Stadt Rockenhausen / Kahnweilerhaus
 
Frederike Stang: "habitat"
Druckgrafik, Zeichnung
03.11.19 bis 21.12.19

Vernissage am 03.11.19 um 11.00 Uhr

Frederike Stang, die in Mannheim lebt und arbeitet, thematisiert in ihren Werken etwas, das sich unserer alltäglichen Wahrnehmung oft völlig entzieht: Sie verarbeitet die Welt der Insekten in ihrer Formen- und Artenvielfalt in Radierungen und Linolschnitten.
Sie wirft in diesem Zusammenhang die Frage auf: Wie gehen wir mit den Dingen um, denen wir in unserem Alltag keine Bedeutung schenken, die sich unserem Blick entziehen, von denen wir aber so abhängig sind?
Das Medium der Drucktechnik birgt für ihre Arbeiten unzählige Entfaltungsmöglichkeiten und das Bearbeiten der Druckstöcke ist eine sehr kontemplative Arbeit. Sie beschäftigt das Rätselhafte, jeden Abzug umgibt ein Geheimnis. Das beginnt bereits bei seiner Anfertigung. Dieser Prozess ist ein wichtiger Teil ihres Schaffens, ebenso wie das Handwerk und die lange Tradition dieses Mediums.
Der Betrachter ist eingeladen, diesem Blick zu folgen, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen, eigene Assoziationen zu entwickeln und sich einzulassen.
"Etwas, das sich unserer alltäglichen Wahrnehmung völlig entzieht, wird zum Thema der Arbeiten von Frederike Stang. Sie verarbeitet die Welt der Insekten in ihrer Formen- und Artenvielfalt in Radierungen und Linolschnitten. Die jüngste, großformatige Arbeit zeigt einen Hirschkäfer, der von Maden zerfressen wird. Dargestellt ist das Ganze auf einem Linolschnitt von 2 auf 3 Metern, eine langwierige Arbeit und ein physischer Kraftakt. Sie steht damit in der langen Tradition derer, die uns Menschen daran erinnern, dass alles schöne, Prächtige, Materielle vergänglich ist, ebenso wie wir Menschen selbst. Und insofern ist auch der Linoldruck von Frederike Stang, trotz anfänglichem Grusel und aller Melancholie, in allerschönster Tradition des Vanitas-Stilllebens, eine Aufforderung zur Selbstreflexion. Wie immer ist der Betrachter eingeladen, diesem Blick zu folgen, die eigene Sicht zu hinterfragen und sich einzulassen." So lesen wir im Katalog, der anlässlich der Ausstellung "Deltabeben Regionale 2018" im Wilhelm Hack Museum und im Kunstverein Ludwigshafen erschienen ist zu den Werken unserer Künstlerin.

Zu dem gleichen, überdimensionierten Linoldruck sagte Kim Behm in seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung "Schöne Aussichten":  "Was da zu sehen ist, erschließt sich nur langsam. Man muss schon etwas "reinkriechen" in diese Abzüge. Dann treten aus den großen, leicht wolkigen dunklen Flächen zunächst Details hervor, helle, präzise geschnittene Linien und weiße Flächen. Eine Ahnung, dass etwas Unheimliches vor sich geht, wächst langsam an. Dann: Ein Erschrecken beim Erkennen des Motivs: Ein riesiger, toter Hirschkäfer wird von Maden zerfressen, schaurig-schöner Grusel....Es ist ein drastisches Vanitas-Stillleben, das Frederike Stang vor unseren Augen entfaltet…"
Ganz allgemein stellte der Referent dann noch fest, dass es ja in der Kunst nicht darum gehe, Dinge zu machen, sondern darum, eine eigene Imagination, eine eigene Bildwelt zu erschaffen. Das Schöne an der Kunst, das Wertvolle sei ihre absolute Freiheit, mit der allerdings zurzeit sehr nachlässig umgegangen werde. Doch die Kunst habe eine eigene Magie, eine eigene Kraft und sie könne den Menschen beeinflussen, indem sie seine Wahrnehmung verändere.

Öffnungszeiten:
Do. bis So. 15.00 bis 17.00 Uhr                                                 



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