/ Galerie Altes Rathaus Wörth
Birgit Vonholdt: "mediterran"
Malerei
10.05.09 bis 14.06.09
Birgit Vonholdt
Birgit Vonholdt: "Wüstenfestung" (Ausschnitt), Acryl auf Leinwand

Vita

- geb. 1945 in Bensheim a.d.B.

seit 1975
- Fortbildung in künstlerischen Techniken
- Symposium in Frankreich und Italien, Schwerpunkt Aquarellmalerei
- Europäische Akademie für Bildende Kunst Trier,Schwerpunkt Acrylmalerei
- Freiberufliche Tätigkeit als Kunstmalerin
- Leitung von Mal-Seminaren im In- und Ausland


Mitgliedschaften:

- Südpfälzische Kunstgilde Bad Bergzabern e.V.
- Kunstverein Villa Streccius Landau e.V.
- BBK Rheinland-Pfalz
- Münchner Künstlergenossenschaft kgl. Priv. 1868
- Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler (apk)


Einführung von Dr. Matthias Brück

Schon immer ist Birgit Vonholdt im Kontext von Natur und Landschaftlichkeit ihren eigenen Weg gegangen - und das mit Erfolg! Dabei "spezialisierte" sie sich nie auf Destruktion oder drohende Endzeitvisionen, wie sie heute, wenn überhaupt noch, in der gegenwärtigen Kunstszene auftauchen. Nein, sie hat sich stets um eine offene Begegnung - speziell mit dem "Mediterranen" bemüht, hat den inneren Dialog mit diesem Phänomen nie Abreißen lassen. Ihre Aquarelle - damals wie heute - entstehen nach wie vor spontan vor Ort. Sie halten ein momentanes Ereignis fest, halten einen bestimmten unverwechselbaren Augenblick an.

Einst dominierten die in Fels und Schneisen regelrecht "eingeschmiegten" Anwesen und Dörfchen und suggerierten den Eindruck, als wären sie mit der Natur eine Symbiose eingegangen, hätten zu einem sinnvollen Miteinander gefunden. Jetzt wird der Blick, werden die Perspektiven freier, erfassen die Weite, die Offenheit der Landschaft, wobei die jeweiligen Formen und Formationen zusammen mit den speziellen Lichtverhältnissen südlicher, mediterraner Gegebenheiten meisterlich zu unverfälschten Harmonien gefügt werden. So werden im Spiel zwischen Detail und luftiger Stilisierung, zwischen konkretem Objekt und sich öffnender Weite, immer wieder neue Sensibilisierungen erreicht. Bisweilen, so scheint es, liegt ein Hauch von Einsamkeit über diesen Stimmungen.

Anders verhält es sich bei den Arbeiten in Acryl. Sie entstehen am Ende einer Reise aus der Erinnerung. Gemäß dem Credo der Künstlerin "Sehen und Umsetzen", folgt dem verwandeln der sinnlichen Wahrnehmung in eine innere Darstellung und deren Vermittlung eine wirkmächtige Interpretationsverschiebung.

Exponate wie "Wüstenfestung" oder "Wüstenstadt" dokumentieren eine Reduzierung, in er das Gegenständliche relativiert werden kann - in der Farbliches verdichtet wird. Und zugleich deuten sie das versteckte Vordringen zivilisatorischer Entwicklung bereits in manchen Details unterschwellig an. Weiß, Umbra und verschiedene Gelb-Töne beherrschen die Szene, während expressive Einschübe die jeweilige Atmosphäre akzentuieren.

Am Überraschendsten jedoch erweist sich bei den Acrylen der Farbwechsel ins dunkle Nachtblau. Geheimnisvoll, bisweilen fast unheimlich, stehen Arbeiten wie "Fellachendorf", "Maghreb" oder "Le château" besonders für das Nacherleben, Nachempfinden, wenn im Atelier das einst Erfahrene ins Bild umgesetzt wird. Alte Gemäuer, fast sakral anmutende Ruinen eine Stimmung, die man bislang bei Birgit Vonholdt nicht entdecken konnte. Eine Stimmung, die das Märchenhafte, ein wenig 1001 Nacht aufleben lässt.

Vor windschiefen Mauern leuchten kleine, kaum wahrnehmbare Feuer, indes - auch das ist neu und ungewohnt - sich kaum erkennbare Gestalten zur Prozession formiert zu haben scheinen. Anonym, schattenhaft wirken sie vor einer teilweisen, bizarren Kulisse dennoch nicht fremd, sondern wie der Teil eines verzauberten Geschehens. Welch' spannender Kontrast zu den erwähnten Aquarellen wie "Großes Lavendelfeld" oder "Chapelle en Lavande".

Ob nun Aquarell oder Acryl - stets gelingt es dieser Künstlerin, das Intuitive, das Poetische in ihren Werken zu garantieren, es anschwellend und abschwellend spürbar zu machen. So werden diese Arbeiten zu künstlerischen Dokumenten einer vertiefenden Konzentration, in der sich Emotion und Reflexion sinnvoll ergänzen, zu einer inneren, verhaltenen Dramatik finden.

Nun, lassen Sie sich ruhig Zeit bei der Auswahl Ihres eigenen Exponates: Der nächste Flieger in die Provence oder nach dem Maghreb (Nordafrika) geht erst morgen Nachmittag.


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