Landkreis S├╝dliche Weinstra├če / Kreisverwaltung S├╝dliche Weinstra├če
 
Gerhard Hofmann und Monika Follenius
Grafik, Malerei
10.02.08 bis 06.03.08

Einführung von Dr. Matthias Brück

Gestatten Sie mir zu Beginn einen kleinen Umweg: Mitte der 1950er Jahre erschien in der schweizerischen Zeitschrift "Annabelle" ein trauriger Leserbrief:

"Ich achte auf mein Äußeres, die Wohnung ist hübsch eingerichtet die Kinder sind gesund und artig. Woran fehlt es dann? Was musste mein Mann auswärts suchen?"

Nun, genau weiß ich das auch nicht. Doch könnte ich mir vorstellen, dass schon bald manche gefeierten Kunstrichtungen einen empört-resignierten Leserbrief verfassen, der etwa so lauten könnte:

"Liebes Art-Magazin, Ich habe doch wirklich alles richtig gemacht, habe mich stets nach den gerade herrschenden Moden und Trends gerichtet, meine Werke sind ästhetisch korrekt und kaum zu entschlüsseln. Und immer habe ich mich bemüht, den Betrachter mit Problemen - vor allem mit den meinen - zu konfrontieren, wenn er zu mir ins Museum oder in die Galerie gekommen ist. Warum kommt und kauft er nicht mehr?"

Vielleicht liegt es ja daran, dass der interessierte Kunstfreund nicht mehr allzu viel mit jener Spielart selbstreferentieller Kunst oder glattgebügelter Oberflächen-Ästhetik anzufangen weiß. Dass er sich trotz aller Bejahung experimenteller Ansätze oder Vorstöße in den virtuellen Raum einfach übergangen fühlt, den Eindruck gewinnt, die Kunst würde ihn, den Menschen und seine Bedürfnisse schlicht ignorieren - wesentliche Sektoren künstlerischen Gestaltens entschieden aussparen. Zum Beispiel Schönheit und Gelassenheit. Und gerade in diese vernachlässigten Sphären können Sie heute Morgen exklusiv eintauchen!

Dass Monika Follenius zu Recht seit eh und je als eine Virtuosin des Idyllischen charakterisiert wurde, will wohl niemand bestreiten. Eine Künstlerin, die diesen Begriff aller negativer Attribute entkleidet hat und in ihrem Schaffen einen unverstellten, unsentimentalen Sinn für natürliche, ruhige Schönheit gefunden hat. Doch zumeist schwebte über ihren Farbradierungen - wie ein kleines, zusätzliches Korrektiv - ein Hauch von sanfter Melancholie, der verhinderte, dass Schönheit zur konsumierbaren Banalität wurde. Doch die Zeiten wie die Menschen ändern sich: die Pfalz und manche anderen Regionen erschienen dieser Künstlerin schlicht "bunt genug". Also wechselte sie von den Farben zum atmosphärischen Schwarz-Weiß - von der Radierung zur Acryl-Technik. Die vertrauten Motive änderten sich nur wenig und wie immer, wird der besondere Reiz einer Landschaft, eines halb verfallenen Tores oder eines versteckten Winkels aufgespürt, erfahren und schließlich ins Bild gesetzt.

Geschickt hat Monika Follenius neue Werkgruppen zusammengestellt: viermal schwarz-weiß, einmal Farbe. Viermal dämmerige Dichte mit ineinander übergehenden Schattierungen und Konturen, einmal strahlend-sonnige Farbigkeit. Ein Farb-Exponat, das vielleicht an frühere "bunte Zeiten" erinnern darf? Möglicherweise ein Kontrast, durch den die neue, Ästhetik des Dunklen - nicht des Düsteren - besonders zur Geltung kommen soll? Sicher ist: Landschaftlichkeit und Architektur ändern ihren einstigen Charakter, tendieren auf neue Weise zum Geheimnisvollen, Vielfach-Interpretierbaren - gerade wenn ein winziger Farbfleck im diesen Exponaten mysteriös aufleuchtet. Den Menschen hat diese Künstlerin mittlerweile ausgelagert - in ihren Landschaften war er sowieso nie anwesend. Da steht er nun im Museum mit dem Rücken zum Betrachter und lässt sich von Berühmtheiten der Kunstgeschichte faszinieren.

Ein gutes Beispiel, dem sie später vor den Exponaten hier gerne folgen dürfen.

Gerhard Hofmann stellt sich Ihnen als Reiseführer der besonderen Art vor. Fast rund um den Globus führt er Sie mit seinen "Stadtansichten" und lässt eine fröhliche Gleichberechtigung walten. Denn, die größten Metropolen wie "New York" oder "London" vereinigen sich nahtlos mit ihren pfälzischen Pendants, mit "Pirmasens" oder "St. Martin" zu einem bunten Reigen menschenfreundlicher Architektur. Da stellt dieser Künstler mit heiterer Gelassenheit neue Ordnungen auf. Ob Wolkenkratzer oder Fachwerkhaus, ob Westminster oder pittoreske Dorfkirchen unserer Region - werden liebevoll komprimiert, werden zu Stadtplänen unerschöpflicher Fantasie. Wie lebendige Kulissen, bisweilen wie ein Puzzle aus kindlichem Baukasten fügt Gerhard Hofmann spielerisch Teil für Teil zu einer neuen, oft märchenhaften Wirklichkeit.

Entdecken Sie nur die hellen, klaren Himmel - voll von Seifenblasen, Mondsicheln oder Mini-Luftballons! Hier hat der Klimawandel keine Chance. So wie bei den zahlreichen Landschaften, die häufig als sanft stilisierte Schichtungen aufgebaut erscheinen, formatiert und aufgelockert von schlanken, stelenhaften Zypressen. Italien-Sehnsucht ohne Sentimentalitäten. Mit je drei Druckplatten gewinnt Gerhard Hofmann - gerade auch bei seinen Blumen-Stilleben - eine fast plastische Wirkung und Tiefe, die seinen Rosen und Tulpen jede mögliche Monotonie verweigert.

Bei Monika Follenius wie Gerhard Hofmann wird Kunst zu einer Art "harmonischer Auszeit". Nutzen Sie diese sinnvolle Möglichkeit in hektischer Zeit: Die Exponate sind natürlich käuflich zu erwerben.


Besprechung von Gabriele Weingartner, Die Rheinpfalz vom 12.02.08

Heile Städte, verschleierte Felder

Städte und Landschaften, Stadtlandschaften und Landschaftsgärten zeigt eine Ausstellung in der Kreisverwaltung der Südlichen Weinstraße in Landau mit Arbeiten von Monika Follenius und Gerhard Hofmann. Unterschiedlich sind die Techniken, mit denen die Künstler zu Werke gehen: Follenius malt in Acryl auf Leinwand, Hofmann zeigt Farbradierungen. Aber auch sonst erweisen sich die Blicke auf ihre Sujets als ziemlich konträr.

Wobei man die Grafiken von Gerhard Hofmann - seine europäischen Städteansichten, die Art, wie er sich markante Gegenden unterwirft - nicht nur hierzulande kennt. Den in Neustadt lebenden und arbeitenden Künstler kann man als sehr erfolgreich bezeichnen, er hat mit seinen Grafiken in der Tat den Markt erobert. Mit leichter Hand und farblicher Akkuratesse reiht er seit Langem Städte und ihre Sehenswürdigkeiten zu einprägsamen Panoramen aneinander, stilisiert barock verspielte, romanische, gotische oder Fachwerk-Fassaden in kompakte, prägnante Formationen, lässt alles hell und freundlich erscheinen und bereitet dem Betrachter eine Augen-Reise, die in Luxemburg beginnt, nach New York führt und in Barcelona endet. Dazwischen macht er Station in Heidelberg, Speyer, St. Martin und Landau. Und bekommt durch seine souveräne, liebenswürdige, unverstellt vedutenhafte Art alles in den grafischen Griff.

Bei ihm sind die Städte noch heil, er scheint die Besucher anzulocken, sie sich schnellst möglich anzusehen, bevor es zu spät ist. Selbst die Toskana mit ihren charakteristischen Zypressen scheint auf diese Weise irgendwie hofmannesk zu werden, wenn auch ein bisschen statisch und nicht unbedingt italienisch losgelassen. Erstaunlich frei und farblich überbordend muten freilich Hofmanns Blumenbilder an, die Tulpen vor allem, deren scheinbarer Unkompliziertheit er sehr viel Dynamik und Tiefe abgewinnt.

Übrigens sind es keine Stilleben, die der Künstler arrangiert, eher regelrechte "Draufsichten" ins volle Blumenleben. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass er sie immer überlebensgroß aufs Blatt brachte, trägt dazu bei, dass diese Blumen, die ja als Inbegriff der industriellen Züchtung gelten, etwas Wildes und Anarchisches suggerieren.

Monika Follenius kann man dagegen eine eher sanfte, wenn auch unnachsichtige Annäherung an die pfälzische Landschaft bescheinigen. Ihre Acrylmalerei tut alles, um den Anschein von Idylle zu vermeiden, allein durch die Tatsache, dass sie bei den Landschaften immer nur ein Bild in Farbe und die drei oder vier anderen Bilder in Schwarz-Weiß malt, zeitigt einen dokumentarischen Effekt. Kühl oder gar cool im schnoddrig-modernen Sinn lässt sich diese Darstellungsweise jedoch nicht bezeichnen, eher liegt ein melancholischer Schleier auf den Feldern, den Reben, dem Haardt-Gebirge, den schweren Himmeln. Es ist, als ob die Künstlerin von alten Postkarten abgemalt hätte, die noch die alten unversehrten Fluren zeigen, man fühlt sich in die 1950er Jahre versetzt. Und stellt erleichtert fest, dass es dann doch farbige Kontrapunkte gibt zwischen all den Grauwertigkeiten: Klatschmohnfelder, Rapsfelder und einzelne Sonnenblumen, die man erst beim Nähertreten entdeckt.

Kleine Widerhaken hat auch die Serie "Rücksicht": sie zeigt Menschen, die mit dem Rücken zum Betrachter ins Nirgendwo - auf graue Wände - oder auch in die Ferne - aufs Meer - schauen. Es sind Passanten, die die Künstlerin da eingefangen hat, wohl nicht zufällig gesichtslose Menschen, die keine Geschichte zu haben scheinen. Während die in der Serie "Ausstellungsbesucher" zwar gleichfalls nur von hinten sichtbaren Figuren doch wenigstens ein Gegenüber haben. Gemälde von Picasso etwa oder Lucian Freud. So sind sie nicht ganz so allein. Wenngleich sie die Künstlerin jeweils einzeln vor einem Bild gemalt hat: in kleinerer oder größerer Entfernung davon, mit oder ohne Rucksack.


Monika Follenius

1954
- geb. in Landau

1972-75
- Studium der Bildenden Kunst in Landau


Ausstellungen / Einzelausstellungen (Auswahl):

1983
- Villa Streccius, Landau

1984
- Weiterbildungszentrum Kaiserslautern

1987
- Burg Galerie, Landstuhl

1988
- Dierdorfer Uhrturm

1990
- Galerie Stadtmühle, Annweiler

1991
- Deutsche Parlamentarische Gesellschaft, Bonn

1994
- Feuerbachhaus, Speyer

1995
- Kleine Galerie, Ingelheim

1998
- Altes Rathaus, Hagenbach

1999
- Galerie Goosmann, Bad Bergzabern

2001
- Galerie auf der Treppe, Limburg
- Kulturtage Südliche Weinstraße

2002
- Zehnthaus Römerberg

2003
- Deutsches Schuhmuseum Hauenstein

2004
- Galerie am Klemmhof Neustadt
- Kunst und Wein, Weyher

2006
- Kunstmarkt Zehnthaus Jockgrim


Gerhard Hofmann

1960
- geb. in Worms am Rhein
- lebt und arbeitet in Neustadt an der Weinstraße

1981
- Förderpreis der Stadt Salzburg, Rom-Preis der Stadt Salzburg

1982
- Kunstverein Ludwigshafen: Förderpreis beim Wettbewerb „Junge Pfälzer Künstler“

1982, 1984, 1989-99
- Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst, Salzburg, Assistent der Radierklasse

1984
- Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz für Grafik

1986
- Pfalzpreis für Malerei

1994
- Teilnahme an der 3. Grafik-Biennale in Oderzo (Italien)

1997
- Teilnahme an der 22. Internationalen Grafik-Biennale in Ljubljana (Slowenien)

2007
- Teilnahme an der 18. Internationalen Biennale für Radierung in Sarcelles (Frankreich)


Einzelausstellungen (Auswahl):

1988
- Pfalzgalerie, Kaiserslautern
- Galerie Welz, Salzburg

1989
- Galerie manus presse, Stuttgart

1992
- Galerie Bode Nürnberg

1993
- Museum Kunsthaus Heylshof, Worms am Rhein

1996
- Galerie Schneider, Berlin

1998
- Galerie Franziskanergasse, Salzburg

1999
- Schloss Brake, Lemgo

2003
- Fondation René Carcan, Brüssel




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Gerhard Hofmann
Gerhard Hofmann: "Toskana abends", Farbradierung, 22,5 x 21,5 cm
Monika Follenius
Monika Follenius: "Pfalz", Acryl auf Leinwand, 24 x 30 cm