Stadt Ludwigshafen / Wilhelm-Hack-Museum
 
000_blank
hackordnung #5: "FormFREIheit"
Pr├Ąsentation der Sammlung des Wilhelm-Hack-Museums
05.10.13 bis 14.09.14

Die knapp 10.000 Werke umfassende Sammlung des Wilhelm-Hack-Museums wird in jährlich wechselnden hackordnungen in immer neuen Konstellationen präsentiert.

Die Befreiung des Bildes von seiner abbildenden Funktion gehört zu den Revolutionen in der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts. Seit der Entwicklung von Stilrichtungen wie Expressionismus, Kubismus und gleichzeitig Konstruktivismus und Gegenstandslosigkeit in der ersten Hälfte des Jahrhunderts ist die künstlerische Darstellung nicht mehr an eine sicht- und tastbare Wirklichkeit gebunden. Mit den Mitteln der bildenden Kunst - Farbe und Form - lassen sich gleichermaßen äußere und innere Zustände darstellen. So entstehen eigenständige künstlerische Welten als Gemälde, Zeichnung, Objekt oder Skulptur.
Künstler wie Pablo Picasso, August Macke, Wassily Kandinsky, Piet Mondrian oder Kasimir Malewitsch haben mit ihren künstlerischen Experimenten den Weg gewiesen. Künstlerinnen und Künstler späterer Generationen haben ihn weiter beschritten und mit Erfindungen wie der Op Art, dem Informel und dem Abstrakten Expressionismus die Vielfalt der Formen erprobt - bis hin zu ihrer fast völligen Auflösung.

Auf diese bahnbrechenden Entwicklungen greifen zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler zurück und reflektieren sie in ihren Werken. Dabei steht die einstmals so zentrale Unterscheidung zwischen Gegenständlichkeit und Gegenstandslosigkeit nicht mehr im Mittelpunkt, aber nach wie vor wird jedes künstlerische Handeln vom Ringen um die "richtige" Form bestimmt.

Die für die hackordnung #5: FormFREIheit ausgewählten Werke aus der Sammlung des Wilhelm-Hack-Museums werden in sechs Räumen präsentiert. Sie erlauben einen Einblick in dieses weite Spektrum künstlerischen Schaffens im 20. und 21. Jahrhunderts. Der Streifzug beginnt mit der Beziehung der Form zum Gegenstand und der allmählichen Befreiung des Bildes vom Abbild, führt über geometrisch-abstrakte Werke zu Arbeiten, in denen die Farbe in den Vordergrund tritt, hin zu Bildern, die aus dem spontanen oder geplanten Gestus entstehen. Den Abschluss bilden Werke aus dem rätselhaften Bereich zwischen Abstraktion und Figuration.

Raum 1: Auftakt FormFREIheit
Gleich im ersten Raum spannen wir einen weiten Bogen der Formvielfalt: von der strengen geometrischen Form in Imi Knoebels "Peter" (1997) über das strikte, aber farbenprächtige Gemälde "Shock" (1965) von Piero Dorazio hin zu den flimmernden Farbwolken in Albert Irvins "Flight" (1973).
Werke von Piero Dorazio, Albert Irvin, Imi Knoebel, Jan Maarten Voskuil

Raum 2: Form | Figuration
Die Räume im Balkongeschoss versammeln Kunstwerke, welche die allmähliche Befreiung des Bildes vom Abbild veranschaulichen, Formen werden aufgebrochen, zersplittert, in Facetten zerlegt, Farben unabhängig vom Farbwert des abzubildenden Gegenstandes gewählt. Kandinsky und Malewitsch schließlich erreichen die völlige Loslösung von der Figuration und streben nach der Darstellung der "Empfindung der Gegenstandslosigkeit" (Malewitsch).
Werke von Alexander Archipenko, Rudolf Belling, Erich Bucholz, Heinrich Campendonk, Albert Gleizes, Auguste Herbin, Carl Hofer, Vilmos Huszár, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner, August Macke, Kasimir Malewitsch, Louis Marcoussis, Jean Metzinger, Henry Moore, Niki de Saint-Phalle, Oskar Schlemmer, Franz Wilhelm Seiwert, Léopold Survage, Georges Valmier, Ossip Zadkine

Raum 3: a/b Form | Geometrie
In diesem beiden Räumen stehen die geometrischen Grundformen im Mittelpunkt des künstlerischen Interesses: Quadrat, Kreis, Oval, einzeln und in Reihungen, zufällig
angeordnet oder streng komponiert, leuchtend farbig oder reduziert in Schwarz. Besonders prägnant zeigen Piet Mondrians Werke die Verbindung von Geometrie und Farbe.
Werke von Gerhard von Graevenitz, Erwin Heerich, Jan Kubí%u010Dek, Roy Lichtenstein, Piet Mondrian, François Morellet, Mario Nigro, Leon Polk Smith, Victor Vasarely, Jef Verheyen, Cornelius Völker, Jan Maarten Voskuil

Raum 4: Form | Farbe
Anschließend an Mondrians Farbfelder sowie Morellets und Vasarelys leuchtend farbigen, aber strengen Anordnungen folgen die farbmächtigen Werke von Freundlich, Delaunay und anderen, welche die Komposition in den Dienst der Wirkung der Farben stellen.
Werke von Robert Delaunay, Otto Freundlich, Auguste Herbin, Bridget Riley

Raum 5: Form | Geste
Mit dem amerikanischen Künstler Jackson Pollock in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts und den Künstlern des Informel in Europa nach dem 2. Weltkrieg gewann der gestische Ausdruck an Bedeutung in der bildenden Kunst: als Veranschaulichung der Abkehr von der geregelten Formstruktur, Ausdruck innerer Seelenzustände, Abbild des stark körperlich geprägten Malvorgangs oder auch Spur performativer künstlerischer Akte. Jede geplante Formbildung wird hier durch den spontanen Duktus unterlaufen, die Formen lösen sich gleichsam auf.
Werke unter anderem von Karel Appel, Sam Francis, Peter Gilles, Karl Otto Götz, Hans Hartung, Rolf Iseli, Asger Jorn, Georges Mathieu, Manolo Miralles, Hermann Nitsch, Jackson Pollock, K.R.H. Sonderborg

Raum 6: Form | Fantasie
Der letzte Raum der hackordnung #5 widmet sich dem rätselhaften Bereich zwischen Abstraktion und Figuration, mit dem sich die Künstler seit der Entwicklung der gegenstandslosen Kunst und besonders seit dem Surrealismus immer wieder beschäftigt haben. Auch in der Gegenwartskunst ist dieses Zwischenreich von großer Bedeutung, denn die uneindeutigen Formen und organischen Mischwesen entziehen sich jeder Festschreibung und klaren Deutung.
Werke unter anderem von Willi Baumeister, Walter L. Brendel, Jean Dubuffet, Max Ernst, František Kupka, Joan Miró, Georg Meistermann, Anne Neukamp, Pablo Picasso, Bernard Schultze, Francisco Sierra, Markus Vater




[zur├╝ck]