Heinz Brzoska und Peter Brauchle
Malerei und Skulptur
21.09.03 bis 20.10.03
Einführung von Dr. Matthias Brück Sie kennen vielleicht den Seemanns-Spruch: "Ein Schiff, das im Hafen liegt, ist sicher vor dem Sturm. Aber dafür sind Schiffe nicht gebaut". Nun, das gilt in ähnlicher Weise für die Kunst: Kunst, die im Atelier verbleibt, wird weder kritisiert, noch bewundert. Aber dafür sind Kunstwerke nicht gemacht.
Beide ausstellenden Künstler hier haben gewissermaßen die schützenden Pier hinter sich gelassen - sind hinaus auf´s Meer, wenn sich auch die Zahl der zurückgelegten "Kunst-Seemeilen" beträchtlich unterscheidet.
Heinz Brzoska, ein erfahrener Navigator, ein Kap-Hornier der Szene, hat schon so manchen Mode-Sturm "abgeritten", so manchen "Mainstream" erfolgreich durchkreuzt. Für Peter Brauchle bedeutet die Ausstellung hier fast eine Jungfernfahrt in nicht gerade ungefährliche "Kunst-Gewässer". Und dennoch haben beide Künstler etwas gemeinsam: ihre konsequente Absage an den sogenannten Zeitgeist, an die leidige Jagd nach dem Angeblich-Neuen mit seinen kommerziellen Verheißungen.
Peter Brauchle ist im gewissen, positiv verstandenen Sinn ein Traditionalist, ein Künstler, der sich der menschlichen wie der tierischen Figur verschrieben hat. Er zeigt sich zutiefst der Gegenständlichkeit verpflichtet, doch werden seine Exponate deshalb nicht zu einem platten Abbild, zu einer banalen Wiederholung der sogenannten Wirklichkeit.
Im Gegenteil: bei ihm verbinden sich eine ausgefeilte handwerkliche Technik, eine präzise Beobachtungsgabe mit einer sanften, fast ehrfürchtig anmutenden Transformation des zu gestaltenden Lebewesens. Buddha hätte vielleicht zustimmend gelächelt. Das lässt sich unschwer an den eleganten, ästhetisch leicht überhöhten Formen der "Schleiereulen" ablesen, dokumentiert sich keck-monumental bei der einzelnen Hahn-Skulptur und steigert sich im Portrait des mitausstellenden Heinz Brzoska zu einer herrlich schrundig-zerklüfteten Charakterstudie.
Manche Arbeiten leben aus einer verhaltenen Spannung - bisweilen durch die Kombination von zwei Materialien - Beton und Stahl - verstärkt. Unabhängig davon gelingt es diesem Künstler - hart an der Realität und doch darüber hinaus - zu einer intensiven Ausdrucksstärke zu finden.
Beispiel: seine Ritter, berittenen Samurai vergleichbar, wie man sie aus den Filmen von Akiro Kurusawa kennt. Gedrungen, kompakt mit einem spürbaren Selbstbewusstsein ausgestattet, als hätten sie Nietzsche gelesen und beherzigt: "Eine gute Haltung zu Pferd stiehlt dem Gegner den Mut, dem Zuschauer das Herz - wozu erst noch angreifen? Sitze wie einer, der gesiegt hat". Eine faszinierende, elementare Kraft - hier noch verhalten - die bei der "Tiger-Pferd"-Plastik regelrecht zu explodieren scheint. Und doch beherrscht Peter Brauchle auch schon die gewisse Wege zur leichten Abstraktion wie in den stillen, schlichten Kreuzigungs-Darstellungen, in denen das Leid bereits überwunden scheint, eine Art von Verklärung das Erlittene überhöht.
Mit Heinz Brzoska betreten Sie komplexe, oft schwer zu entschlüsselnde Welten, die formal durch eine raffinierte Synthese aus Abstraktion und Gegenständlichkeit erstellt werden. Man könnte diese Weise des Malens und Zeichnens allgemein als ein kompositorisches Sowohl-als-auch interpretieren, das sich auch inhaltlich nur selten festzulegen scheint, dafür allerdings eine Fülle von ungeahnten Möglichkeiten offen hält.
Also kein Nebeneinander, vielmehr ein Ineinander, das nun zur eigenen Räumlichkeit durch Transparenz zu führen versteht. Erschließen doch die hintereinander gelegenen Bildteile - deren Szenerie stets sichtbar bleibt - eine enorme Tiefe, die keine Perspektivität im herkömmlichen Sinn zu suggerieren vermag. Daraus resultieren unerwartete Spannungen, immer wieder Rätselhaftes, wenn beispielsweise in einzelnen Physiognomien Gesicht und Maske verschmelzen, un-unterscheidbar werden.
Dem Betrachter steht es frei - je nach Sensibilität - sich in diese geträumten, erträumten Sphären hineinziehen zu lassen, sich für diese imaginären, geheimnisvollen Räume zu öffnen. Da dringen kristallin-anmutende, tektonisch-kubistisch erstellte Formationen aus einem nicht eindeutig festgelegten Grund. Geben jedoch nur vorübergehend Orientierung. Relativieren ihre vorgebliche Stabilität, werden plötzlich von Gesichtern, Körpern der lustvollen Art durchbrochen, besser durchwirkt. Sie entziehen sich - paradox formuliert - durch ihre eigene Wirklichkeit der sogenannten tatsächlichen Realität. Wer sich als Betrachter in diese vernetzten Strukturen, inhaltlichen Verknüpfungen wie in die gestaffelten Räume begibt, erlebt ein faszinierendes Geflecht wechselnder Empfindungen, Deutungsmöglichkeiten und Vorgaben zu eine nie enden wollenden Meditation. Eine Fülle, die fast schon mit den Geschichten von "1000 und eine Nacht" konkurrieren könnten. Doch solange haben wir vermutlich keine Zeit. Etwas Vorsicht scheint allerdings geboten, bisweilen "geht schon mal ein Tiger vorbei" - und auch wenn er lacht, man weiß ja nie ...
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Brauchle Peter (Rubrik KÜNSTLER)
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