Andreas Hella und Panos Kounadis
Malerei, Zeichnungen, Objekte
23.04.04 bis 23.05.04
Andreas Hella: "Berauscht"
Einführung von Dr. Matthias Brück
Bisweilen darf man vermuten, die Bildenden Künste hätten sich aus dem einst "kritischen Geschäft" verabschiedet. Sie falten sich regelrecht ein, schielen nach einem Platz im Museum oder feiern sich in zahllosen, gewinnträchtigen Retrospektiven. Alles scheint sich glatter, oberflächen-ästhetischer mit einem Hauch von Discount zu präsentieren. Schließlich steigt ALDI ab und zu ja auch schon ins Kunstgeschäft ein.
Nun gibt es immer wieder, immer noch kleine Inseln - vergleichbar mit dem berühmten gallischen Dorf - die sich auch ohne Zaubertrank - dem leicht abgewandelten IKEA-Slogan "malst du noch oder produzierst du schon" konsequent widersetzen. Künstler wie Andreas Hella und Panos Kounadis, die da ansetzen, wo andere gerne wegschauen, wo es wehtun kann oder mit hintergründiger Ironie die Realität relativieren.
Schon der Farbeinsatz, die Farbdissonanzen in den ausgeklügelten Mischtechniken von Andreas Hella signalisieren einen schroffen Bruch mit der Wirklichkeit von Lifestyle und Diätmargarine. In einer beklemmenden Dramaturgie demaskiert dieser Künstler den schönen Schein, das Bild des Menschen, das der wohl von sich hat, nachdem es ihm multimedial und kommerziell-pointiert vorgegaukelt wurde.
Da zerbricht eine installierte Maske und dahinter entbirgt sich ein gespaltenes Wesen. Offenbart sich als verzweifelt, wie von Dämonen gejagt oder als dämonischer Fanatiker, wie es im "Besserwisser" brutal-charakteristisch angelegt ist. Besessenheit ist wohl das entsprechende Prädikat für viele dieser Kompositionen, dieser Physiognomien, in denen sich regelrechte Innen-Welten spiegeln können. Das steigert sich bisweilen ins Grotesk-Makabre - dann, wenn der Rausch die Persönlichkeit aufweicht, zerfließen lässt ... Und was anfangs noch ein hübsches, unschuldiges Mädchen war, degeneriert zum entstellten Pädagogik-Produkt. "Erziehung" nennt es Andreas Hella lapidar.
Sie können diese Analyse ebenso in den subtilen Zeichnungen verfolgen. Clowns, die bekanntlich gar nicht so lustig sind, neben Frauengestalten, Frauengesichtern von fast überhöhter entrückter Schönheit. Aber auch sie sind von einer Art existentieller Erosion befallen, verzerren sich gequält leidend trotz ihrer Anmut und einem unbestreitbaren erotischen Flair. Woher das kommt? Zumindest teilweise? Vielleicht finden Sie die Antwort in der Sonnenbrille jenes Konsumenten auf der alten Zelluloid-Schallplatte …
Mit Panos Kounadis betreten Sie eine andere Welt. Da scheint größtenteils die Orientierung auszubleiben. Dunkle, blauvariierte Räume gliedern sich nur selten in beständige Perspektiven und selbst der geographisch eindeutig festgelegte "Schwarzwald" wird eher zum Märchenwald, zur Kulisse für liebende Paare.
Wie unter Einfluss eines Weichzeichners entgleiten die Konturen, verschmelzen mit einer geheimnisvollen Umgebung, die immer wieder von merkwürdigen Gestalten mitgestaltet wird. Kobolde könnten es sein, Gnome aus einer Zwischenwelt im Wechsel von Realität und Traum. Soweit man sieht lassen sie es sich gut gehen - und schließlich tröstet ja ein Titel alle, die um die Zukunft besorgt sind: "nicht das letzte Abendmahl" … Und wie in einem mehrfach belichteten Film schieben sich Partien um Partien nebeneinander, übereinander. Verbinden sich dennoch zu einem faszinierenden Ganzen, wie es zum Beispiel der "Badewannenkäpitän" zu erleben scheint.
Diese Träume von Panos Kounadis sind deshalb so außergewöhnlich, weil sie eben aus den unterschiedlichsten Segmenten zusammenfügen, überlappen und somit eine neue, andere Bewußtseinsrealität installieren. Anonymität und verschwommene Individualität gehen hier eine seltene Sybiose ein. Unheimliches wird immer wieder durch kleine Ironismen geschickt relativiert … Und gerade diesen Aspekt weiß dieser Künstler kongenial in seinen Plastiken - in bester Gesellschaft mit Heinrich von Zügel (Anm.: Dauerausstellung im Alten Rathaus) - frappierend zu materialisieren.
Auf den ersten Blick könnten die "Wächtergestalten" an Vorstufen zu Terminator I erinnern. Doch ihr Innenleben, ihre labyrinthischen Konstruktionen erweisen sich eher als eine perfekte Kombination von merkwürdigen Materialien mit eigener Geschichte. Was Wunder, wenn da der "Minotaurus" sein Labyrinth in sich trägt - und andere Wächter eher sich selbst zu bewachen scheinen beziehungsweise die ungebrochene Neugierde der Betrachter auf sich ziehen. Nur treten Sie bitte nicht auf den "SYS" - der ist schließlich das Haustier von Sisyphus und hat schon genug zu leiden …