Die Galerie in der TU Kaiserslautern, eine Kooperation des Studium Integrale Zentrums und der Universitätsbibliothek, präsentiert vom 28.04.09 bis 26.05.9 unter dem Titel "Körperlandschaften - Malerei und Grafik" groß- und mittelformatige Exponate des renommierten Künstlers Artur Bozem.
Der 1952 im Rheinland geborene und in Rosenkopf nahe Zweibrücken lebende Maler ist nach verschiedenen Ausbildungen im Bereich Werbe-Design und Grafik nun schon seit 1984 freischaffend im künstlerischen Bereich tätig. Zahlreiche Ausstellungen seit 1974 im In- und Ausland und verschiedene Auszeichnungen für Grafik und Malerei dokumentieren sein umfangreiches Werk. Wie seine Vorbilder Emil Schumacher und Antoni Tápies ist auch er ein Vertreter des Informels. Intuitives Zusammenspiel von Farben, Materialien und Formen gepaart mit einem hohen Maß an Experimenierfreudigkeit prägen entscheidend seine Malerei. Dynamische Prozesse aus Linien, Farben und Kontrasten lassen in der Abstraktion bisweilen auch Figürliches erahnen, das den interessierten Betrachter zum Nachdenken bringt und unweigerlich in seinen Bann zieht.
Einführung von Dr. Helmut Orpel
Um eines gleich zu Beginn klar zu stellen: die Bilder, die Sie heute hier sehen, erschließen sich dem oberflächlichen Betrachterblick beim raschen Gang durch den Ausstellungsraum nicht. Diese Werke verlangen vom Betrachter Aufmerksamkeit und etwas Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten. Nur ganz behutsam kann man sich jenen komplexen Inhalten nähern, die sich uns hier darbietet. Bilder wie diese erfordern eine kompliziertere Dechiffriertechnik als diese in der Regel ein Werbefoto oder ein Plakat vom Betrachter abverlangt. Das macht sie zur Kunst, denn Kunst, die vom Rezipienten nichts abverlangt, ist verflacht und unwirksam. Nur solche Werke haben in der Kunst Bestand, bei der sich der Betrachter anstrengen muss, um etwas von dem Reiz mitzubekommen, der in diesen Bildern steckt. In diesem Sinne wird Artur Bozem seinem Anspruch als Künstler gerecht.
Die Farbe ist hier das eigentliche Ausdrucksmittel, das allerdings nur auf einem Bildträger Bestand haben kann. Auf diese Bildträger - sei es Leinwand oder Papier, werden die Farben mit verschiedenen Werkzeugen, bisweilen sogar mit der bloßen Hand aufgetragen. Spontaneität im Gestus, die möglichst direkte Übersetzung von Gedanken oder Gefühlen über die Hand auf den Bildträger. In seinen Grafiken verwendet Bozem auch den Holzschnitt, der ihm durch seine Struktur einen Ausdruck vorgibt, den er im Laufe des Malprozesses weiter differenziert. Die Ausgangspunkte legt er also nach dem Zufallsprinzip an. Auch bei den Akten ist es so, allerdings ist hier die Form festgelegt, was variiert ist allein die Bewegung.
Die Figuren, die in Bozems neuesten Werken zum Tragen kommen und die der Ausstellung "Körperlandschaften" den Titel gaben, sind neue Entwicklungen, bei denen es nicht um den Akt als solches geht, es geht hier vielmehr um die Spannung, welche die Dehnung, Streckung oder Beugung des Körpers im Bildraum auslöst. Mit akribischer Geduld spürt der Künstler hier solchen Momenten nach und nutzt sie, um den Bildern eine Struktur zu geben. Mit den Linien des weiblichen Körpers sprengt Bozem die strenge Tektonik auf, die früher kennzeichnend für seine Bilder war. Aber diese Linien sind nicht als Sonderformen der Abstraktion, sie setzen sich nicht ab von dem bisher geschaffenen, sondern gelangen damit zu einer Synthese. Über das visuelle Erleben hinaus lassen sich Gefühle und Schwingungen erspüren, die hier künstlerische Gestalt angenommen haben. Bewusste Steuerung, Zufallsmomente, inszenierte Spontaneität und kritische Überarbeitung lassen eine Vielschichtigkeit entstehen, bei der die unterschiedlichen Momente dennoch harmonisch zusammenwirken. Manches ist planbar, aber das meiste ist in dieser Art der Malerei nicht steuerbar und birgt auch für den Künstler Überraschungsmomente. Ihm kommt hier in einem gewissen Sinne die Rolle des Mediums zu.
Kein Werk von Artur Bozem entsteht in einem Wurf. Immer wieder werden die Bilder überarbeitet, bleiben eine Weile unverändert, werden wieder vorgenommen, so lange bis sie vor dem kritischen Blick des Künstlers Bestand haben. Die unterschiedlichen Stadien werden nicht übertüncht, sondern bleiben kenntlich. Man spürt das Wachstum, die Entwicklung bis hin zu den Resultaten. Schließlich ist es die Stimmigkeit, die man als das richtige Verhältnis zwischen Gemaltem und Ungemalten beschreiben könnte, die den Ausschlag für das Innehalten gibt. Sicherlich spürt man in Bozems Werk auch Brüche, denn Kunstwerke sind wie das Leben mit vielen Verästelungen, Überraschungen, aber auch mit Schmerz und Enttäuschung.
Bei den aktuellen Arbeiten werden diejenigen, die das Werk des Künstlers schon länger kennen und begleiten, Veränderungen erkennen, aber diese Veränderungen ergeben sich irgendwie als Konsequenz aus dem bisher Geschaffenen und sind integrale Bestandteile des malerischen Kosmos in den das Werk Artur Bozems gehört. Zu diesen Veränderungen gehören meines Erachtens die Farben, die Lichter und vielschichtiger geworden sind. Die Einarbeitung von Erden, wie zum Beispiel aus dem Sickinger Land, setzen hier zusätzlich Akzente. Bemerkenswert ist auch das höhere Maß an Offenheit, das den Farben einen größeren Schwingungsbereich einräumt. Was vorher bereits vorhanden war und was das Charakteristikum von Bozems Bildern ist, ist die Verschattung und die Überlagerungen sowie die überraschende Durchdringung, welche eine Art Schwebezustand hervorrufen. Hierbei spielt die unterschiedliche Dichte des Farbauftrags eine ebensolche Rolle wie die Transparenz an anderer Stelle, welche dem Werk Tiefe gibt.
In diesem Raum hier sehen Sie ausschließlich Werke aus dem neuesten Zyklus von Artur Bozem, der den Titel "Körperlandschaften" trägt. Mit dem Thema Akt betritt der Künstler gewissermaßen Neuland, denn er löst sich Teilweise von der abstraktinformellen Malweise, wie sie bisher praktiziert wurde. Dennoch wird man bemerken, dass der verstärkt sinnliche Eindruck nicht willkürlich gesetzt wurde, sondern vielmehr organisch aus dem bisher Geschaffenen erwächst. Die Abstraktion ist das Primat, sie ist der Zugang zur Welt, die ungegenständlich und im Fluss ist.
Die Bedeutung des Schaffens von Artur Bozem manifestiert sich nicht nur in gut besuchten Ausstellungen, sondern auch in den Kunstpreisen, die er für sein Schaffen erhalten hat. Zu diesen Preisen gehört auch der Kaiser-Lothar-Preis, der ihm 2003 von der Europäischen Vereinigung der Bildenden Künstler Eifel und Ardennen, verliehen wurde.