Rhein-Pfalz-Kreis / Zehnthaus Römerberg-Berghausen
Gerdi König - Malerei
04.03.05 bis 12.03.05

Einführung von Dr. Matthias Brück

Eigentlich müßten wir uns glücklich schätzen: leben wir doch in Zeiten, die nichts ungeklärt zu lassen scheinen. Fast jeden Tag werden wir mit neuen wissenschaftlichen Analysen überrascht und beglückt, von der Frühjahrsdiät bis zum neuesten Klon-Erfolg. Welt und Mensch scheinen immer mehr ausgedeutet, immer mehr Rätsel scheinen gelöst. Der Mensch als Forschungsobjekt steht hoch im Kurs, das Menschliche bleibt dabei oft auf der Strecke... Denken Sie nur an so entlarvende Begriffs-Neuschöpfungen wie "Menschen-Material" oder "Human-Kapital".

Das Gegenteil zu dieser fortschreitenden Reduzierung auf das Zählbare, Verwertbare können Sie heute Abend in den Exponaten von Gerdi König erfahren, gewissermaßen miterleben. Denn in einem ihrer künstlerischen Schwerpunkte - hier handelt es sich um die neuesten Arbeiten - tangiert sie die Sphäre des Geheimnisvollen, Verborgenen wie Vergangenen, das als Erinnerung an den Mythos weiterzuleben scheint.

Es sind Acryl-Bilder wie "Alter Dom", die sich wie ein Tor zu einer anderen Realität erweisen können. Zahllose Farbschichten sind hier auf einer schrundig-porösen Oberfläche übereinander komponiert, verstärken die hintergründige Wirkung faszinierender Blaunuancierungen... Ein magischer Ort, der Durchgänge, Zugänge ins Unendliche andeutet, jedoch nicht garantiert.

Hier wie in anderen Exponaten spielt diese Künstlerin ihre Gestaltungskraft als Komposition des Möglichen bravourös aus. Portale und Fenster scheinen unzugänglich, verschlossen, verstärken den Reiz einer unwirklich-traumhaften, palaisartigen Architektur. Undefinierbare braun-rostig-farbene Partien mögen aus früheren Zeit-Schichten auftauchen, verschränken Vergessenes mit Traumhaft-Gegenwärtigem...

Anderenorts in den "Zeit-Kriegern" beispielsweise greift Gerdi König auf die mythologisch-künstlerische Reflexionen zurück. Da erscheinen in gelungener Bild-in-Bildtechnik keltische Sagen-Fragmente, klassische Mensch- und Tierfiguren aus römischen wie ägyptischen Epochen. Doch die kriegerischen Elemente können keine Dominanz beanspruchen: werden sie doch auf unerklärbare Weise durch eingefügte Fisch- und Augensymbolik regelrecht gebannt. Es ist, als wollte diese Künstlerin zeitlos den Wunsch nach Frieden und Harmonie bereits konsequent in der Vergangenheit verankern.

Ein Wunsch, eine Utopie, die an quasi alle Erlösungsvorstellungen anknüpft und sie in einer Aussage zu focusieren scheint. Ausgeklügelte Material- und Kratztechniken ermöglichen erst diese packende Vision. Wie durch einen Zeitsprung kehrt Gerdi König nun wieder in die sogenannte Realität zurück. Schon die bemalten Holz-Stelen lassen es vermuten. Hier ist der Mensch erst einmal nur das was er ist - und nicht was er sein könnte. Er zeigt sich in all seinen Verflechtungen, Beziehungen wie Abhängigkeiten - oder kantisch ausgedrückt - in seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.

Geschickt wird auf hier auf eine nur ablenkende Individualität der dargestellten Personen und Personengruppen verzichtet zu Gunsten einer speziellen Situation, die teilexpressiv und bisweilen stark reduziert nun regelrecht inszeniert werden kann. Einmal dominiert eine bewegte Vitalität das Geschehen, wenn beispielsweise drei Frauen in einem fast überhöhten Freudentaumel miteinander verschmelzen. Nacktheit ohne voyeuristische Attitüde symbolisiert hier Lebensbejahung und ein heute oft verschüttetes Miteinander des Lebens, des Erlebens...

Doch ebenso eindringlich interpretiert Gerdi König über den Körper als Medium ihrer Aussage mit packender Farb-Sensibilität wie Expressivität die Einsamkeit des Menschen sein Bedrängt- und Ausgestoßen-Sein als existentielle Grundsituationen. Damit erhellt sie in einem überzeugend Sowohl-als-auch-Bedingungen und Möglichkeiten menschlicher Existenz, deutet gewissermaßen die Chance dessen an, was sie in ihren Erlösungs-Utopien vorweggenommen hat. Mehr kann man von einer Ausstellung und ihrer zutiefst kommunikationsorientierten Aussage eigentlich nicht verlangen.



[zurück]