Kunstverein Germersheim / Zeughaus Germersheim
Dieter Zurnieden, Ulrich J. Wolff, Holger Fitterer: "Schichtung - Drei"
Malerei
04.03.23 bis 02.04.23

Vernissage am 04.03.23 um 17.00 Uhr
Begrüßung: Marita Mattheck, Vorsitzende des Kunstvereins Germersheim und Marcus Schaile, Bürgermeister der Stadt Germersheim
Einführung: Dr. Andrea Nisters, Kunsthistorikerin (Speyer)

Finissage am 02.04.23 von 14.00 bis 18.00 Uhr mit KunstCafé und Künstlergesprächen

Ulrich Wolff
"Aus der Ruhe heraus anfangen, Neues erwecken, dabei selbst Raum und Zeit schaffen, das Formlose spüren, das Fließende halten und das Grenzenlose erfahren, das ist Kunst für mich."
Was Ulrich J. Wolff vor über 14 Jahren zu seiner Arbeit gesagt hat, ist im Grunde genommen maßlos und alles andere als bescheiden. "Formloses spüren" und "Fließendes halten" oder "Grenzenloses erfahren" - für sensible Menschen mit viel Fantasie mag das noch nachvollziehbar klingen. Aber: "Neues erwecken"? Ausgerechnet im digitalisierten 21. Jahrhundert, in dem wir uns bald mehr in virtuellen Welten als im realen Raum bewegen werden und uns ansonsten langweilen, weil es offenbar nichts wirklich Neues mehr gibt? Das erinnert in der Kombination mit "selbst Raum und Zeit schaffen" sogar an einen göttlichen Akt, an dem sich Wissenschaftler aller Fachrichtungen bislang vergebens im Labor versucht haben.
Große Worte und doch ist nichts übertrieben. In der Kunst, wenn sie denn so spannend und authentisch ist wie bei Ulrich J. Wolff, geht das. Für ihn, der kreative Anspannung und gestalterische Lust aus dem Ungewissen gewinnt, ist Kunst ein großes Abenteuer. Das erkennen wir zum Beispiel auch in seinen Foto-Aquatinta-Radierungen, obwohl die auf den ersten Blick zunächst einmal Bekanntes zeigen. Bilder, wie wir sie aus dem Internet und von unseren mobilen Kleinmonitoren kennen, Bilder mit einer 72-dpi-Auflösung, die rasch ihre Schärfegrenzen überschreiten, wenn man sie vergrößert - zum Beispiel auf das extreme Maß der großen Papierbögen, die Ulrich J. Wolff für seine Radierungen bevorzugt benutzt.
(Auszug aus "Wie Ulrich Wolff Neues erweckt" von Thomas Kurtz)

Holger Fitterer
Das erhebende Gefühl von Energie und Ruhe, Kraft und Sammlung umhüllt den Betrachter der Werke von Holger Fitterer.
Holger Fitterer verfolgt seinen eingeschlagenen künstlerischen Weg mit Entschlossenheit und großer Hingabe bei gleichzeitiger Offenheit für das Eigenleben, das sich mit den gewählten Farben und Materialien des Bildes entfaltet. Als Ausführender legt er die Bildgrundlagen fest, steuert den Prozess des Malens mit großer Virtuosität und handwerklicher Erfahrung. Er ist Erschaffender und sieht sich doch auch gleichzeitig als staunender und reflektierender Zeuge dessen, was im Bild geschieht. In seinem Werk vereinen sich ebenso Ruhe und Energie. Doch so abstrakt und geistig seine Bilder sind, so sehr sind sie auch in der Welt der Sinneseindrücke und -erfahrungen zu Hause, es sind verdichtete Erinnerungen an "Farbstimmungen" der Tages- und Nachtzeit, an Gesehenes in Natur und Kunstgeschichte.
(Auszug aus einem Text von Anna-Maria Ehrmann-Schindlbeck, anlässlich einer Ausstellung mit Hildegard Elma 2021 im Künstlerhaus Karlsruhe)

Dieter Zurnieden
Der Holzschnitt, das älteste Printmedium und früheste Bildreproduktion nimmt im Oeuvre Dieter Zurniedens - mit der Malerei, Bildhauerei und Radierung - eine zentrale Rolle ein. Im Gegensatz zu früheren Zeiten jedoch, als Holzschnitte noch von verschiedenen Platten erstellt wurden und so als Massenkommunikationsmittel diente, bevorzugt Dieter Zurnieden das Prinzip der "verlorenen Platte". Er erschafft die Realisierung seiner Bildvorstellung nicht wie üblich durch mehrere aufeinander abgestimmte Druckstöcke, die für jede Farbe separat hergestellt werden, sondern die Sequenz von Drucken und Farben gewinnt der Künstler einem einzigen Druckstock ab. (...) Grundlagen seines schöpferischen Prozesses sind häufig photographische Aufnahmen vorgefundener Wirklichkeiten, Bruchstücke erhaschter alltäglicher Realität. Die erfahrbare Wirklichkeit ist Zurniedens Terrain, die Straße, die virtuelle Welt, die Literatur - seine unmittelbare Umwelt gibt (liefert) Nahrung für sein künstlerisches Schaffen. Diese Abbilder werden digital verfremdet, reduziert, zersplittert, so dass ein ästhetischer Wert, eine visuelle Vergegenwärtigung des vorgefundenen Sichtbaren entsteht. In dieser Reduktion hebt er eingefahrene Wahrnehmungsmuster auf und erzeugt eine spannungsvolle Liaison von Photographie und Graphik. Die Komplexität seiner Bilder ist die Verschmelzung sensitiver Innenwelt und wahrgenommener Außenwelt. Wechselnde Perspektiven in der Betrachtung erwecken jeweils neue Assoziationen, stetige Veränderlichkeiten und neue Wahrnehmungsbilder.
(Dr. Andrea Nisters)

Öffnungszeiten:
Sa. von 15.00 bis 18.00 Uhr
So. von 14.00 bis 18.00 Uhr
Bitte folgen Sie der Beschilderung des Straßenmuseums.



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