Stadt Speyer / Purrmann-Haus Speyer
Hans Purrmann (1880-1966): "Im Kräftespiel der Farben"
Acht Ölgemälde aus dem Bestand des Purrmannhauses in der Kunsthalle Tübingen zu sehen
21.01.06 bis 23.04.06

Acht Ölgemälde aus dem Bestand des Purrmannhauses sind zur Zeit anlässlich des 40. Todesjahres in der Kunsthalle Tübingen zu sehen, drei weitere Bilder zeigen Speyerer Ansichten, die Schiffsbrücke, blühende Pfirsichbäume an der St.-Germanstraße und die Maximilianstraße im Flaggenschmuck. Im Purrmannhaus Speyer sind derweil die in Tübingen ausgestellten Werke durch interessante Leihgaben vorübergehend ersetzt, darunter vier Bilder, die das Werkverzeichnis mit dem Vermerk "Standort unbekannt" auflistet, ein bisher unbekanntes Bild und zwei Bilder, die Purrmanns Freund Wilhelm Widmann vor der Zerstörung rettete, indem er den Maler überredete, sie ihm zu überlassen.

Nimmt man den aufwendig gestalteten Katalog zur Hand, der die Ausstellung begleitet (nach Tübingen ins Saarlandmuseum Saarbrücken, ins Schleswig-Holsteinische Landesmuseum Schloss Gottorp und zu guter Letzt nach Berlin zum Kunstforum Volksbank), so kann man feststellen, wie selbstverständlich die Hochschätzung des Malers Hans Purrmann mittlerweile geworden ist.

Christian Lenz, der mit Felix Billeter zusammen das im letzten Jahr erschienene Werkverzeichnis erstellt hat, kommentiert die Bilder der Ausstellung. Dabei fällt auf, dass Purrmann nicht mehr wie noch vor zwei Jahrzehnten ausschließlich als Schüler von Matisse und Nachfahr von Cezanne interpretiert, sondern als gleichwertige, originale Künstlerpersönlichkeit begriffen und über die Beschreibung hinaus gewürdigt wird.

Ein Zitat aus Hermann Hesses Gedicht "Alter Maler in der Werkstatt" gibt der Ausstellung den Titel: "Im Kräftespiel der Farben". Der schöne lyrische Text ist vollständig am Ende des Vorworts der Museumsdirektoren abgedruckt, samt Purrmanns gerührtem Dankesbrief an den benachbarten Literaten. Neben einführenden Aufsätzen und den prächtigen Farbwiedergaben der Purrmannbilder enthält der Katalog wesentliche Auszüge aus Purrmanns kunsthistorischen Betrachtungen und Kommentaren, zum Teil im Rahmen privater Briefe.

In der geschliffenen Sprache dieser Texte erscheint der Maler, der mit 13 Jahren zum letzten Mal eine Schulbank drückte, dem Betrachter nochmals in einem neuen Licht. Im ersten Jahrzehnt nach seinem Tode wurde er vom kunstinteressierten Publikum fälschlicherweise als Antipode der Abstrakten begriffen und seine Modernität eher als Kompromiss gewertet. Erhellend nun Purrmanns Urteile - etwa über Picasso, dessen Bedeutung er vorbehaltlos anerkennt. Deutlich wird in dieser Textauswahl ein tiefes Wissen um das Wesen des Kunstwerks überhaupt. Dies sind Zeugnisse der Verbundenheit des Malers mit seiner Zeit bei völliger Souveränität über Modeströmungen - Aussagen, die den Leser bereichern.


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