Stadt Ludwigshafen / Wilhelm-Hack-Museum
 
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Imi Knoebel: "Werke von 1966 bis 2006"
Installationen, Objekte
09.05.07 bis 01.07.07

Das Konzept der Ausstellung ist eine Zusammenführung früher Arbeiten des Künstlers mit einigen seiner jüngsten. Den Schlüsselwerken, die bis Mitte der siebziger Jahre entstanden sind, stehen Arbeiten aus den letzten vier Jahren gegenüber. Die Auswahl der insgesamt zweiundzwanzig Kunstwerke macht deutlich, dass Imi Knoebel in seinem Frühwerk begriffliche und methodische Grundlagen entwickelt hat, die für ihn heute noch Gültigkeit besitzen. Imi Knoebel erforscht mit seinen Installationen, Bildobjekten, Skulpturen, Projektionen und Fotografien die Gestaltungsspielräume ungegenständlicher Kunst und erinnert so an künstlerische Positionen des De Stijl und des Suprematismus.

Imi Knoebel wurde 1940 in Dessau geboren. Seine Jugend verbrachte er in Mainz und studierte zunächst von 1962 bis 1964 an der Werkkunstschule Darmstadt. Dort lernte er Rainer Giese (1942-1974) kennen. Beide gingen 1964 nach Düsseldorf, um ihr Studium in der Klasse von Joseph Beuys an der Staatlichen Kunstakademie fortzusetzen. Der "Raum 19" wurde in den Jahren von 1966 bis 1969 zum Atelier der beiden Kunststudenten, wo sie als IMI & IMI zusammenarbeiteten. Zu ihren Kommilitonen gehörten Blinky Palermo und Jörg Immendorff. 1971 schloss Imi Knoebel sein Studium ab.

Zwischen 1966 und 1968 arbeitete Imi Knoebel an einer Serie von Linienbildern, wobei er sich selbst als einen "nach dem Anfang Suchenden" bezeichnet, der nichts als "die Sicherheit des puren Vierecks im rechten Winkel hat". Die hochrechteckigen, weißen Leinwände sind mit schmalen schwarzen Linien überzogen. Parallele Reihung und vertikale Ausrichtung der Linien bilden ein Raster, das über den Bildrand hinweg fortgesetzt gedacht werden kann, wodurch Bewegung, Ausdehnung und Räumlichkeit suggeriert wird. Durch diese einfache Konzeption wird der traditionelle Bildbegriff in Frage gestellt, ja nahezu ad absurdum geführt. Im Gegensatz zu seinem Lehrer Joseph Beuys und dessen Einbeziehung gesellschaftspolitischer Aspekte in einen 'erweiterten' Kunstbegriff, berief sich Imi Knoebel darauf, dass die "Welt der ungegenständlichen Kunst" erst neu "ausgemessen" werden müsse.

Zu einem Schlüsselerlebnis seiner Studienzeit wird die Entdeckung von Kasimir Malewitschs "Schwarzem Quadrat" (1915) und dessen Schrift "Die gegenstandslose Welt" (1922) mit der Idee des 'reinen' Bildes und der 'reinen' Empfindung. Diese radikal geometrisch-abstrakte Malerei stand in scharfem Kontrast zum ausgeprägt konzeptuellen Ansatz seines Professors. Für Imi Knoebel folgte daraus eine formal wie farbig minimalisierte Kunst, Reduktion auf das Allernötigste. Das in der Ausstellung gezeigte Werk "Schwarzes Kreuz" (1968) nimmt direkten Bezug auf Malewitsch. Vier quadratische, monochrom schwarze Tafeln sind auf der weißen Wand zu einer spiegelsymetrischen Kreuzform zusammengesetzt. Die leicht schräge Anbringung vermittelt einen schwebenden Eindruck an der Wand, die zum imaginären Bildraum für die Figur wird. Durch das Herantreten des Betrachters an dieses Bildobjekt wird vor allem dessen Materialität, die Konstruktions- und Bearbeitungsweise erkennbar.

In seiner mittlerweile kunstgeschichtlich bedeutsamen Installation "Raum 19", deren 3. Version in Ludwigshafen ausgestellt wird, sind unterschiedliche Elemente (hier über 270 Einzelteile), bezogen auf den Ausstellungsraum, vom Künstler sorgfältig arrangiert, auch wenn die Zusammenstellung auf den ersten Blick willkürlich scheinen mag. Rohe Holzleisten, Keile und zusammengesetzte Keilrahmen gehören ebenso zum Repertoire wie Tafeln, bei denen Hartfaserplatten auf Rahmen montiert wurden, die gehängt oder gestapelt werden. Durch das Prinzip der Schichtung erhalten sie Volumen, was sein Pendant in den Kuben, Quadern oder ovalförmig abschließende Kästen findet, die ebenfalls aus Hartfaser hergestellt wurden. Dadurch dass Imi Knoebel allein auf die Materialästhetik setzt, erzielt er eine homogene Wirkung. Jedes Element ist einerseits Baustein und Funktionsträger zueinander und innerhalb des Gesamtkomplexes andererseits aber auch ein eigenständiges, variables Objekt. Diese Installation nimmt für Imi Knoebel einen großen Stellenwert ein und bildet über die Jahrzehnte hinweg einen zentralen Bezugspunkt seines Schaffens. Seither bewegt sich Imi Knoebel im Grenzbezirk zwischen Malerei und Skulptur. Mit der großdimensionierten Installation "Raum 19" schafft Imi Knoebel einen spannungsreichen Dialog mit dem Raum und der Architektur des Museums.

Die 54 Fotografien "Sternenhimmel" spiegeln Imi Knoebels Experimentierfreude und den unkonventionellen, ja ironischen Umgang mit dem Medium Bild wider: er fotografierte die einzelnen Seiten der Ausgabe eines Taschenatlasses für Astronomie aus dem Jahre 1967 mit Abbildungen des nördlichen sowie des südlichen Sternenhimmel ab. Den Negativen fügte er jeweils einen neuen Stern hinzu und machte davon die ausgestellten Abzüge. Die Projektionen sind eine wesentliche Weiterentwicklung von Malewitsch's Idee des Bildes als Äquivalent immaterieller und spiritueller Empfindung. Das ungegenständliche Bild wird in die absolute Ungegenständlichkeit des Lichts überführt und mithilfe von Dia-Projektoren und Beamer an die Wand projiziert.
Im Wechselspiel von Intuition und Kalkül werden geometrische Formen und die Farbe, die ab Mitte der siebziger Jahre neben Schwarz und Weiß tritt, in den unterschiedlichen Werkphasen der vier Jahrzehnte auf beeindruckend vielfältige Art und Weise thematisiert. Die Arbeit "Grünes Siebeneck" stellt ein Schlüsselwerk dar, in dem das traditionelle viereckige Bildformat aufgebrochen und die Farbe Grün verwendet wurde. Als Format wählte er das Siebeneck, das sich, basierend auf einer Primzahl, nicht mehr regelmäßig gestalten lässt.

Bei den "Mennige"-Bildern entwickelte Imi Knoebel eine systematische Vorangehensweise der Formfindung, das die Prinzipien der Variation und Serie besonders gut veranschaulicht: vom regelmäßigen Rechteck leicht abweichende längliche Vierecke etwa gleicher Größe werden auf einer Ebene so ineinander geschoben, dass daraus Polygonalfiguren mit vielfältigen Vor- und Rücksprüngen entstehen. Im Gegensatz zum "Schwarzen Kreuz" dessen konstituierende Quadrate erkennbar bleiben, sind Teilformen der Meninigebilder zu einer Gesamtform verschmolzen. Die Serie erhielt ihren Titel durch die Verwendung und den monochromen Auftrag der bräunlich-orange Rostschutzfarbe Mennige, die Imi Knoebel für einige Tafeln verwandte.

In seiner jüngsten Serie "Ich Nicht" entwickelte Imi Knoebel Bildtableaus mit beweglichen Teilelementen: auf eine Schiene gestellt, werden farbig gefasste Aluminiumtafeln oder Kunststoff-Folien gegen die Wand gelehnt. Die mehrteiligen Bildobjekte ergeben eine Einheit von strahlender Farbkraft der verwendeten Primärfarben Rot, Blau und Gelb, die gleichermaßen als Bild, als Relief oder auch als modifizierbare Installation gesehen werden können.
Eine der neuesten Arbeiten, die Großplastik "Batterie" (2005), erscheint als Kubus aus fünf monochromen Bildern, deren phosphoreszierende Farbe das Tageslicht speichert, um es nachts wieder abzustrahlen. Damit schuf Imi Knoebel ein Analogon zu den Batterien seines Lehrers Joseph Beuys, etwa den Filzstapeln mit Kupferabdeckungen, mit Filz als Aggregat und Kupfer als Leiter.

Imi Knoebel hat den konstruktiven und konkreten Richtungen der heutigen Avantgarde entscheidende Impulse vermittelt. In seinem eigenständigen und innovativen Oeuvre, das den Bildbegriff völlig neu situiert, geht es vornehmlich um das Zusammenspiel und die autonome Wirkung von Farbe, Form und Material im Raum.


Begleitprogramm


Aktion "Kinderstern"
Imi Knoebel hat 1988 für ein gemeinnütziges Projekt den "Kinderstern" (damals als Siebdruck) entworfen. Inzwischen hat der "Kinderstern" als gemeinnütziger Verein viele Projekte für Not leidende Kinder weltweit unterstützt. Im Museumsshop des Wilhelm-Hack-Museums wird er als Brosche verkauft. Mit dem Kauf wird die vorbildliche Initiative des Künstlers unterstützt. Der Erlös geht ohne Abzüge an den Verein "Kinderstern" in Düsseldorf.

20.05.07 | Internationaler Museumstag im Wilhelm-Hack-Museum
"Museen und universelles Erbe".

Das Wilhelm-Hack-Museum lädt am 20.05.07 zum Internationalen Museumstag. Der Tag steht unter dem Motto "Museen und universelles Erbe". Von 14.00 bis 17.00 Uhr gibt es einen großen Bücherbasar. Kunstbücher, Kunstkataloge, zum Teil seltene und gesuchte Ausgaben, können zu Schnäppchenpreisen erworben werden. Auf dem Veranstaltungskalender steht ferner von 14.30 Uhr bis 17.00 Uhr ein musikalisches Rahmenprogramm. Ernst Christian Driedger und seine Band präsentieren lateinamerikanische Songs und Jazz. Um 15.00 Uhr werden Führungen für Eltern durch die Sammlungen des Museums mit Sarah Debatin, M.A. und für Kinder mit anschließenden kreativem Gestalten von Claudia Selent unter dem Motto "Warum sammeln wir?" angeboten. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

22.05.07 | Vortrag um 19.00 Uhr
"Richtkräfte. Ein Dialog zwischen Joseph Beuys und Imi Knoebel"
Prof. Dr. Franz-Joachim Verspohl, Lehrstuhl für Kunstgeschichte und Kustodie Friedrich Schiller Universität Jena

Joseph Beuys war wie kaum ein anderer Künstler im 20. Jahrhundert eine öffentliche Person. Immer und überall stand er Rede und Antwort. Ein Teil seiner Schüler war zwar von seinem persönlichen Auftreten und seiner konsequenten Integrität überzeugt, bezweifelte aber die künstlerische Angemessenheit seines Vorgehens. Während diese Schüler das Werk von Beuys als Quelle ästhetischer Inspiration und Innovation genau beobachteten, standen sie seiner rhetorischen Praxis skeptisch gegenüber. Mit Imi Knoebel hat sich Beuys, wie oft betont worden ist, verbal immer nur knapp ausgetauscht. Der Lehrer ließ ihn und Imi Giese ebenso wie Blinky Palermo im Gegensatz zu anderen Schülern gewähren. Der Vortrag geht auf die Frage ein, in welchem Verhältnis ihr Werk zu dem von Joseph Beuys steht.





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Imi Knoebel
Imi Knoebel: "Batterie", 2005, Acryl, Aluminium, 311 x 387,5 x 251 cm