Bezirksverband Pfalz / Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk)
Die Sprache der Dinge
Angewandte Kunst der Lotte Reimers-Stiftung im mpk
20.11.20 bis 11.04.21
Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern
Jörg F. Zimmermann: "Wabenobjekt", 2004, Glas, frei durch Drahtgitter geblasen und geformt, B 50 cm, T 35 cm, H 26,5 cm. Foto: adlumina, Ralf Ziegler, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020, www.bildkunst.de

 

Handwerkliche Versiertheit beeindruckt und sie neu zu denken umso mehr. In der Ausstellung "Die Sprache der Dinge" kann man beides erleben: einen ungewöhnlichen Umgang mit Materialien von Silber über Papier bis zu neu entwickelten Methoden des Strickens. Sie alle zeugen von hoher Experimentierfreude und exzellenter Beherrschung des Handwerks.

Die Auswahl geht auf die renommierte Keramikerin Lotte Reimers zurück. Das mpk zeigt mit dieser Schau ihre jüngste Schenkung an das Museum: 132 kunsthandwerkliche Arbeiten der Schmuck-, Metall- und Textilgestaltung, Holzarbeiten, Papierkunst sowie Glasunikate von insgesamt 49 Künstlerinnen und Künstlern. Dabei spiegelt sich der persönliche Geschmack der Keramikerin und ihr Anspruch an handwerkliche und ästhetische Qualität.

Ein paar Beispiele: Jacken, Schals und Stolen der Finnin Kristiina Karinen zeigen mittels neuer Stricktechnik ein belebtes Spiel der Oberfläche. Dreidimensionale geometrische Muster entstehen aus edelsten Garnen, wie Merinowolle und Seide. Sie umspielen warm den menschlichen Körper, akzentuieren ihm mit einer eleganten Silhouette.

Glasobjekte von Jörg F. Zimmermann offenbaren einzigartige wabenförmige Räume, ermöglichen Ein- und Durchblicke in bizarre, fremde Welten. Die Verbindung von zart farbiger Lineatur und spannungsvoll gewölbtem Glas lässt Zerbrechlichkeit und Beständigkeit, Veränderung und Stillstand zusammenklingen.

Elisabeth Krampe faltet imposante Ketten auch aus Papier, die sich, alsbald auf den Tisch gelegt, zu einzigartigen Objekten wandeln. Der Formwille bedient sich des Handwerks, erweitert es experimentell oder führt es zu seiner absoluten Perfektion. Das zeigen feingewebte Textilien, zu großer und klarer Form geschmiedete Silbergefäße oder mit raffinierter Intarsienarbeit versehenen Holzkästen. Artefakte, die jenseits eines Gebrauchs Gedanken über Linie, Reihung, Raum und Rhythmus aufrufen.

Dabei ist  "Die Sprache der Dinge" auch ein Dialog von Gebrauch und Ästhetik. Gebrauchsgegenstände gehen zur Hand und verdeutlichen das Hantieren. Ihre Form hingegen spricht unser Gefühl an. Meisterliche Beherrschung von Handwerk und Entwurf setzen ein von Achtsamkeit getragenes Denken und Handeln voraus. Präzision, individueller kreativer Umgang mit den (hochwertigen) Materialien begeistern und stehen, gerade in einer Welt, in der rasche Massen-Produktion und Wegwerfen zeitlich enger denn je beieinander liegen, für eine hohe Wertigkeit.

Durch den Erwerb der Objekte und ihre Übergabe in den musealen Kontext bereichert Lotte Reimers nicht allein die Sammlung des mpk, sie beweist darin auch ein überaus förderndes Engagement für die Kunstschaffenden.

Begleitend zeigt das mpk eine Auswahl der Keramiken von Lotte Reimers aus allen Schaffensperioden. Handgebaute kräftige und vielgestaltige Gefäßobjekte mit selbst bereiteten Glasuren aus Erden, Aschen und Gesteinsmehl weisen eindrucksvoll ihren unverkennbaren Keramikstil auf. Korrespondenzen und spannungsvolle Kontraste bestimmen den Dialog der Keramiken mit den Artefakten der weiteren Gewerke.





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Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern
Jörg F. Zimmermann: "Wabenobjekt", 2004, Glas, frei durch Drahtgitter geblasen und geformt, B 50 cm, T 35 cm, H 26,5 cm. Foto: adlumina, Ralf Ziegler, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020, www.bildkunst.de