Stadt Ludwigshafen / Wilhelm-Hack-Museum
 
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Tatjana Doll
Malerei
06.03.10 bis 24.05.10

Tatjana Doll entwickelt ihre Malerei aus einem Motivfundus, der im Alltag überall und für jeden abrufbar ist und der in seiner Flächigkeit - entweder als Gegenstand selbst oder als seine Abbildung in Fotos oder Werbeflächen - bereits als Bild wirkt: Piktogramme, Verkehrsschilder, Kontoauszüge, aber auch Autos, LKWs, Flugzeuge und Schiffe, Altglascontainer und Abfall-Mulden sind ihre Bildmotive. In ihrer neuesten "RIP"-Serie kommen auch noch Reproduktionen von Bildern aus der Kunstgeschichte hinzu. Auf großen, plakatwandartigen Formaten erweckt Doll diese Vor-Bilder mit ihrem unmittelbaren, schnellen und heftigen malerischen Zugriff zu einem neuen und eigenständigen Leben.

Viele Bildmotive bearbeitet die in Berlin lebende Künstlerin in Serie. Sie nimmt damit einerseits auf die serielle bzw. industrielle Herstellung der Motivvorlagen oder auch - im Falle der Kunstvorlagen - auf deren vielfache Reproduktion Bezug. Andererseits zeichnen sich Dolls Serien aber gerade durch individuelle Unterschiede aus, die jedes Bild zu einem unverwechselbar eigenen machen und dadurch die Perfektion der maschinellen und digitalen Serienfertigung unterlaufen.

Dolls Thema sind Fragen nach dem aktuellen Stand der Malerei: Worin besteht die Eigenständigkeit eines Bildes, was macht das Bild zum Ausdruck unverwechselbarer Persönlichkeit? Wie steht es um das Verhältnis von Bild und Vor-Bild, von funktionalen und künstlerischen Bildern? Wie lässt sich ein bereits existierendes und festgeschriebenes Bild aktuell verlebendigen?

Das spektakulärste Werk der Ausstellung ist Containerschiff, eine komplexe und vielteilige Arbeit im Mega-Format, die Tatjana Doll erstmals auf der Art Basel Unlimited 2009 gezeigt hat. Die Arbeit besteht aus einem gemalten Schiffsrumpf sowie aus einer Vielzahl einzelner Bilder, die jeweils einen Container in der Frontalsicht darstellen: Der Container als Bild-Idee, das Bild als Ideen-Container. Ein Alltagsmotiv wird hier zum Modellfall einer Malerei, die das komplexe Verhältnis von Gegenständlichkeit und Abstraktion, von Einzelbild und Serie, von Bild und Installation, von Bild und Abbild verhandelt.

Tatjana Doll (*1970) war an Ausstellungen am Musée d'art moderne de la ville de Paris (2002), P.S.1 MoMA New York (2004), Kunsthalle Bremerhaven (2005), Santralistanbul Istanbul (2007) und Museu Serralves Porto (2008) beteiligt. Sie ist seit 2009 Professorin an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe/Freiburg.




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Tatjana Doll
Tatjana Doll: "Container Ship", 2008/09, Lack/Leinwand, 1000 cm x ca.1380 cm