/ Galerie Altes Rathaus Wörth
Izabella Koch
Malerei
11.03.05 bis 17.04.05
Izabella Koch
Izabella Koch

Einführung von Dr. Matthias Brück

Auf den ersten Blick scheinen die Exponate von Izabella Koch lediglich konstruktivistische Konzeptionen zu transportieren. Und falls man nicht weiß, daß es schon früh der Wunsch dieser Künstlerin gewesen ist, die Auseinandersetzung mit dem Gegenstand in Weisen der Abstraktion zu überführen, könnte man dem ersten Eindruck trauen.

Doch wer sich nur einmal mit diesen Farbintensitäten vertraut macht, deren komplimentäre Bezüge entdeckt, der ahnt, daß es hier nicht allein um geometrische Konstrukte und Flächenverschränkungen gehen kann... Denn dieses Werk dürfte, sollte man als eine subjektive Reaktion auf die sogenannte Wirklichkeit begreifen lernen.

Was bei realistischen, impressionistischen oder gar expressionistischen Stilen ohne weiteres zugägnglich und möglich erscheint nämlich die jeweils reflektierte Begegnung mit der Realität nachzuvollziehen, wiedererkennen zu können verlangt bei dieser Künstlerin wohl ein intensiveres Engagement des Betrachters.

Werden doch hier keine Situationen oder Problemkonstellationen nacherzählt beziehungsweise abgebildet. Im Gegenteil: denn Izabella Koch reagiert ja auf die ihr begegnende Wirklichkeit nicht durch ein traditionelles Wiedergeben, vielmehr durch ein transformierendes Antworten auf die verschiedensten Reize seien sie sozial, psychisch oder emotional bedingt.

Anders gewendet: diese Künstlerin hat gewissermaßen einen speziellen persönlich-subjektiven Empfänger entwickelt, mit dem sie die Nachrichten aus der Wirklichkeit auf ganz besondere Weise dekodiert und wiederum neu zu kodieren scheint. Dieser Emfpänger besteht nun im übertragenen Sinne aus formalen, theoretisch-künstlerischen Überlegungen, die sich aus der besonderen Bedeutung von Linie und Fläche entwickeln.

Izabella Koch hat ihre Konzeption der formalen wie inhaltlichen Möglichkeiten von Fläche und Linie in drei Punkten zusammengefaßt, auf die man als Betrachter besonders achten sollte:

1. Linien, die durch das Zusammentreffen von Flächen entstehen: Die Linien unterstützen die Komposition und führen ein eigenes Leben, sind selbstständige Elemente des Bildes. Durch starke Farbkontraste verstärkt sich die Wirkung der Linie. Die Schicht auf Schicht aufgetragenen Flächen erzeugen nicht nur Tiefe, sondern ermöglichen Durchblicke auf die ersten einschichtigen Flächen.

2. Linien, die durch einen Farbduktus entstehen: Die Flächen erhalten eine differenzierte Oberflächenstruktur. Der Farbduktus bildet Linien, die erst auf den zweiten Blick zu entdecken sind. Andere Linien unterstützen nur die Farbspiele oder eine bestimmte Richtung und prägen dadurch die Komposition. Der Farbduktus, Linienzüge und Richtungen zwingen den Betrachter gewissermaßen zu einer gezielten Betrachtung des Bildes.

3. Linien, die im Malgrund vorprogrammiert sind: Holzplatten von unterschiedlicher Stärke bilden bereits im Hintergrund eine Linie die Teil der Malfläche ist. Farbnuancen, Linien und andere Malstrukturen unterstützen die Ursprungslinien oder lassen diese verschwinden. Durch einen bestimmten Einsatz der Farben können optische Täuschungen entstehen. Die Tiefe kommt nach Vorne, das Vordere wird Tiefe.

Das gilt beispielsweise für Exponate wie "Bodensatz", bei denen erst beim Näherkommen eine unterschiedlichliche, geteilte Grundfläche wahrgenommen wird. Das gilt anderweitig für Arbeiten wie "Zäsur", in denen die existentielle Bedeutung dieses Begriffes für das Leben des Einzelnen indirekt erhellt werden soll. Einmal markiert die "Zäsur" einen harten, oft schmerzlichen Einschnitt, dann wiederum signalisiert sie einen möglichichen Wendepunkt, einen Neuansatz.

Dann wiederum gibt es den "Niemands-Raum", der sich aus jeglicher Orientierung herausnimmt, als wollte diese Künstlerin den Augenblick des Eintretens in der plötzlichen Vielschichtigkeit subjektiver Wahrnehmung interpretieren. Dazwischen entdeckt man Werke, die in tektonisch gegliederten Steigerungen mit Prozessen wie dem "Hausse" der Börse spielen oder eine bestimmte Richtung anzeigen mögen..."Wegweisend" heißt da ein Titel.

Als "wegweisend" für den Betrachter erweist sich meines Erachtens insgesamt auch die Kunst des Übersetzens, durch die Izabella Koch die uns umgebende Realität in eine andere, abstrakt-sensible Wirklichkeit überführt. Ein anspruchsvoller Weg, den es zu gehen sich mehr als lohnt. Und manche von Ihnen ahnen meinen Schlußsatz sicherlich schon: am Besten erleben Sie das zu Hause - vor einem Bild Ihrer Wahl.



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