"Playing- & Performing Arts"Tine Duffing über ihre Arbeiten
"Was erstarrt ist, ersehn' ich zu bewegen; was sich bewegt, betracht' ich mit Gefühl; nehm' Abschied von den Dingen; manche versuch ich zu beseelen für Momente."
Objekt- und Körpertheater, Inszenierte Fotografie, Maskenbau und -spiel, Performance-Art, Installation und genreübergreifende Konzepte und Projekte sind seit vielen Jahren meine künstlerischen Ausdrucksmittel.
Zuerst denke ich jedoch nicht an Auftritte oder Veröffentlichungen, sondern gehe meinem Spieltrieb nach, meiner Lust am spielerisch-experimentellen Aufspüren, Ausprobieren und Forschen. Ich bin ein "Playing Artist", verbinde spielerisch Alltägliches mit kulturell-künstlerischen Ambitionen - und bzw. oder umgekehrt.
Dies geschieht geplant oder überraschend und unvorhergesehen - "überfallartig" - unterwegs, daheim, auf Reisen. In den Werkstatträumen und im Atelier werden die "Fundsachen" gesichtet, bearbeitet, Spuren gelegt. In Solo- und Gruppenaufführungen fließen dann Elemente experimenteller Theaterformen, des New Dance, Aspekte von Butoh, Performance-Art sowie Figuren- und Objektspiel ein.
Ein wesentlicher Bestandteil meiner konzeptionellen Arbeit ist der intensiv-sinnliche "Dialog mit dem Ort des Geschehens". Landschaft, Architektur, optische, akustische, historische und aktuell-überraschende Besonderheiten und Momente fließen ins Gesamtkonzept ein oder sind Ausgangspunkt und Thema.
Picassos Maxime "ich suche nicht, ich finde" spielt mir zumeist Materialien, Objekte, Gegenstände, Texte, Themen und sonstige "Bausteine" als Erst-Impuls und Inspiration zu. Was mich antreibt und anregt, sind Kontraste, (scheinbare) Gegensätze, Kontrapunkte und seriell-rhythmisch auftauchende Unikate.
In meiner künstlerischen Arbeit geht es mir darum, diese unterschiedlichen Elemente durch inszenierte Objektgestaltung, szenische, bisweilen interaktive Installation, Performance oder choreografisches Objekttheater miteinander "ins Spiel zu bringen". So versuche ich, dem leeren oder unsichtbaren Raum im Sicht- und Spürbaren ein "Gesicht" zu verleihen. Dieses Gesicht muss ich zunächst auf meine Art aufspüren, um es dann den anderen zu zeigen. Indem ich mich selbst öffne, erschließe ich auch den neuen Raum und lade zum frei assoziativen Spiel, Wahrnehmen und Verweilen ein.
Performance-Team "Cocoon"Unter der Leitung von Tine Duffing entstehen seit 1990 Performances, Aktionen, Auftrags- und Projektarbeiten. An den Schnittstellen experimenteller Ausdrucksformen wie Bewegungs- und Körpertheater, Kreativer Tanz, Maskentheater, Objektspiel und Performance-Art kooperiert "Cocoon" oft mit Künstlern unterschiedlicher Bereiche (Malerei, Musik, Licht-Installation, Literatur etc.).
Seit 1991 nahm "Cocoon" an zahlreichen Festivals, Kunst- und Kulturevents, Ausstellungen und eigens für sie organisierten Veranstaltungen im In- und Ausland teil.
Kleinkunstpreis Baden-Württemberg 1996, Sparte Körper- und MaskentheaterLaudatio der Jury
Biologisch bedeutet Cocoon oder Kokon, Hülle um Insektenpuppen, aus der beim Seidenspinner Seide gewonnen wird. Es ist sicherlich kein Zufall, dass sich das Performance-Team "Cocoon" bei der Namensgebung gerade diesen Begriff geliehen hat.
Das Ein- und Entpuppen ist Bestandteil der fantasievollen und eigenwilligen Kreationen. Räume der unterschiedlichsten Art (Innenhöfe, Fabrikräume etc.) dienen als Spielplätze für die inszenierten "Gesamtkunstwerke". Mit zeitgenössischer Musik, Klangelementen, Lichtprojektionen oder Kunstwerken werden die Szenen dramatisch unterlegt. Bandagen, Stoffe, Stäbe, Spiegel, Masken und Fundstücke werden im choreografischen Zusammenspiel in "Beziehung" gebracht - Objekte, die durch die Akteure zu Allegorien menschlicher Beziehungen werden.
"Cocoon" hat unter der Leitung von Tine Duffing einen besonderen, experimentellen und eigenwilligen Theaterstil entwickelt. Neue Raumerlebnisse und Sichtweisen werden von den Zuschauern entdeckt, erprobt und erlebt. Die Experimente vom Performance-Team "Cocoon" sind gelungen und werden von der Jury mit einem Förderpreis belohnt.