Stadt Landau in der Pfalz / Städtische Galerie Villa Streccius
 
"Stilbrüche"
Mitgliederausstellung der apk
26.01.08 bis 24.02.08

"Stilbrüche": Unter diesem Leitgedanken können zum einen werkimmanente Kontinuitäten und Diskontinuitäten aufgezeigt werden, zum anderen ermöglicht er die Konfrontation unterschiedlichster Stilrichtungen.

Die Vielfalt der Stile ist seit ihrer Gründung im Jahr 1922 das Kennzeichen der apk, die heute mit über 160 Mitgliedern die größte Künstlergruppe in der Pfalz darstellt. Die Ausstellungen der apk dokumentieren mithin inhaltliche, stilistische und technische Vielschichtigkeit. Bei der jurierten Schau wird die alte Tradition, Gäste einzuladen, wieder aufgenommen. So sind neben den 29 Mitgliedern die Fotografin Nicole Ahland aus Wiesbaden und die Malerin Christiane Maether aus Neustadt mit je einem größeren Ausstellungsbeitrag vertreten.


Besprechung von Gabriele Weingartner, Die Rheinpfalz vom 28.01.08

Entdeckungen für Kunstfreunde

Unter einem Stilbruch versteht man in der Kunst das Auftreten eines Elementes, das nicht zum Gesamtbild eines Werkes passt und als störend empfunden wird. Wenn sich also eine Ausstellung "Stilbrüche" nennt, wie die derzeit in der Landauer Villa Streccius präsentierte Mitgliederausstellung der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler (apk), muss dann der Besucher mit dem Schlimmsten rechnen? Ein Rundgang durch die 70 Exponate reiche Schau zeigt: keineswegs.

Es gibt keine großen Überraschungen. Stilbrüche schon gar nicht. Wenn man sich nicht von Manfred Weihes Assemblagen "Amboss" und "Torso" irritieren lässt: Auf Kleinplastiken aus grauem Beton ist ein gekreuzigter Jesus - wie er sonst auf Küchen- oder Wohnzimmerkreuzen vorkommt - montiert; im Falle des "Torso" sogar auf einen weiblichen Körper, was höchstens ein ein bisschen abgeschmackt ist. Aber auch anderswo gibt es keine Brüche zu vermelden. Eher eine erstaunliche Vielfalt in der künstlerischen Technik und Ausdrucksweise: Abstraktes, Realistisches, Fotografien, Malerei, Übermalungen, keine einzige Installation erzählender oder auch hermetischer Art, dafür jedoch Bilder, die offen sozialkritische Positionen beziehen.

Zum Beispiel Sandra Wickel, die auf ihren beiden Mischtechniken "Hotline I und II" schonungslos das Thema Fettleibigkeit ins Visier nimmt und dabei keinerlei weibliche Solidarität übt, sondern bewusst und provozierend Hässlichkeit und schlechten Geschmack thematisiert. Cordula Wagner, die ihre Serie "Gewalten" in der Gegenüberstellung von Foto, übermaltem Foto und Malerei auf dem schmalen Grat von Naturgewalten und Zivilisationsbruch balancieren lässt. Oder der Altmeister Wolfgang Blanke, dessen Tourismuskritik - in der knallharten Kombination von Einheimnischen und Pauschalreisenden, über denen in höllischer Nähe ein Flugzeug schwebt - einen deshalb nicht kalt lässt, weil sie mit solcher Brillanz ins Werk gesetzt wurde.

Natürlich tauchen in apk-Ausstellungen die "üblichen Verdächtigen" auf, die Arbeitsgemeinschaft ist schließlich ein Verbund, der auf Langfristigkeit ausgelegt ist. Man begegnet also Arbeiten von Gabriele Domay, Evelyn Blaich und Brigitte Sommer, Jochen Frisch, der auch in der Villa Streccius - wie vordem im Herrenhof Mussbach - "Raben Schlitten fahren" lässt. Georg Pfadt und seinen kraftvollen informellen Mischtechniken, Artur Bozem, der ähnlich arbeitet, aber mit ganz anderen Farben zu Werke geht und selbstredend völlig anders ist. Alexandra Deutsch und ihren Papierobjekten. Und der Pfalzpreisträgerin Felizitas Mentel, deren "3 Lava-Adern" auch in einer Gründerzeitvilla ihre glühende Wirkung entfalten. Zudem kann man darüber staunen, dass der zumeist in blauen Tönen arbeitende Manfred Plathe auf hellere, lichtere, um nicht zu sagen kreischende Farben umgestellt hat.

Eine Entdeckung für Kunstfreunde sind zweifellos die Fotografien der Albert-Haueisen-Förderpreisträgerin Nicole Ahland. Diese taucht - genau wie Christiane Maether, von der ein typischer Wandfries ("Wind über Hambach") ausgestellt ist - als "Gast" in der Ausstellung auf. "Über den Atem" hat Ahland ihre vier großformatigen Arbeiten genannt, wobei der kryptische Titel wenig aussagt über das, was man dann sieht: Leere, abgewohnte Zimmer, verkommene Gebäude, bröckelnder Putz, aufgeplatzte Parkettböden, verschimmelte Blumen-Tapeten. Kurz: ein schöner Verfall, eine berückende Trostlosigkeit im zeitlosen Sfumato (Dunstschleier) einer fotografisch aufgefassten Renaissance. Das ist tief ernst gemeint und hat etwas mit Vergänglichkeit zu tun. Zweifellos aber auch mit einer ganz neu zu deutenden Auffassung von Stillleben im 21. Jahrhundert.




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Artur Bozem
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Sandra Wickel
Sandra Wickel: "Hotline III"
Eugen Roth
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