Kunstverein Germersheim / Zeughaus Germersheim
BILD - sprachen
05.09.20 bis 04.10.20

Eröffnung am 05.09.20 von 17.00 bis 19.00 Uhr
Text zu den Künstlerinnen und Künstler: Sabine Adler, Kunsthistorikerin
Die Künstlerinnen und Künstler sind anwesend.

KünstlerInnen:
  • Bahaiden (Mannheim)
  • Esther Naused (Hamburg)
  • Sibylle Möndel (Kornwestheim)

Wir freuen uns sehr, Sie wieder begrüßen zu dürfen. 
Coronabedingt fallen die gewohnte Vernissage und auch die Finissage mit Kunstcafé leider aus.
 
Bahaiden - Mythologie der Blumen  
Die Serie, der Zyklus, sind das Gesetz seiner Malerei. Der international bekannte Maler Bahaiden hat erneut eine Folge "Mythologie der Blumen" geschaffen. Zwei Serien hat der Künstler in leicht modifizierter Weise erstellt. Die eine Reihe zeigt größere Gemälde (2,50 x 1,10 Meter) und besteht aus sechs Arbeiten, die kleinere Ausführung (40 x 40 cm) beläuft sich auf acht Einheiten. Seriendarstellungen sind aussagekräftiger und lassen beim Betrachter eher das Verständnis aufkommen, was der Künstler mit seinem Werk zum Ausdruck bringen möchte. Mit seinem dynamischen Farbauftrag in sanft abgestuften Tonwerten, und den großartigen in vertikaler Form gehaltenen Farbverläufen, soll der Zyklus als Metapher mythologischer Blumen verstanden werden. 
 
Der Maler setzt die Farben sensibel und feinnuanciert ein. Vom hellen Weiß der Leinwand steigern sich die Farben über lichtes Grau, dann über kräftiges Grau als Untermalungen, zur dunkeln Farbfläche, die durch zahlreiche lichte Einschläge lebhaft strukturiert wird. Dabei bleiben die aufgetragenen Farben bei einigen Gemälden im Rahmen der Bildfläche begrenzt, während in anderen Darstellungen die Farben über den Bildrand hinaus fließen und dem Betrachter die Möglichkeit geben, seiner eigenen Phantasie zu folgen. Der Farbauftrag bewegt sich damit innerhalb wie außerhalb des Raumes. Die Komposition ist das Ergebnis einer ungewöhnlichen Fähigkeit zur Konzentration, geschult an dem von Bahaiden in all seinen Werken verfolgte kompakte Farbenzentren von mächtiger Leuchtkraft.  
 
Das vorherrschende Schwarz in seiner Mythologie der Blumen soll nicht als Traurigkeit oder Hoffnungslosigkeit verstanden werden, sondern durch die vielseitigen Farbeabstufungen der Schönheit und Ästhetik von Blumen nahekommen. Dazu trägt auch der spontane Farbauftrag bei, der vielfach nicht durch Linien, sondern eher verschwommen, raumfüllend zum Ausdruck kommt. Bahaiden will keine destruktive Welt. Er liebt nicht nur die Harmonie, sondern fordert sie eindringlich. Die großartige vertikale Gestaltung der Farbkumulation wirkt auf den Betrachter beeindruckend. Bei näherer Betrachtung des Farbenspiels lassen sich mystische, unerklärliche und durch Zufall entstandene figurale Formen bzw. Umrisse erkennen. So wird das Reale mit dem Irrealen auf manchmal kaum zu unterscheidender Weise ein wenig vermischt, was sich auf die Malmaterie und in dynamischen Farbebewegungen begründet.  
 
Dabei wirkt die in leuchtendem Rot gesetzte und das ganze Gemälde beherrschende kleine Fläche als faszinierende Größe, die wieder an die natürlichen kraftvollen Farben von Blumen erinnert. Die rote Farbfläche schwimmt fast unverbindlich wie eine Amöbe auf der dunklen, in Kontrast stehenden Fläche. Die rote Farbfläche ist nicht in sich einfarbig geschlossen, sie ist durch die Untergrundfarbe strukturiert. Ein Aspekt in dem die Vielseitigkeit der Mythologische Blumen beschrieben wird. Eine bedeutende Tatsache kennzeichnet seit einigen Jahren die Werke von Bahaiden. Es sind vier Farbpunkte, die auf seinen Arbeiten immer wieder erscheinen.  
 
Der Künstler will damit seine Toleranz bekunden, aber zu gleich auch seine normativen Prinzipien beschreiben. Die Sinnhaftigkeit der Punkte ist mit (Gott, Mutter, Liebe und ich) zu entschlüsseln. Es handelt sich hier um eine von Bahaiden persönlich gepflegten Ikonographie. Die kleinen Gemälde folgen derselben Konzeption vom Inhalt wie auch von der Aussage her. Nur die Farbe der kleinen Flächen, die im Kontrast zur dunklen Fläche stehen wie auch die vier Punkte, sind in Gold ausgeführt. Sie dienen der sagenhaften Beschreibung seiner Blumen. Bahaidens Gemälde Mythologie der Blumen erschließen sich nur dem Betrachter, der ein dafür sehendes Auge besitzt und die Fantasie zu ihrer Umsetzung. 
Dr. Benno Lehmann, Kunsthistoriker (Heidelberg)

Esther Naused
Esther Nauseds Arbeiten auf Papier sind Konstruktion und freier prozesshafter Entwurf zugleich. Grundthema ist der Raum und die Bildtiefe. Es entstehen keine konkreten Räume, ihre Arbeiten bleiben ungegenständlich. Ohne konkrete Vorstellung beginnt sie mit dem intuitiven Auftrag von wässrigen, meist waagerechten und senkrechten Bahnen auf das Papier und schafft damit die formalen Voraussetzungen zur Entstehung von Räumlichkeit. In einem zweiten Schritt arbeitet Esther Naused mit schwarzer Tusche in diese Bahnen hinein. Es entstehen Durchblicke, Spiegelungen, Horizonte, fließende Oberflächen oder feste Strukturen. Mal sind es dynamische Formationen, mal stille, fast sanfte Kompositionen. Immer spielt das Licht eine entscheidende Rolle.
Carolyn Heinz (Hamburg)

Esther Naused ist 1960 in Hamburg geboren. Sie studierte Freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei Prof. Gotthard Graubner. 2016 erhielt sie das Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds Bonn und hatte zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland und Japan. 

Sibylle Möndel
Naturreflexionen von Werden und Vergehen manifestieren sich sowohl in ihren Waldbildern als auch in ihren Pflanzungen.
Die installative Hängung einzelner Bildtafeln auf Stoß erzeugt beim Betrachter eine spannende Umraumsituation und zieht ihn hinein in die sich öffnenden Bildräume. Gestische, farblich verhaltene Malerei, die Rohleinwand teilweise zeigend, wird überlagert mit Strukturen, gedruckt vom Sieb. Malerei und Grafik gehen eine filigran durchwobene Symbiose ein und verweisen subtil auf die Verletzlichkeit von Natur.

In "Pflanzungen" nimmt Sibylle Möndel floral und figural Bezug auf die pflanzende Frau von Richard Martin Werner, der 1949 den Entwurf für das 50 Pfennig Stück schuf. Die knieende, pflanzende Figur wird von Sibylle Möndel in eine ihr eigene Bildsprache transformiert und repräsentiert in ihrer so entwickelten Zeichenhaftigkeit eine Ikone des kollektiven Gedächtnisses: Der Mensch in der Position, Wachstum erwartend, zahlreich dargestellt in allen Kulturen und Kulten der Menschheitsgeschichte. Architektur und Pflanzung durchdringen sich in den an Gewächshäuser erinnernden Darstellungen gegenseitig. Geometrische Linien und organische Lineamente lassen das Auge des Betrachters immer neuen Konstellationen nachspüren.
Angelika Flaig, Juni 2020

Bitte beachten:
Bringen Sie bitte Ihren Mund-Nasen-Schutz mit und halten Sie sich an die geltenden Abstands- und Hygienevorschiften!

Öffnungszeiten: 
Sa. von 15.00 bis 18.00 Uhr
So. von 14.00 bis 18.00 Uhr



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