Städtische Galerie Kulturhof Flachsgasse / Kulturhof Flachsgasse
Bilderverlangen - Künstler und Künstlerbücher der "Edition Galerie auf Zeit", Berlin
Ausstellung in der Städtischen Galerie Speyer
07.11.03 bis 07.12.03

Lesung im Rahmen dieser Ausstellung:
Freitag, 28.11.03, um 20.00 Uhr
Autor Jürgen K. Hultenreich aus Berlin liest Gedichte aus dem Künstlerbuch "Ich heb ein Bein und bin auf einmal Hund" (Edition Dschamp, Berlin, 2000) eine Kurzgeschichte: "Brav, sagte ich, brav", aus der original-grafischen Edition "Entwerter/Oder" (Uwe Warnke Verlag, Berlin, 2003) und aus dem neuen Kurzgeschichten-Roman-Manuskript "Zero" (erscheint nächstes Jahr).


Bilderverlangen (Text von Wolfgang Sauré, WELTKUNST)

So lautet der Titel einer Ausstellung in der Städtischen Galerie der Stadt Speyer mit sechs Künstlern der 1993 von Thomas Günther gegründeten Berliner Edition Galerie auf Zeit. Die Schau enthält repräsentative Arbeiten von Strawalde, Klaus Zylla, Pontus Carle, Michael Würzberger, Sabine Jahn und Harald-Alexander Klimek. Der Initiator Thomas Günther, Herausgeber von Druckgraphik und unkonventionellen, meist aggressiv-ironischen Künstlerbüchern, begann als Verfasser subversiver Texte und gehörte schon zu DDR-Zeiten zu den prägenden Persönlichkeiten ostdeutscher sowie Berliner Subkultur. Bereits in den 80er Jahren begann er gemeinsam mit Gleichgesinnten eigenständige, staatsfern und unabhängig originalgraphische Künstlerbücher sowie Druckgraphik in kleinsten Auflagen herzustellen. Seine Edition nennt sich DSCHAMP: Der Anklang darin an das englische to jump = springen und an einen Großen der Moderne (Marcel Duchamp) ist durchaus beabsichtigt. Gleichwohl bleibt DSCHAMP eine Worterfindung - auch Kurt Schwitters läßt grüßen.
Das Besondere an seinen Veröffentlichungen sieht Günther darin, daß "Beiträge namhafter Autoren mit DDR-Erfahrung auf die graphischen Entwürfe von Künstlern und Künstlerinnen treffen, die bewußt nicht illustrieren, sondern in Dialog treten. Sie übersetzen die Literatur in linear betonte und koloristisch vielschichtige Kompositionen. So entstehen Buchkunstwerke zwischen Dichtung und Figurativem, Graffiti und konkreter Poesie, Piktogramm und Concept-Art."
Diese stilistische Eigenart, die an dadaistische, vorzivilisatorische oder auch an informelle Malweisen erinnert, läßt sich reich variiert bei fast allen in Speyer vorgestellten Künstlern nachweisen.

Klaus Zylla: 1953 in Cottbus geboren, Siebdrucker, Graphiker, Zeichner, Maler. Seine Werke beziehen sich auf das Alltägliche, Zwischenmenschliche, das Überschreiten von Grenzen, das Aufzeigen von Widersprüchen, Unvereinbarem, mit Suche nach neuen Bildideen und Ausdrucksformen von verzerrten, übersteigerten Figuren, humorvoll, makaber.

Pontus Carle (geb. 1955 in Lund/Schweden): Seine Malerei setzt sich "aus einer Mischung von traumverwandelter Realität und alptraumhafter Suggestivkraft zusammen" (Thomas Günther), durchsetzt mit Segmenten, Chiffren, Linien, Gekritzel oder Punkten.

Michael Würzberger (geb. 1960 in Berlin): Ein dezidiert antiakademischer Maler, mit Ironie als hintergründige Aggressionslust gegen Tabus, vorgetragen in schrillen Bildfragmenten, zugleich destruktiv und progressiv.

Sabine Jahn (geb. 1955 in Altenburg/Thüringen) zeigt Text-Bild-Collagen als Spiel mit Versatzstücken der Wirklichkeit. Ihre Handschrift ist ostdeutsch-expressionistisch geprägt, romantisch-veristisch, von glutvoller Ausstrahlung.

Harald-Alexander Klimek (geb. 1959 in Frankenthal/Pfalz): Seine subversiven Bildmontagen gehen gegen falsches Denken an, machen lächerlich, wirken befreiend und unterhaltsam. Das verzahnte Bildgefüge wirkt wie ein farbig schillerndes Kaleidoskop, witzig-verwegen durch kontrasthafte Motive von persönlichen Mythen, Erinnerungsfetzen, Triebphantasien.

Strawalde, 1931 als Jürgen Böttcher (unter diesem Namen auch als Filmemacher bekannt geworden) in Frankenberg/ Sachsen geboren, malt sowohl abstrakt wie figurativ, mit kraftvoll-impulsivem Farbauftrag.



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