum Atmosphärischen sowie Töne im Raum und lichtflimmernde Bildschirme mit Filmausschnitten. Die Ausstellung lädt zu einem Eintauchen ein in das, was der geheimnisvolle Filmraum mit uns machen kann.

Tagebücher von Elisabeth Birnstein, Angelika Draht, Jana Fauss, Anastasia Fischer, Juliet Häfner, Christin Heide, Lena Meyerhoff, Sandra Pirmann, Mona Reichel, Jennifer Reitz, Lisa Schwickert, Desislava Stamova, Lilli Taesler, Myriam Wagner, Carina Wolf.


Öffnungszeiten:
Mi. bis So. von 10.00 bis 17.00 Uhr
Di. von 11.00 bis 20.00 Uhr





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Museum Pfalzgalerie
Transparentpapier und Zeichnungen auf Foto. Innenseiten des Filmtagebuchs von Elisabeth Birnstein, 2016. Foto und © Susan Chales de Beaulieu