Rhein-Pfalz-Kreis / Zehnthaus Römerberg-Berghausen
Birgit Rau-Paqué: "... wenn alles duftend Frühling tuschelt"
Malerei
05.05.07 bis 13.05.07
wenn alles duftend Frühling tuschelt
Birgit Rau-Paqué (Ausschnitt)

Einführung von Paul Platz

Eine lyrische Ausstellung empfängt uns heute mit "... wenn alles duftend Frühling tuschelt!" Dabei raunen, säuseln oder flüstern die Bilder in ihrer Farbintensität, in ihrer Kraft eigentlich nicht. Allein die Motive verweisen auf den Frühling, auf dessen junge Kraft, die hervorbricht in all ihrer jungen Zartheit, ihren Farben, ihrer Vielfalt und ihren Düften.

Diese Motive von Birgit Rau-Paqué sind allerdings nur eine Facette ihres Arbeitens. Je nach Jahreszeit wechselt sie, im Sommer etwa in die Vielfalt des Meeres, parallel immer wieder auch themenbezogen wie Golfsportbilder. Im Frühjahr dagegen kann sie es gar nicht abwarten, die ersten Blumen auf der Leinwand wiederzugeben. Sie besucht schon zeitig ausgesuchte Floristen in unserer Region, findet dort die Schönheiten, die Besonderheiten der frühen Blüher. Sie hat dabei ihre eigenen Malmittel gefunden, um diese Pflanzen, die sie so sehr beeinflussen, motivieren, in ihre Malsprache umzusetzen. Sie arbeitet ausschließlich mit Ölfarbe, die ausgesuchten Pigmente setzt sie selbst zu. Dieses Malmittel schafft intensives Leuchten, schafft Tiefe. Durch kräftigen Farbauftrag, ausschließlich mit einem harten Borstenpinsel, ohne Spachtel, verhilft sie dem Bild außerdem zu einer eigenen Schattenwirkung, die je nach wechselndem Lichteinfall das Motiv verändert; die Abbildung erhält so seine typische außergewöhnliche Dynamik.

Ein weiteres Charakteristikum von Birgit Rau-Paqué sind ihre unterschiedlichen, fast ausgefallen zu nennende Formate. Es sind da kleine wie große Quadrate, Rechtecke, manche davon schmal und lang in die waagrechte gezogen, andere in die extreme Senkrechte geschoben. Ob sich das Motiv dem Maß anpasst oder das Format dem Inhalt ist schwer zu sagen. Entscheidend ist, dass beide zur Einheit verschmelzen. Zum Beispiel der Jardin de Vin, dieses an eine langgezogene Rebzeile erinnernde Motiv, das mit einer intensiven Blütenpracht wirbt und deshalb den Rebstock selbst am oberen Ende vergessen bzw. fast unsichtbar macht. Die Fülle der Blüten explodiert fast, Blau, Rot, Rosa, Violett, ein ganzes Farbenmeer, das hier die Furche des Weinbergs besiedelt, leider nur in dieser künstlerischen Vision. Es finden sich viele weitere Motive, die diesen Farbrausch aufnehmen, wie die Distel oder die Kamelien.

Andere Bilder wirken ruhiger. Hier dominiert ein gebrochenes Weiß den Bildhintergrund und schmiegt die Pflanze um sich herum, bietet ihr Halt und den Vorzug, als erster dem Betrachter ins Auge zu fallen. Sehr schön zu sehen bei den Kornblumen, deren Stängel sich fast wie DNA-Stränge empor winden, um die vielen Blüten zu halten, die sich an ihnen rechts und links halten oder nach oben streben. Noch deutlicher ist dies bei dem Bild "Weiße Schleier, grüne Rispen" herausgearbeitet. Wie feine, dünne Fäden durchzieht das Grün das Bild. Es zeigt einmal mehr, die Fähigkeiten wie Möglichkeiten der Künstlerin gleichermaßen pastos und filigran das Bild zu gestalten. Selten ist der Hintergrund dominant, bildet ein Kontrast zum eigentlichen Motiv: So bei den Nachtblüten, die ihre fast bräunlichen Blätter vor dem grünen Hintergrund stellen, oder die Kirschblüten, die ihre organischen Zweige vor zwei aus weißen und schwarzen Kuben entwickeln. Es sind Ausnahmen, die Künstlerin liebt die Helligkeit, die die Intensität der Farben und des Motivs noch mehr steigert, in ihren warmen Tönen, die sie bevorzugt und in die sie zusätzlich noch goldene Pigmente mischt, die den Farben schmeicheln, die sie eindringlicher macht, das Motiv förmlich an den Betrachter zieht. Natürlich bedingen das auch ihre übergroßen Umsetzungen. Der riesige Schirm, unter dem sich die Sonne versteckt, ein gelber Halbkreis, der umgeben ist von sattem Braun, indem sich das Gelb durch kleine Pinselauftagungen wiederfindet. Oder der Cowboy, der von seinem Lasso umkreist und gefangen wird, und ihn nur mit seiner Hutkrempe und einem Stiefel durchbrechen kann.

Trotz der vielen Blumen finden sich wenige klassische Stillleben. Einmal liegen alte Blütenblätter auf dem Boden vor der Vase, auf einem anderen Bild stehen gefüllte Cocktailgläser unterschiedlichster Formen nebeneinander, im Kontrast dazu deren verschieden farbig gestaltete Trinkröhrchen, die den Blick den Betrachters in eine andere Richtung führen. Einige der besprochenen Bilder hängen leider heute nicht hier, sie können sie aber bewundern an Pfingsten auf Schloss Lüll im rheinhessischen Wachenheim oder spätestens an Weihnachten bei der Künstlerin zu Hause, wo dann das eine oder andere Schnäppchen zu machen ist.

Intensives Farbenspiel, strahlende, anziehende Motive, eine Bilderlandschaft, die mehr als nur den Frühling, seinen Duft und seine Farben wiedergibt. Können und ästhetisches wie kompositorisches Definieren vereinen diese Bilder zu etwas Besonderem. Und wenn wir zum Spruch des Anfangs kommen, den die Künstlerin sich selbst für die Ausstellung ausgedacht hat ende ich mit Sophie Bernhardi: "Wie keine Blume ohne Farbe gedacht werden kann, so ist kein Mensch ohne Poesie."



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Birgit Rau-Paqué (Ausschnitt)