Stadt Ludwigshafen / Wilhelm-Hack-Museum
 
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Fabrizio Plessi: "Digital Islands 1970-1990"
Videoskulpturen und Videoinstallationen
22.10.06 bis 25.03.07

Wasser ist eines der zentralen Themen, dem sich die Ausstellung "Digital Islands" des italienischen Künstlers Fabrizio Plessi im Wilhelm-Hack-Museum widmet. Das Ludwigshafener Museum zeigt ab dem 22.10.06 eine Reihe von frühen Werken Plessis, die bislang so noch niemals zu sehen waren. Vorgestellt werden insgesamt 20 Videoskulpturen und Videoinstallationen, die alle zwischen 1970 und 1990 entstanden sind. Die Eröffnung der Ausstellung findet parallel zu den II. Festspielen Ludwigshafen im Theater im Pfalzbau statt.

In Ludwigshafen werden noch nie gezeigte "Archetypen" seiner Video-Installationen ausgestellt, die - zum Teil bis dato nicht realisiert - lediglich als Zeichnung existierten. Mit seinen tavoli progetti ("Projekttischen") ist Plessi auch als ein Künstler zu sehen, dessen Zeichnungen sich nicht nur als Vorstudien zu seinen Installationen verstehen, sondern durchaus eigenständige Werke sind. Jedes der 20 gezeigten frühen Werke ist in der Ausstellung in einem abgedunkelten Raum effektvoll inszeniert.

Die "Digital Islands" thematisieren das Element Wasser und fügen sich zu einem Werk- und Zeitfluss sowohl in realer als auch in virtueller Form. Der Künstler greift zurück auf Elemente der minimal art, der Konzeptkunst und der arte povera. Mit der Integration der Videotechnik schafft er Artefakte, bei denen die Schnittstelle zwischen Wirklichkeit und Vorstellung fließend erscheint. Plessis Verbindung zwischen realer dreidimensionaler Rauminstallation und virtuellem Wasserfluss löst Irritationen der Wahrnehmung aus.

"Ich freue mich, dass der renommierte italienische Künstler Fabrizio Plessi gleichzeitig in zwei Kultureinrichtungen unserer Stadt vertreten ist: im Wilhelm-Hack-Museum mit seiner Ausstellung der Digital Islands und im Theater im Pfalzbau mit dem Ballett "Romeo and Juliet" von Sergej Prokofjew, das im Rahmen der II. Ludwigshafener Festspiele aufgeführt wird. Fabrizio Plessi tritt uns sozusagen in zweierlei Gestalt entgegen: als bildender Künstler, der mit seinen frühen Videoskulpturen und -installationen hier im Wilhelm-Hack-Museum zu sehen ist, zum anderen als Bühnenbildner und Kostümausstatter für das Ballett Romeo and Juliet, das er gemeinsam mit Mauro Bigonzetti in Szene gesetzt hat.
Es ist das erste Mal, dass es zu einer solchermaßen groß angelegten Kooperation zwischen Museum, Theater und Staatsphilharmonie, den großen kulturellen Einrichtungen unserer Stadt, kommt. Es wäre wünschenswert, wegen der zu erwartenden Synergieeffekte solche gemeinsamen Projekte zukünftig häufiger zu realisieren", erklärte Prof. Dr. Cornelia Reifenberg, Kulturdezernentin der Stadt Ludwigshafen am Rhein, anlässlich der Pressekonferenz zur Ausstellung "Fabrizio Plessi - Digital Islands 1970-1990" im Wilhelm-Hack-Museum.

"Durch die Zusammenarbeit zwischen Wilhelm-Hack-Museum und Theater im Pfalzbau werden umfassende und ungewöhnliche Einblicke in das Werk Fabrizio Plessis möglich. Derartige institutionen- und genreübergreifende Kooperationen sind selten in der deutschen Kulturlandschaft, aber gerade bei diesem Künstler von hohem Gewinn für Betrachter und Publikum. Deshalb haben wir dieses hochrangige Projekt gerne unterstützt", ergänzte Dr. Klaus Philipp Seif, Leiter Kultur, Sport, Sozialberatung der BASF Aktiengesellschaft.

In der Ludwigshafener Ausstellung "Digital Islands" sind erstmals die frühen Werke des heute 66-jährigen (Wahl-)Venezianers Fabrizio Plessi in einer Zusammenstellung zu sehen, die einen zusammenhängenden Einblick in die Entwicklung der Arbeiten von 1970-1990 gibt. Seit den 1990er Jahren greift Plessi die örtlichen Ausstellungsgegebenheiten auf und integriert sie in die Werkschau - wie auch in Ludwigshafen mit der strengen Architektur des Wilhelm-Hack-Museums. Der geometrisch gegliederte Grundriss präsentiert die Werke in einfacher, klarer Form. Die Anleihe an die Komposition eines Mondrian-Bildes lässt Plessis Videoskulpturen und -installationen in ihrer Präsentation zu einem homogenen Gesamtkunstwerk werden. Auch im Ausstellungskonzept finden sich, wie bei Plessis Arbeiten, die Stilmittel der arte povera, der minimal art und der Konzeptkunst wieder, die sich in den durchgängig verwendeten Materialien von vorgerostetem Eisen und Bildschirmen widerspiegelt und damit diese Einheit unterstreicht.

Seit 40 Jahren ist Wasser das Thema Plessis, dem er sich gedanklich immer wieder aufs Neue nähert. "Meine Kunst ist eine unaufhörliche Suche nach der Poesie, der Geschichte und der Seele der Dinge." (Fabrizio Plessi)

In dieser Ausstellung kann der Besucher eintauchen in die ersten 20 Jahre dieser Auseinandersetzung. Nebeneinander, in abgedunkelten Räumen, präsentiert sich jeweils ein Werk. Der Besucher wird wie in einem Strom durch den Fluss der Zeit geführt - von Digitaler Insel zu Digitaler Insel und kann eintauchen in eine Art "Werkgedächtnis".
Mit "Mare Orizzontale" von 1976 ist die erste Videoskulptur Plessis zu sehen, die sich mit Wahrnehmung, Irritation und kognitiver Annäherung auseinandersetzt. Schon hier werden Denk- und Wahrnehmungsmuster in Frage gestellt. Auf der linken Seite der Skulptur ist auf dem um 45° gedrehten Bildschirm ein Ausschnitt des Horizontes, wo das Meer an den Himmel stößt, zu sehen. Schon im nächsten Moment findet auf der rechten Seite eine Irritation dieser Sehgewohnheiten statt, ausgelöst durch einen um 90° gedrehten Bildschirm, auf dem sich der Horizont und die Linie des Meeres dennoch in gewohnter Sehweise zeigt. Der Horizont bleibt verlässliche Größe, eine Orientierung in Zeit und Raum - gleich durch welche Brille man ihn betrachtete.

Fünf Jahre später entstehen 1981 die gezeigten Arbeiten "Water Wind, Moving Water und Altalena" (Wippe). Auf einer virtuellen Wasseroberfläche werden anscheinend Bewegungen durch äußere Einflüsse wie eine Windmaschine oder einer Wippe, die sich per Steuermotor nach der einen oder anderen Seite neigt. Innen und Außen stehen in keiner direkten Verbindung und werden erst in der Assoziation bei der Betrachtung zu einer scheinbar logischen Konsequenz verknüpft, wobei sich die Frage stellt: Was ist Realität?

"Water Desert" und "Bronx" von 1985 sind Arbeiten aus dem gleichen Jahr, die sehr unterschiedlich in ihrer äußeren Erscheinung sind - ein rostiger Wassertank auf einem Gestell vor einem Brunnen mit virtuellem Wasser und 20 Bildschirme mit eingepassten Schaufeln hinter Gittern. Beide Arbeiten setzen sich mit Gegebenheiten menschlicher Lebenswelten auseinander. Einerseits mit den Wüsten und Wasser als unabdingbare Lebensnotwendigkeit, andererseits mit der Dichte und Enge großer Städte und der Unmöglichkeit, aus dieser lebensnotwendigen Quelle zu schöpfen.

Mit den 1990 entstandenen "Armadio Bianco", "Armadio Rosso" und "Armadio Nero" entstehen "Schränke des Gedächtnisses". Verdichtete Reiseerinnerungen, dargestellt in ihrer Ursprungsversion. Was später mit den Rauminstallationen "Bombay" und "Fez" bekannt wird, ist in dieser Ausstellung erstmals in der originären Umsetzung von frühen Zeichnungen zu sehen. Die Arbeiten Plessis sind nicht nur Spielerei mit Seh- und Wahrnehmungsgewohnheiten, sie sind auch in tiefstem Sinne philosophisch und humanistisch geprägt.

"Die Ausstellung Digital Islands steht für den Werkgedanken Fabrizio Plessis, der in seinen Artefakten stets gegensätzliche Prinzipien in Einklang zu bringen sucht: die auf allen Seiten von Wasser umgebene Inseln als eine archaische (geologische) Form, als eine Zelle der menschlichen Behausung seit Urzeiten einerseits und die Medientechnologie als Ausdruck, als conditio humana, unseres heutigen digitalen Zeitalters andererseits. Der Fluss des Wassers vereint sich mit dem Fluss der Zeit." (Dr. Richard W. Gassen, Kurator der Ausstellung, Direktor des Wilhelm-Hack-Museums)

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog im Kehrer Verlag. Der Preis an der Museumskasse: 15 EUR.

Im Rahmen der Ausstellung findet ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm (Vorträge, Podiumsdiskussion, Führungen, Workshops für Kinder, etc.) statt.





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Fabrizio Plessi
Fabrizio Plessi: "Bronx", 1985, 3 rostige Wände, Metallgitter, 20 Monitore mit eingepassten Schaufeln, DVD-Player, Videoprogramm
Fabrizio Plessi
Fabrizio Plessi: "Water", 1978, Stahlbecken, Monitor, DVD-Player, Neonschriftzug