Stadt Landau in der Pfalz / St├Ądtische Galerie Villa Streccius
 
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Susanne Egle: "Lands-Leute"
Ein multimediales Projekt
08.03.14 bis 27.04.14

09.04.14, 13.04.14, 27.04.14 | Während der Öffnungszeiten
Führungen mit der Künstlerin Susanne Egle 


"Lands-Leute" - Das Projekt
"Lands-Leute" ist eine künstlerische Recherche nach der Einzigartigkeit eines Menschen, nach seiner Authentizität und Identität. Die Biografie, das alltägliche Leben, aber auch die Stellung im Sozialgefüge spielen neben den persönlichen Vorlieben eines/r jeden Teilnehmers/in hierbei eine große Rolle. Die Realisierung dieses multimedialen Projektes erstreckt sich über einen Zeitraum von vielen Jahren. Arbeitsbeginn war im Jahr 2002, anlässlich der Nominierung zu dem europäischen Ausstellungsprojekt "Carambolage"durch Dr. Margrit Brehm, damals Kuratorin an der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden.

Folgende "Landsleute" aus meinem persönlichen Umfeld haben sich bisher bereit erklärt, an diesem Experiment teilzunehmen: die Erzieherin, der Angestellte, der Lehrer, die Kunsthändlerin, die Architektin, der HNO-Arzt, der Bürgermeister, der Zahnarzt, der Rechtsanwalt, der Hausarzt, der Fotograf.

In der ersten Arbeitsphase wird jeder/jede Teilnehmer/in zu einem "Interview" in mein Atelier eingeladen, über meine Arbeitsweise und den Projektinhalt informiert. In einer Mappe, die ich für ihn/sie anlege, werden sämtliche persönliche Informationen gesammelt. Fester Bestandteil sind hierbei die Vita und ein Fragebogen zu alltäglich banalen Vorlieben wie z.B. Lieblingsfarbe, Lieblingsduft, Lieblingsspeise und vieles mehr. In diesem Portfolio sind später auch sämtliche Notizen archiviert, die durch eine intensive Dialogarbeit mit der jeweiligen Person entstanden sind und möglicherweise in der Realisierungsphase von großer Bedeutung sein werden. Der Inhalt dieser Mappe bleibt der Öffentlichkeit unzugänglich.

Nach meist mehrwöchiger Zusammenarbeit besuche ich die einzelnen Personen in ihrer häuslichen Umgebung, um weitere "soziokulturelle" Aspekte zu entdecken. Hier erhalte ich dann auch meist das vollständige "Material". Zum Einen: Persönliche Gegenstände aus privatem oder beruflichem Umfeld, oft von kaum messbarem materiellem, aber für die jeweilige Person von hohem ideellem Wert. Zum Anderen: eine ganz individuelle Geschichte aus dem Leben der Teilnehmer, die zur Veröffentlichung freigegeben wird. Eine weitere Arbeitsphase beinhaltet die Fotodokumentation und Archivierung des gesamten zur Verfügung gestellten Materials. Die zu veröffentlichende Geschichte wird auf einer Texttafel präsentiert und später dann der entsprechenden Arbeit zugeordnet.

In der Realisierungsphase schaffe ich unter Einbeziehung der erhaltenen Gegenstände und Informationen aus der dialogischen Recherche, in Kombination mit meinem eigenen Materialfundus, ein dreidimensionales "Portrait". Unter der Voraussetzung, mit den zur Verfügung gestellten Gegenständen künstlerisch frei umgehen, d.h. diese verfremden, zerteilen, verformen zu dürfen, muss ich für jeden/jede Teilnehmer/in immer wieder neue künstlerische Strategien entwickeln. Individuelles wird auf die unterschiedlichste Art und Weise herausgestellt: gehe ich in der einen Arbeit intensiv auf die erzählte Geschichte ein, spielt in anderen Objekten die Lieblingsfarbe, der Lieblingsduft oder z. B. ein berufsbezogenes Geräusch eine Rolle. Auch können Gewohnheiten, einmalige Erlebnisse oder "Spleens" der Teilnehmer von prägender Bedeutung sein und lassen sich teilweise erst durch interaktives Handeln des Betrachters erschließen. Der/die Teilnehmer/in bleibt anonym. Die Berufsbezeichnung bildet den Titel der Arbeit. Da ich mich mit jeder einzelnen Person über lange Zeit hinweg intensiv auseinandersetze, sind die Arbeiten stark subjektiv geprägt.

Das Projekt wird durch die Fotodokumentation der erhaltenen Gegenstände und ein Video internationaler Kommentare ergänzt.
Susanne Egle 2014


"Lands-Leute" - Projekterweiterung
Während meines 6-monatigen Aufenthaltes an der Cité Internationale des Arts in Paris im Jahr 2004 hat mein Projekt "Lands-Leute" eine zusätzliche Dimension erhalten: 25 Kollegen/Kolleginnen aus den unterschiedlichsten Sparten wie Musik, Literatur, Architektur, Darstellende und Bildende Kunst habe ich mein "Lands-Leute" Projekt vorgestellt und sie um ein persönliches Statement gebeten: In ihrer jeweiligen Muttersprache kommentieren die Befragten das Projekt in schriftlicher Form, sowie in von mir angefertigten Bild- u. Tonaufnahmen.

Da es mir bei diesem Interview erneut um Identität und Authentizität ging, ließ ich den filmischen Part des Statements, meist in den Ateliers gedreht, von der jeweiligen Person frei gestalten. So tanzt ein Jüdischer Tänzer sein Statement, ein Mexikanischer Kollege malt es, ein Schweizer Multimedia Künstler komponiert eigens ein Sound-Arrangement dafür. Kollegen/Kolleginnen aus Tunesien, Norwegen und Iran singen oder spielen ihren Kommentar. Andere präsentieren sich im Zusammenhang mit ihren eigenen Arbeiten vor der Kamera. Das Ergebnis: ein Zusammenschnitt der unterschiedlichsten Ausdrucksformen, der auch hier wieder die Einzigartigkeit der jeweiligen Persönlichkeit auf vielfältige Weise dokumentiert.

Ausstellungsbegleitend sollen diese internationalen Statements die vorhandenen Objekte mit deren dazugehöriger Geschichte ergänzen.
Susanne Egle 2014



Öffnungszeiten:
Di. und Mi. von 17.00 bis 20.00 Uhr
Do. bis So. von 14.00 bis 17.00 Uhr
Für Gruppen auch nach Vereinbarung

Veranstalter: Kulturabteilung der Stadt Landau in der Pfalz



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