Technische Universität Kaiserslautern / Array
Anne-Marie Sprenger
Malerei, Collage
07.11.06 bis 12.12.06
Anne-Marie Sprenger
Anne-Marie Sprenger

Einführung von Dr. Matthias Brück

Raum und Bild sind im Allgemeinen formale Begriffe. Doch bei Anne-Marie Sprenger verlieren sie ihren neutralen, inhaltsfreien Charakter. Sie können vielmehr zu Bereichen werden, in denen sich das Konkrete, das Bild, in einer offenen Sphäre, dem nicht festgelegten Raum, positioniert.

Doch dabei bleibt es nicht. Denn diese Positionen im Raum, man könnte sie durchaus als Grenzräume ansprechen, bedeuten keine denkbare Abgeschlossenheit menschlicher Existenz, vielmehr kennzeichnen sie dieses Terrain als undefinierbare Orte des Überschreitens, der Möglichkeiten wie der Ahnungen des Unbekannten, oft Unsagbaren.

Deshalb erscheint es nur konsequent, wenn diese Künstlerin in ihren Exponaten keine dogmatisch festgelegten Aussagen präsentiert und dagegen einen offenen Horizont des Erfahrens, des Weiterdenkens und Wahrnehmens anbietet.

Vielleicht haben Sie diese Besonderheit des Schaffens bereits bei einem Blick in die am Boden liegenden Spiegel bemerkt. Das jeweilige Abbild der sich spiegelnden roten und schwarzen Vorhänge mag schon einen Verweis auf das Ungesicherte, vage menschlichen Daseins andeuten. Nicht umsonst nennt Anne-Marie Sprenger diese Präsentation "Installation Leben". Rot steht für Freude und Liebe, Schwarz für Tod und Leid.

Hier beginnt gewissermaßen der Einstieg in das Verständnis dieses Arbeitens. Denn bereits jetzt deutet sich eine Grundkonstante, an die man in beinahe allen Exponaten - teils mehr, teils weniger pointiert - entdeckt: Ich meine den Ausgang vom erfahrenen Endlichen ins mögliche Unendliche. Das Überschreiten der sichtbaren Lebenswelt hin ins Numinose, Transzendente.

Zum Teil in farbsymbolischer Aneignung erhellt, entwirft Anne-Marie Sprenger die Strukturen ständiger Grundsituationen, Grundspannungen, ohne allerdings das Einzelschicksal besonders zu betonen.

So wundert es auch nicht, wenn in einem Plexiglasturm regelrecht gestapelte, verschlüsselte Aufzeichnungen wie Lebensschichten installiert wurden, die der Betrachter wie eine Schriftrolle öffnen darf. Allerdings sind es auch hier keine dokumentierten Biographien, vielmehr Chiffren unserer Existenz.

So wollen die verschiedenen Objektkästen auch keine teilhermetische Abgeschossenheit suggerieren, sondern fungieren als "Durchgänge" wie die Künstlerin sie schlicht bezeichnet.

Entpuppt sich doch der zuerst kanalisierte, blockierte Einblick als Täuschung. Denn letztlich offenbart sich dem Betrachter die Sicht auf eine offene Sphäre, die in ihrer Weite und Unbestimmtheit ein mögliches Weitergehen, ein mögliches Durchschreiten eröffnet.

Wenn man zwischendurch - gerade einmal an unsere momentane Welt- und Lebenssituation denkt - dann könnte man die Bedeutung und Wichtigkeit eines solchen künstlerischen Ansatzes besonders würdigen. Denn allerorten scheinen ja nur noch ideologische, egoistische und somit letztlich zerstörerische Maxime im politischen, wirtschaftliche oder sogar im persönlichen Bereich zu gelten. Paradebeispiele der von Kant unnachgiebig entlarvten, selbstverschuldeten Unmündigkeit des Menschen.

Dagegen setzt Anne-Marie Sprenger formal wie inhaltlich ihre Offenheit der Komposition. Exponate wie "In Bewegung", "Andere Wege gehen" oder "Energie" verweigern jegliche Starre, jeglichen Stillstand. Ob Tripthychon oder einzelnes Werk - stets scheinen sie über sich selbst hinauszuweisen indem sie den Charakter eines Prozesses widerspiegeln.

Sie wirken auf Grund ihrer faszinierenden Farbgebung, ihrer vorübergehenden Gegensätzlichkeit, die in der Bewegung wiederum relativiert werden kann, zum Teil wie Tore in eine andere Welt und gewinnen darüber hinaus eine abstrakt umgreifende eigene Ästhetik.

Selbst harte Konturen, massive Liniengefüge scheinen regelrecht "aufzubrechen", sich als raumöffnende Faktoren zu beweisen. Bisweilen erreichen sie beinahe "kosmische" Dimensionen, immer dann, wenn die gesamte Komposition einen fühlbaren. Sogcharakter generiert, der in eine lichte Helligkeit, in ein jenseitig Unbekanntes führen mag.

Doch immer wieder erinnert diese Künstlerin direkt-indirekt daran, dass diese Orte, diese existentiellen Grenzbereiche keine "Inseln der Seligen" sind, sondern Aufforderungen, Herausforderungen, sich über mögliche Barrikaden und vermeintlich unüberwindbare Sperren hinweg zu setzen.

Antithesen wie "Transparenz und Schwere", die in den drei Fahnen aus geschöpftem Papier symbolisiert werden, relativieren dann ihre Gegensätzlichkeit.

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Sprenger Anne-Marie (Rubrik KÜNSTLER)



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