Vernissage am 18.02.11 um 19.00 Uhr, Begrüßung: Konrad Reichert, Beigeordneter des Rhein-Pfalz-Kreises; Manfred Gräf, Bürgermeister der Gemeinde Bobenheim-Roxheim Einführung: Paul Platz
Einführung von Paul Platz
Im Namen der Gemeinde Bobenheim-Roxheim und der Volkshochschule des Rhein-Pfalz-Kreises darf ich sie recht herzlich zur Ausstellungseröffnung mit Glaskunst, Gemälden und Zeichnungen von Liliana Szeligowska begrüßen.
Es ist die erste Einzelausstellung, die die Künstlerin eine gebürtige Polin, die seit ein paar Jahren in Mannheim lebt, hier in Deutschland macht. Und das erfüllt mich mit Stolz. Denn mit Liliana Szeligowska konnten wir eine Künstlerin gewinnen, die europaweit ob in Paris, Wien oder London, natürlich in ihrer Heimat schon lange, durch viele Ausstellungen bekannt geworden ist.
Die Beschäftigung mit unterschiedlichen künstlerischen Genres, die Sie heute bewundern können, ist bei ihr keine zufällige. Sie hat an der berühmten Hochschule für Kunst in Breslau studiert. Neben den klassischen Themen wie Zeichnung und Malerei, konzentrierte sie sich bald auf die Arbeit mit Glas. Breslau verfügt über eine weltweit herausragende Fakultät für Glaskunst, die wichtigste in ganz Polen. Namen wie Mawgorzata Dajewska oder Zbigniew Horowy zählen zu den großen Professoren international. Bei ihnen arbeitete sie nach dem Studienabschluss mehrere Jahre als Hochschuldozentin. Wenn man es dieser Ausstellung auch nicht unbedingt sofort anmerkt, liegt die Leidenschaft und der Schwerpunkt ihres künstlerischen Arbeitens beim Glasdesign. Außergewöhnlich sind ihre zwei Skulpturen in der Glasvitrine im Foyer. Für die an eine Sonnenuhr erinnernde, aus mehreren Teilen zusammengefügte und konsequenterweise auch "Zeit 1" genannte Plastik schleift und ätzt sie in mühevoller Handarbeit verschiedenfarbige Glaskörper zusammen, schafft daraus ein zeitloses Kunstobjekt, das seine Wirkung bei intensiver Lichteinstrahlung komplex und faszinierend entwickeln kann.
Szeligowskas Leitspruch lautet: Glas kreiert Raum mittels Farbe und Licht, nur mit diesen beiden zuletzt genannten Materien kann es seine Wirkung entfalten, kann es die Botschaft, die der Künstler, hier die Künstlerin, in das Material geformt und gleichsam geatmet hat, dem Betrachter weitergeben. Ob matt oder glänzend, durchsichtig oder intransparent, ohne intensives Kunst- oder Tageslicht verlöscht die Wirkung des Glases gänzlich, kann es nicht zum dem werden, das seine Besonderheit, sein Charakteristikum ausmacht.
Liliana Szeligowska sieht im Glas, im Glasdesign ein sinnvolles Produkt einer Einheit von visuellen Konzepten, Technologien und Handwerk. Sie schafft einerseits kompakte Formen, souveräne, objektive Linien, anderseits spielt sie meisterhaft mit den verschiedensten Farben, schafft ganze Gemälde aus kleinsten, verschiedensten Bruchstücken, verdichtet sie zu Aussagen, weitet sie zu in sich schlüssigen, ästhetischen Farbflächen. Ihre drei Glasmosaiken, deren Glasstücke in eine Gipsmasse eingebettet sind, erhebt sie fast zu Altar-Triptychen, die wir aus den Kirchen kennen, vielleicht sind diese hier weniger konkret religiös zu deuten als vielmehr Wegweiser für Sinnhaftigkeit, für Auslöser transzendenter Gedanken, meditativer Assoziationen. Ihre komplette Energie, ihr ungebrochener künstlerischer Wille scheint in diesen Glasarbeiten gebündelt, wie die enorme Hitze, die es braucht dieses Material zu schmelzen, zu verbinden, zu gestalten, zu neuen Aussagen zu formulieren.
Ihre Gemälde erinnern an ihre Bleiglasarbeiten. Viele hat sie schon gestaltet, von ihr gestaltete Bleiglasfenster schmücken unter anderem etliche auch säkulare Gebäude. Die Acrylarbeiten vermitteln eine Ahnung von dieser alten Technik. Die Farbverläufe, die im Fenster durch das starke Sonnenlicht fließend erscheinen, sind hier durch eine variierende doch stimmige Farbauswahl gestaltet, die Grundfarbe, das Grundthema wird so aufgebrochen, größere und kleinere Flächen, Punkte, Schlieren fast, erwecken eine eigene Leichtigkeit auf der Leinwand. Die Künstlerin verweist mit einigen Arbeiten auf ihre Mosaiken. Sie tupft kleine Farbareale als wären es Glasteile hin, erarbeitet so bestimmte Motive, die ihre eigene Aussage durch die kompositorische Übereinstimmung der Auswahl der Farben und Flächen erhalten.
Ihre Akte mit Bleistift und Kreide das Papier gestaltend, verweisen trotz ihrer eher monochromen Formulierung auf Szeligowskas eigentliche Passion zurück. Sie will keine typischen Akte darstellen, diese müssen sich bewegen, fast tanzen, sie nutzt dazu die Verformung, Körperteile werden extrem bis hin zu einer Linie verdichtet, andere dagegen voluminös in Rubensart fast überdehnt. Die Körper insgesamt wirken trotzdem grazil, fast zerbrechlich. Verursacht wird dies durch die ausgeglichene Verteilung von Masse und Dichte, aber auch durch die Körperstellung und die Einbindung des Aktes in Linien, die zu Bänder zusammengefügt, gebündelt sind, die als Schwünge, als Kurven, manchmal wie ein Schleier das Papier beherrschen und den Körper so einbinden, umrahmen. Diese dadurch erzeugte breite Licht-Schattenwirkung verbunden mit den nur scheinbar wahllos auf dem Bild verteilten Punkten oder Kreisen erinnern an die Arbeit beim Glasfusing, wo mit Hilfe von Glaspuder oder Glasperlen und -stücken Glasbilder geschaffen werden, ähnlich leicht und schwerelos wie diese Akte.
Bevor ich mit einem Satz von Maurice Marinot, einem bedeutenden französischen Glasdesigner, meine Ausführungen beende, darf ich mich ganz besonders bei Wioletta Babiuk bedanken, die mir den Kontakt zur Künstlerin und somit diese Ausstellung eigentlich erst ermöglicht hat. Dzenkuje barzo. Marinot also sagte einmal: "Ich glaube, dass ein schönes Stück Glas soviel wie möglich von dem Atem enthalten sollte, der es entstehen ließ."
Liliana Szeligowska
1975 - geb. in Tarnowskie Góry (Polen)
1995 - Abschluss der Weiterführenden Tadeusz-Kantor-Schule für Gestaltende Künste in Dabrowa Górnicza.
2000 - Abschluss in der Abteilung für Glas, Arbeitsgruppe von Professor Zbigniew Horbowy und Professorin Malgorzata Dajewska, an der Akadamie der Schönen Künste in Breslau/Wroclaw
2001 bis 2006 - gemeinsam mit Professor Ryszard Wieckowski, Leitung der "OpusArt" Arbeitsgruppen Buntglas als Privatdozentin Höhere Berufsakademie für Gestaltende Künste in Sosnowiec
Einzelausstellungen (Auswahl):
2002 - Ausstellung Skulpturen in Glas "4 Elemente", Städtische Galerie "Extravagance" in Sosnowiec (Polen)
2003 - Glas- und Gemäldeausstellung, Galerie "Pol-Art" in Wien (Österreich)
Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl):
2004 - Internationales Künstlertreffen, Städtisches Museum in Sosnowiec (Polen) - Glasausstellung, Kunstzentrum in Sosnowiec (Polen) - "Verre, Lumière, Couleur - Junge Künstler aus Polen", Glasausstellung, Städtische Galerie in Paris (Frankreich) - "A la Recherche de la Lumière" Glasausstellung, Bourg-La-Reine (Frankreich)
2005 - "Glass of the Young" BWA Studio, Breslau (Polen)
2007 - "All of our Friends", Galerie "Extravagance", Sosnowiec (Polen)
2008 - Glas und Keramik Kunst-Ausstellung, Kunstzentrum Sosnowiec (Polen)