Landkreis Südliche Weinstraße / Kreisverwaltung Südliche Weinstraße
 
Bernhard Mathäss und Cordula Wagner
Skulptur, Malerei
30.03.08 bis 24.04.08

Einführung von Dr. Matthias Brück

Für Cordula Wagner waren Malerei und Fotografie noch nie konkurrierende Disziplinen. Im Gegenteil: stets verknüpfte sie diese vermeintlichen Gegensätze geradewegs poetisch-ästhetisch miteinander, ohne deshalb Zerfall und mögliche Bedrohung auszusparen.

Doch zuerst einmal stehen die Landschaften allein - frei von Menschen, jedoch ohne deren Eingriffe zu leugnen. Sie leben aus jenem impressionistischen Flair, der Stimmungen und Atmosphäre vermittelt, ohne ins Sentimentale abzugleiten. Im Gegenteil: denn gerade hier - im Wechsel der Jahreszeiten beispielsweise - und den damit verbundenen Lichtwechseln, versteht es diese Künstlerin, ihren Naturstücken eine markante, eigenständige Prägung zu garantieren. Man kann den spontanen, pastosen Pinselstrich nachvollziehen, spürt noch die gewisse Vehemenz des Malaktes, die in den Kleinformaten regelrecht gebändigt zu werden scheint. Es sind frei komponierte Landschaften, deren verwegen bewegte Himmel bisweilen geradezu über karg-gefurchtes Land oder schroffe Wald- und Bergformationen gepeitscht werden.

Stets dominiert bei Cordula Wagner die Weite, die Unbegrenztheit der Naturphänomene, die ihren Charakter nicht verlieren, selbst wenn die jeweiligen Kompositionen aus verschiedenen Teilformaten zusammengesetzt wurden. Dennoch werden diese Darstellungen nicht zu Klischees einer heilen Welt, da sie fast subversiv Formen zerstörerischer Eingriffe dokumentieren.

Gerade in der Reihe "Gewalten" lässt sich das beispielhaft dokumentieren. Gewitterhimmel drohen über kahl geernteten Getreidefeldern - Zeugnisse einer beklemmenden Domestizierung der Natur durch den Menschen... Und gleich daneben: zerfallene Fabrikgebäude oder ruinöse Werkstätten. Dokumente eines selbstverschuldeten Niederganges. Gerade hier erweisen sich Malerei und die als Digitaldruck aufgebrachten Fotografien als packende Synthese der Interpretation.

Hier, im Erdgeschoss, hat diese Künstlerin auf faszinierende Weise ihre Reiseerlebnisse in Armenien präsentiert. Ein Land mit einer langen, seit dem dritten Jahrhundert christlich geprägten Tradition, das von historischer Größe in der Neuzeit regelrecht dezimiert wurde - Sie kennen sicherlich diese traurige Entwicklung. Cordula Wagner schildert, interpretiert diese persönliche Begegnung in allen denkbaren Facetten. Der Berg Ararat, einst der heilige Berg der Armenier, der heute auf türkischem Gebiet liegt, die so genannten Kreuzsteine - vergleichbar unseren Bildstöcken - verweisen unter anderem auf einstigen Reichtum und Blüte. Während Kirchen aus längst vergangenen Jahrhunderten an die tiefe Religiosität dieses Landes erinnern.

Nur jetzt ist dieses Land mehr als arm. Und so erfasst es diese Künstlerin auch. Inmitten der kargen, steinigen Landschaften installiert sie Architekturen – oft mehr Slums als regelrechte Wohnstätten. Und doch vermitteln diese Kompositionen nicht einfach nur trostlose Tristesse, vielmehr ebenso ein Stück Erhabenheit, ein unterschwelliges "Dennoch". Und gerade dieses undogmatische Sowohl-als-auch durchzieht meines Erachtens unbeirrbar - kompositorisch wie inhaltlich - das Werk von Cordula Wagner!

Nach dem Menschen, nach seinem Bild suchen, heißt Suche nach dem Sinn. Manche haben ja bereits sich selbst zu ihrem Menschenbild hochstilisiert - die Resultate sind dann auch dementsprechend: lächerlich bis gefährlich!

Nun, bei Bernhard Mathäss trifft das natürlich in keinster Weise zu. Denn, gerade auch bei seinen Helm- und Krieger-Kompositionen gelingt es ihm, das Typische nicht zum Standart werden zu lassen, vielmehr hinter aller Panzerung, hinter aller hermetischen Dichte eine Ahnung des Persönlichen, des Individuellen anzudeuten. Das Wehrhafte, die ständige Abwehrbereitschaft, das schon unheimliche Tendieren zum Andropoiden bleibt stets gegenwärtig - wird durch die Materialverbindung von Beton und Stahl noch entscheidend verstärkt.

Und doch geht dieser Künstler immer wieder über diese Konstanten hinaus. Gerade dann, wenn er die traditionelle Dialektik von Schutz und Aggression überschreitet, um diese Gegensätze aus dem äußeren Bereich ins Innere seiner Personen zu verlagern. Denn dadurch wird der Betrachter mit der Frage konfrontiert, wieweit die schützende Rüstung, das bedrohlich wirkende Visier für den Träger selbst nicht auch Zwang, Enge, ja Kerker bedeutet.

Manche Exponate steigern diese Vorstellung noch, da die herkömmliche Helm-Konstruktion geradezu bunkerähnliche Formen annimmt. Ein Ausbruch erscheint hier beinahe hoffnungslos. Aus dem archaisch-trutzigen Krieger ist ein Gefangener seiner selbst geworden... und im Wandel der Zeiten haben die Totem-artigen Widderschädel längst ihre Magie und Macht verloren - unsere so genannte Zivilisation hat sie schon lange durch andere Trugbilder ersetzt.

Ganz im Sinne eines philosophischen, umgreifenden Denkens verweilt Bernhard Mathäss jedoch nicht allein bei diesen Aspekten eines möglichen Menschenbildes. Schließlich erfasst er menschliche Beziehungen, Stimmungen und Situationen in einer schlicht stilisierten und dennoch aussagekräftigen Weise - ohne pathetische Gefühlsduselei, wie Sie es im 1. Obergeschoß erfahren können... das konkrete Pendant, das perfekt realistisch-naturalistische Gestalten dokumentieren seine Portrait-Büsten gleich hier neben Ihnen.

Genießen Sie diese Vernissage mit all den gebotenen Anregungen und Denkanstößen - und vergessen Sie bitte nicht: im Kreishaus ist heute verkaufsoffener Sonntag!


Besprechung von Gabriele Weingartner, Die Rheinpfalz vom 01.04.08

Schönheit gibt es nicht umsonst

Cordula Wagner und Bernhard Matthäss' Arbeiten haben mehr miteinander zu tun, als man denken mag beim ersten Blick: beide arbeiten mit unterschiedlichen Medien. Wagner ist Fotografin und Malerin. Und Matthäss kombiniert Beton mit Stahl. Dass dies kein Zufall sein kann, sondern Absicht auch in der Aussage demonstriert, das merkt man, wenn man sich den Bildern und Skulpturen überlässt, die derzeit im Kreishaus der Südlichen Weinstraße zu sehen sind.

Offensichtlich ist es jedenfalls bei beiden Kunstschaffenden: dass da Ambivalenzen erfasst werden sollen. Bei dem 1963 in Landau geborenen und nun in Duttweiler lebenden Bildhauer Bernhard Matthäss zeigt ja schon der graue, eher deftige Beton seinen in ihm liegenden inneren Gegensatz, wenn der Künstler ihn zur realistischen Darstellung von Frauen, Männern und Kindern sowie für sein Selbstporträt benutzt und dabei trotzdem sehr feinfühlig auf die jeweilige Sensibilität eingeht. Zugleich aber sind doch seine knapp überlebensgroßen Büsten immer bewehrt mit rostigen, sehr wehrhaft anmutenden Utensilien aus Stahl: das Handwerkszeug des Künstlers ("Artista"), die Kapuze des Sweatshirts des Knaben "Johannes", die rostige Krawatte des arg ausgemergelt wirkenden "Asketen", dessen Gesicht - obwohl es aus Beton ist - von einer wächsernen Blässe überzogen scheint.

Dennoch: Der Schritt zur Helmbildung, zur Abschottung, ja, fast zur manifest gemachten und vor den Augen der Betrachter manifest werdenden Klaustrophobie liegt nahe: Da verschwindet unter einem großen "Helm" jedwede Individualität, da sind in der Tat auch "Stelen" und eine klobige "Festung" zu sehen, Arbeiten, die zeigen, was passiert, wenn Beton architektonisch wird, bedrohlich auch, aber doch wenig aussagekräftig und höchst verwechselbar.

Sprich: Bernhard Matthäss' künstlerische Besonderheit zeigt sich nach wie vor eher in seiner Menschen-Darstellung und weniger in seinen irgendein dunkles Menetekel suggerierenden, ins Abstrakte tendierenden Skulpturen. Natürlich ist das eine Geschmacks- und keine Glaubenssache. Erfreulich bleibt es dennoch, dass man beim Abschied die Büste "Impotenter Mann gesucht" - die direkt beim Eingang steht - vor Augen hat: Dieses zweifellos mit viel Ironie gestaltete weibliche Wesen trägt nicht nur einen Schal aus rostigem Eisen, sondern direkt auf der Brust die Heiratsanzeigen einer Tageszeitung. Wobei man nicht weiß: Ist die Dame unterwegs zu einem Single-Treffen? Oder kommt sie schon desillusioniert zurück?

Auch Cordula Wagner gestaltet zweigleisig, wie gesagt, wenn auch kaum mit Ironie, sondern mit dem Mut der Verzweiflung. Die 1964 geborene, in Maikammer lebende Künstlerin zeigt auf ihren meist mehrteiligen Bildern die Domestizierung der Natur sowie die Perversion von Wohnmaschinen, so wie sie zum Beispiel noch immer im einmal real-sozialistisch gewesenen, bitterarmen Armenien vorkommt. Dabei operiert Wagner mit auf Leinwänden aufgebrachten Digitalfotografien, die malerisch wirken, bisweilen auch malerisch bearbeitet wurden. Und nicht selten stellt sie ihnen dann Landschaften zur Seite: obwohl man eher "gegenüber" sagen müsste, weil die Mehrteiligkeit stets als Konfrontation zu verstehen ist. Abgeerntete Felder treffen so auf erbarmungswürdige städtische Slums, der heilige Berg Ararat, schneebedeckt und scheinbar heil geblieben, auf Häuser, die Löcher sind und unwürdig als Behausung. Und man ahnt die Menschen, die hier leben müssen, ohne dass man sie doch sieht. Auf manchen Arbeiten hat die Künstlerin diese Trennung übrigens nicht einmal mehr beibehalten: Mitten hinein in unversehrte, gestisch gemalte Landschaften und wolkenverhangene Himmel stellt sie Fotos, die das Elend zeigen, just jene irritierenden Fotos, die man von den anderen Bildern schon kennt. Drastischer könnte man nicht zeigen, dass die Schönheit angefressen ist, die man da sieht, plakativer aber auch nicht. Zumindest wenn die Methode ins Serielle ausartet und man keine eigenen Schlüsse mehr ziehen muss.

Dennoch: In gewisser Weise handelt sich um eine appellative Ausstellung in der Kreisverwaltung und sei es nur, um zu zeigen: Sicherheit ist nirgends. Und Schönheit gibt es nicht umsonst.


Cordula Wagner


1964
- geb. in Neustadt an der Weinstraße

- wohnt in Maikammer/Pfalz


1991
- Dipl. Designerin, FH Mainz

1993
- Lehramtsstudium Kunst und Deutsch an der Uni Landau

1995
- Studienortwechsel an die TU und die Hochschule der Künste Berlin

2000
- Pädagogin für Kunst und Deutsch


Ausstellungen und Beteiligungen (Auswahl):

seit 1998
- Ausstellungen in der Region u.a.

2000, 2004, 2006
- Kunstverein Neustadt an der Weinstraße, "Hofkultur"

2002
- Mainz, "Kunst und Künstler im Messestand"
- Speyer, Altstadtgalerie

2003
- Jockgrim, Zehnthaus, Ausstellungsbeteiligung am Haueisenpreis
- Speyer, apk-Ausstellung, "In mir ist Italien"

2004
- Landau, Stadtbibliothek, "Licht - Himmel - Jahreszeiten"

2006
- Bad Bergzabern, Kunstgilde, galerie am schloss,
- Mainz, BBK-Galerie Alte Patrone, "Neu im BBK"
- Jockgrim, Zehnthaus, apk-Ausstellung, "Grafiken"


Mitgliedschaften:

- apk (Arbeitskreis Pfälzer Künstler)
- BBK Rheinland-Pfalz


Bernhard Mathäss

1963
- geb. in Landau

- Abitur am Leibniz-Gymnasium Neustadt
- Steinbildhauerlehre bei Theo Rörig
- Fachschule für Steingestaltung, Freiburg
- Bildhauerklasse Prof. Thomas Duttenhoefer
- Atelier am Römerberg, Wiesbaden

Ausstellungen und Beteiligungen (Auswahl):

1991 und 1993
- Neustadt an der Weinstraße, Kunstverein, "Junge Künstler in der Villa"

1995, 1997, 1999
- Kunstmesse "Forum Interregional"

1996
- Wiesbaden, IAC-Galerie

1997
- Neustadt an der Weinstraße, Kunstverein, Ausstellung mit Klaus Scheu

1998
- Jockgrim, Zehnthaus, Ausstellung mit Volker Heinle und Xaver Mayer
- Königsbacher Atelierhaus, Ausstellung mit Ralf Gelbert
- Jockgrim, "Kunst und Künstler aus Rheinland-Pfalz"

1999
- Speyer, Künstlerbund, Ausstellung mit Petra Beckmann
- Speyer, Deutsch-Französisches Ausstellungsprojekt "Konvers"

2000
- Bildhauersymposium und Ausstellung in der Gedenkstätte KZ Osthofen
- Pfungstadt, Historisches Rathaus, "Positionen"

2001
- Edenkoben, Galerie Neumühle
- Bildhauersymposium und Ausstellung in Marsberg
- Paderborn, Galerie "Arte Pietra"
- Wiesbaden, Rathaus

2002
- Trier, Europäische Akademie
- Mainz, Kunstmesse

2004
- Neustadt an der Weinstraße, Galerie Im Tal
- Mainz, Kunstmesse Rheinland-Pfalz

2006
- Altenstadt, Sparkasse
- Rostock, Städtische Kunsthalle


Auszeichnungen:

1998
- Reisestipendium der "Stiftung zur Förderung der Kunst in der Pfalz"

2001
- Trier-Saarburg-Kunstpreis




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