/ Galerie Altes Rathaus Wörth
Franz Martin
Malerei
11.11.05 bis 18.12.05
Franz Martin
Franz Martin

Einführung von Dr. Matthias Brück

Schon immer war Natur ein unerschöpfliches, begehrtes Thema, aus der die Bildenden Künste Schönheit, Geheimnis, Ursprung wie Erhabenheit im kantischen Sinne, aber auch Bedrohung und Ausgeliefertsein als Inhalte gewinnen konnten. Heute haben Natur und Landschaft in der Gegenwartskunst eher einen begrenzten Stellenwert. Entweder erscheinen sie immer noch, immer wieder, als hymnische Lobpreisungen der bekannten Art oder sie zeigen sich als vom Menschen zerstört und ausgebeutet.

Selbst japanische Haiku-Dichter, eigentlich ausgewiesene Spezialisten für die All-Einheit von Natur und Mensch, schreiben ihre Dreizeiler jetzt schon über Klima-Anlagen, da die Landschaften in gewohnter Anschauung gar nicht mehr existieren, eine gewiss bedenkenswerte Entwicklung.

Zwischen Verherrlichung, Depression und Resignation hat Franz Martin für sich einen anderen Weg, einen anderen Zugang zum Malen von Natur gefunden. Für ihn stellt sich die Frage, wie man heute überhaupt noch Natur malerisch erfassen kann, und so hat er sich gewissermaßen zum Forscher auf diesem Gebiet entwickelt. Dass er deshalb nicht zum Doktor Frankenstein der Landschaftsmalerei geworden ist, aber Sie sicher schon längst entdeckt. Spaß beiseite: Dieser Künstler hat eine Methode entwickelt, mit der er das jeweilige Motiv in den unterschiedlichsten Stilen zu umkreisen scheint.

Natürlich werden Sie unter diesen verschiedenen Möglichkeiten das direkte, simple Abbilden vergeblich suchen, dafür aber bisweilen eine relative Gegenständlichkeit. Doch deren Bedeutung scheinen sofort wieder aufgehoben zu werden, wenn in einer der vielfenstrigen Tafeln andere Ausdrucksformen dazu kommen. Das kann zu einer faszinierenden Konfrontation eines annähernd konkreten und einem teilkontrollierten, impulsiven Gestus führen.

Da stehen, wie ein kleines Stück Kunstgeschichte, die sich sonst widersprechenden Stilrichtungen gegenüber, aber ohne sich auszuschließen oder sich entfremdet abzustoßen! Im Gegenteil: Jedes Feld trägt auf seine Weise zu einer Gesamtschau bei, ohne je einen Anspruch auf die allein selig machende Deutung zu erheben. Das ganze Exponat nun scheint sich als spannungsintensives Ganzes zu präsentieren, das bekanntlich ja immer mehr ist als die Summe ihrer Teile. Und die beinhalten 28 Mal Aspekte, Möglichkeiten, Wahrnehmungen, Perspektiven, Anschauungen vom quasi erkennbaren Motiv bis zur Abstraktion. Es scheint, als wäre dieser Künstler mit seiner Vielzahl von künstlerisch umgesetzten Wahrnehmungen, seinen "Naturstücken" eben, unterwegs zu einer Idee der Natur, die letztlich per Definitionen undarstellbar bleiben muss.

Darüber hinaus erleben Sie in den Mittel- und Großformaten, zum Teil könnte es sich um Vergrößerungen der Tafel-Quadrate handeln, die enorme Darstellungskraft von Franz Martin. Hier kann man erst seine Farbmächtigkeit, seine vehemente, malerische Dynamik nachvollziehen zwischen abstrahierten Wolkengefügen und tektonisch weichen Gliederungen.

Da ist sie wieder, diese faszinierende Lebendigkeit des Gegensätzlichen, die kompositorische Kühnheit, ein Naturstück zu malen, dem man nur "dem Himmel wegzunehmen braucht, um daraus ein abstraktes Gemälde werden zu lassen" (Franz Martin). Da besticht das Raffinement, eine farbflächige Dichte durch nur einige teilbizzare Liniengefüge zu einem jener Naturstücke werden zu lassen, die ein mögliches, reales Motiv auf eine andere Wahrnehmungs- und Erlebensebene transportieren.

Vielleicht noch eine malerische Steigerung dokumentiert die Serie "Fließen". Was hier mit einer brillanten Variation der Farbe Blau in Szene gesetzt wird, wie sich hier Strudel, Strömungen, Wellen und ihre offensichtlichen wie unterschwelligen Schwingungen dynamisch manifestieren, das kann nur heißen: "Naturstücke" malen ist heute immer noch sinnvoll möglich, es kommt nur auf den Künstler an! Vielleicht sollte man ja mal einige Bilder dieses Künstler nach Japan schicken, den Haiku-Dichtern wäre geholfen.

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Martin Franz (Rubrik KÜNSTLER)



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