Landkreis Südliche Weinstraße / Kreisverwaltung Südliche Weinstraße
 
Prof. Wolf Wrisch und Meisterschülerinnen der Akademie Rhodt unter Rietburg
Malerei
12.05.06 bis 20.06.06

Prof. Wolf Wrisch

Prof. Wolf Wrisch wurde in Ostpreußen geboren. Er studierte in Berlin, Stuttgart (bei K. R. H. Sonderborg), Hamburg (A. Jones) und London Kunst, Kunstpädagogik und Erziehungswissenschaften (Prof. G. Buck). Danach unterrichtete er an verschiedenen Schulen (in Bad Cannstatt und Bremen), der Pädagogischen Hochschule Esslingen, der Universität Bremen und als Professor für Ästhetische Bildung (Malerei und Grafik) bis 1998 an der Hochschule Bremen.
Neben einer großen Anzahl von Ausstellungen und Wandmalereien im In- und Ausland nahm Prof. Wrisch an Workshops - insbesondere mit gegenseitiger Beeinflussung von Malerei und Musik - teil. Er war DAAD-Stipendiat in London und Kunstpreisträger. Einige seiner Bilder befinden sich in öffentlichem Besitz, in Artotheken und in privaten Kunstsammlungen. In den letzten Jahren verstärkte Prof. Wolf Wrisch sein Engagement in der Erwachsenenbildung. Er führt seitdem Workshops und Seminare im kunstpraktischen Bereich mit Laien, Künstlern und Dozenten im In- und Ausland durch.

An der Hochschule Bremen war er spiritus rector des "Instituts für Kunst und Musik in der Erwachsenenbildung" und später des Studiengangs "Bildende Kunst". Für die Akademie Faber Castell entwickelte er die Konzeption des Studienangebots "Bildende Kunst". Darüber hinaus ist er Autor vieler kunstpraktischer Bücher, besonders hervorzuheben die "Meisterschule Malen und Zeichnen" erschienen beim Knaur Verlag und die Veröffentlichungen zur Aquarellmalerei im Urania Verlag.

Kontakt:
Prof. Wolf Wrisch, c/o Akademie Rhodt
Theresienstraße 106
76835 Rhodt unter Rietburg
Tel: 0 63 23 / 98 04 63
Fax: 0 63 23 / 98 16 92
email: wolf.wrisch@akademie-rhodt.de


Ulrike Lampe

Ulrike Lampe lebt in Königslutter. Sie absolvierte nach langjähriger Berufstätigkeit den Studiengang "Bildende Kunst" an der Hochschule Bremen bei Prof. W. Wrisch (1994-1998) und bildete sich in weiterführenden Seminaren und auf Malreisen fort. Sie arbeitet vor allem an Themen und Zyklen für Gruppen- und Einzelausstellungen.


Dagmar Lössl

Dagmar Lössl wurde 1960 in Falkenau (Tschechische Republik) geboren. 1968 erfolgte der Wechsel nach Deutschland, wo sie die schulische und berufliche Ausbildung absolvierte. Sie studierte Kommunikations-Design an der FH Augsburg bei Prof. Frost und arbeitet seit 1988 hauptberuflich als Grafik-Designerin in einem Verlag. Von 1999 bis 2004 nahm sie zur künstlerischen Weiterbildung an Seminaren bei Prof. Wolf Wrisch teil, 2003 erfolgte die Ernennung zur Meisterschülerin.

Ab 2000 folgten verschiedene Gruppen- und Einzelausstellungen. Seit 2003 intensiviert sie ihre Studien an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und arbeitet als freie Künstlerin.


Emmy Rindtorff


Emmy Rindtorff wurde in Braunschweig geboren. Sie lebt und arbeitet heute in Recklinghausen. Ihre Ausbildung war zunächst autodidaktisch, sie besuchte Kurse in der VHS Essen, der Sommerakademie Trier, der Akademie Rhodt (bei Prof. Wolf Wrisch) und betreibt zur Zeit freie Studien bei Edgar E. Eubel im "Tatort Kunst" in Recklinghausen.

Ausstellungen ihrer Werke gab es u.a. in öffentlichen Einrichtungen in Recklinghausen, dem Weingut J. Heußler in Rhodt und der Galerie "art.ist." in Castrop-Rauxel.


Helge-Marie Wandel

Helge-Marie Wandel wurde 1938 in Bremen geboren. Sie studierte zunächst an der Kunsthochschule in Hamburg und absolvierte anschließend ein Pädagogikstudium mit den Schwerpunkten Kunst und Deutsch. Seit 1995 studierte sie Kunst an der Hochschule Bremen und an der Akademie Rhodt und Rietburg unter Leitung von Prof. Wolf Wrisch. Auf diversen Malreisen in europäische und asiatische Länder vertiefte sie ihre Kenntnisse.

Sie nahm an zahleichen Einzel- und Gruppenausstellungen teil, oft mit dem thematischen Schwerpunkt "Hafen und Schifffahrt".


Einführung von Dr. Matthias Brück

In einer Zeit des "Déjà vu", der Überproduktion von Bild-Welten und des gnadenlosen Kopierens nicht zu resignieren, erfordert von Professoren und Schülern Mut und existentielles Engagement. Darüber hinaus - vom Erlernen bestimmter Techniken, Farb- und Kompositionslehren einmal abgesehen - ist Kunst ja kein Lernblock, der in irgendeinem Curricula seine Befriedigung findet, sondern Aufgabe und Möglichkeit zur ständigen Auseinandersetzung.

Immanuel Kant hat das beispielhaft für die Philosophie definiert: "Philosophie kann man nicht lernen, nur das Philosophieren". Analog dazu könnte man formulieren: "Kunst kann man nicht lernen, aber die Chancen und Möglichkeiten künstlerischen Begreifens der jeweiligen Gegenstände und der uns umgebenden so genannten Wirklichkeit…".

Entschuldigen Sie diesen etwas unzeitgemäßen Vorspann in einer Epoche angeblich totaler Machbarkeit. Doch dass dies nur knapp Angedeutete keine hohle Theorie zu bleiben braucht, kann man beim Betrachten der Exponate der vier Meisterschülerinnen von Prof. Wrisch eindringlich erfahren.

Denn Ulrike Lampe, Dagmar Lössl, Emy Rindtorff und Helge-Marie Wandel dokumentieren auf je eigene Weise, dass sie eben nicht den Meister nachahmen, dass sie nicht kunsthistorisch Vorgegebenes kopieren, sondern selbstständig mit ihren Themen umzugehen wissen: seien es die farblich entfremdenden Formen futuristisch anmutender Innenarchitektur, seien es die sich in Farbschwingungen aufzulösen scheinenden Musiker und ihre Instrumente, dann eine verwehende Figürlichkeit, die in der Bewegung fast zur offenen Komposition hin tendiert, oder die Tristesse einer armseligen Gasse, in der ein seltsames inneres Leuchten den ersten Eindruck relativiert.

Frei von irgendwelchen dogmatischen Vorgaben gelingt ihnen mit Fantasie und offenem Variationsvermögen, ein sich Loslösen vom Herkömmlichen, ein Weg zum Eigenen. Man kann es hier nur andeuten.

Der "Schuldige" für diese fortschreitende Entwicklung ist leicht auszumachen: Prof. Wolf Wrisch, dessen Werk heute im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht und einen Zeitrahmen von etwa 15 Jahren umgreift. Und während dieser Zeit bleibt nun ein Grundthema direkt-indirekt anwesend: die Stellung des Menschen in der Welt mit all seinen positiven Möglichkeiten, seiner Begrenztheit und der wohl nie zu überwindenden "selbstverschuldeten Unmündigkeit".

Exemplarisch dafür könnten die beiden Käfigbilder sein. Der Mensch, mit mächtigen, überdimensionalen Flügeln ausgestattet, flattert in seinem Gefängnis auf der Stelle. Und selbst, wenn man ihm den Käfig öffnet - wie im zweiten Bild zu sehen, bleibt er lieber in seinem Gehäuse oder er hat das Fliegen längst verlernt. Dabei wurde ihm vom Künstler fürsorglich eine Definition des Fliegens wie ein Konstruktionsplan à la Ikarus zur Verfügung gestellt. Doch wer wagt es schon, die Sicherheit vorgefertigter Meinungen und liebgewordener Vorurteile aufzugeben?

Sie sehen jetzt bereits, hier werden Grundsituationen menschlicher Existenz angesprochen. Doch nicht in der gewohnten Art des moralinsaueren Zeigefingers, vielmehr stets mit einer Prise Ironie relativiert.

Wie sonst könnten Tapeten - über ihre ornamentale Funktion hinaus - eine so tragende Rolle spielen? Illustrieren sie doch mit Rosenrot und Veilchenblau eine verkitschte Gefühlwelt, in der barocker Liebeskampf mit hollywood-typischem Schmachten eine perfide Verbindung quer zur Geschichte eingeht. Darüber hinaus interpretiert die Tapete als Collage-Stück oder Hintergrund geradezu die Fundamente unseres Daseins als Garant des Verschlafenen, Unreflektierten, wie Unkritischen. Nicht umsonst lässt Prof. Wrisch eine seiner engelhaften Gestalten lieber in die Gewissheit eines Tapetenmusters abstürzen als ins Unbekannte, Ungewisse.

Und immer wieder queren Giacometti-Figuren das Bild. Sie könnten kompositorisch-spielerische Funktionen erfüllen, wenn sie kreisförmig angeordnet werden. Doch bisweilen mögen sie sich auch enttäuscht vom Bildgeschehen abwenden. Was Wunder, wenn sie auf zelebrierte Scheinheiligkeit treffen bzw. in einer Magersucht verdächtigen Sockel-Schönheit ein misslungenes Abbild ihrer eigenen Form erkennen. Doch das Züchtigen des Körpers beginnt schon wesentlich früher, wenn der Geist abhanden gekommen ist. "Die Last des Mieder" nennt Prof. Wrisch ein Exponat, dem man den Untertitel wünscht: "Früh geschnürt, hat spät gereut".

Immer wieder treffen Sie auf mannigfaltige Zitate aus der Kunstgeschichte. Sie können Räume, Denkräume öffnen, sie können spielerisch eingesetzt werden oder sie symbolisieren auch in manchen Exponaten eine Mächtigkeit, eine Übermächtigkeit des Vergangenen, das die menschliche Freiheit des Handelns ebenso beschränkt wie die Angst vor dem selbstständigen Denken. Stellvertretend dafür steht häufig der Kubus als Bild für die selbst verfügten Grenzen des Menschen - keine apokalyptische Metapher, vielmehr eine treffende Daseinsinterpretation.

Ein Rezept für die mögliche Befreiung gibt Prof. Wrisch glücklicherweise nicht. Schließlich ist er ja Künstler und kein Ideologe; doch er erhellt indirekt Möglichkeiten, die diese Ausstellung über die künstlerischen Aspekte hinaus zu einer philosophischen Begegnung mit der Wirklichkeit werden lassen.




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