Gezeigt werden Gemälde aus der Serie der Schriftbilder (Acryl/Leinwand), Skulpturen (ausschließlich aus Wellpappe gefertigt) und Drucke (vom Wellpappedruckstock).
Besprechung von Isabelle Girard de Soucanton, Die Rheinpfalz vom 30.10.09
Vom Spiel mit Doppeldeutigkeiten
Die 76. Ausstellung bildender Künstler der Studium-Integrale-Galeristen an der Uni widmet sich dem Wirken des Malers und Bildhauers Roland Albert. Der Lauterer Künstler und Dozent zählt zur aktiven Szene in der Region, unter anderem auch als Mitglied in der Künstlerwerkgemeinschaft.
Im einträchtigen Rund präsentieren sich die insgesamt 46 Arbeiten von Roland Albert und teilen sich dennoch auf in "Malerei und Skulptur", ohne den Galeriebereich zu teilen. Dadurch erschließt sich ein erster, wohltuender Zugang zu den Exponaten an sich und darüber hinaus zur Sprache einer künstlerisch ausgesprochen eigenen Handschrift.
Verteilt auf Boden und Sockeln sind seine Skulpturen. Sie gleichen Formen überlieferter Kulturen, Farben natürlichen Ursprungs und bildhaften Strukturen, die das Material vorgibt. Genau genommen formt, dreht und dichtet Albert sie aus Wellpappe, also mit papierner Zerreißbarkeit und Zerbrechlichkeit. Spiralen spielen und spiegeln ebenso Standfestigkeit wie Fortgang wieder, Gefäße dagegen das Wahren und Bewahren einer irdenen Zeit oder Ware. Keine konkreten Inhalte und Nützlichkeiten zeigt Albert, vielmehr flüchtige Bildphasen, die das Betrachten aufsaugen, vertiefen und - transportieren. Und zwar von den Skulpturen direkt auf die gemalten und gedruckten Blätter an den Stellwänden.
Umlaufende Linien, ob gerade oder wellig, wie Wellpappe nun mal ist, ähneln Schriftzeichen generell und insbesondere jenen, die auf der Basis eines Wellpappendruckes als monochrome Liniengrafik auf Papier erscheint. Sie ähneln aber auch jenen, die Albert mit farbigen Pinselstrichen auf Leinwand "schreibt". Pedantisch genau, von hell nach dunkel, lagenweise übereinander. Am Ende zeilenweise Buntheit und das Fragen, was da oder zwischen den Zeilen geschrieben steht und figürlichen (Denk-)Fragmenten gleicht: Augen, Nasen, Antlitzprofile.
Den letztendlichen Unterschied macht die Technik aus: das Malen hier, das "Plastikern" da. Was zu sehen ist, mutet wie Mengen und Schnittmengen ihrer Materialien, Farben und grafischen Linearen an. Alberts Schaffen bleibt namenlos oder schlicht "Schriftbild I bis XIV" betitelt, um dann im haptischen Bereich an African Queen, Siebenfrucht, Wüstenblume, Shisha, Janus oder Wüstenblume und Schlangenbaum zu erinnern. Ein wahrer Fundus an Assoziationen. Mehr nicht. Kein Lesen, Enträtseln oder gar Entziffern. Genau das macht diese Ausstellung zum Erlebnis: sich umsehen und sehen. Was beim Betrachten ankommt, das ist es. Auch ambivalent dort, wo Entstehen und Vergehen sich einander in Farben, Formen, Flächen und Linien zu verzahnen scheinen.
Laudatorin Annette Reich ging auf Alberts Intention ein, die dem Leben, Lebensraum und Individuum gelte. Seine zeichenhafte Ausdrucksweise sei "uneindeutig lesbar", ließe vielmehr auf ein Spiel der Doppeldeutigkeiten schließen.