Stadt Speyer / Purrmann-Haus Speyer
"Treffpunkt Villa Romana Florenz"
Arbeiten von Hubert Nikolaus Lang (1909-1972) und Hubert Georg Lang
08.04.08 bis 18.05.08
Hubert Nikolaus Lang
Hubert Nikolaus Lang: "Regina Purrmann", 1943, Bronze

Hubert Nikolaus Lang erhielt 1943 als erster Oberammergauer Künstler das bedeutende Villa
Romana Stipendium. Die Villa Romana in Florenz ist eine Stiftung von Max Klinger, die zum Nutzen und Studium junger, begabter Künstler bereit gestellt wurde. Die Leitung der Villa Romana hatte damals der Maler und Matisse-Schüler Hans Purrmann inne. Seine besondere Beziehung zu Hubert Nikolaus Lang, die man durchaus als väterlich-freundschaftlich bezeichnen kann, ist in einigen Briefen dokumentiert, die von der Auflösung und dem Untergang des Kunstbetriebes in der Villa Romana berichten. Ein künstlerisches Ergebnis dieser Beziehung und seines Aufenthaltes in Florenz ist auch das Porträt der Tochter Regina Purrmann. Der Sohn des Bildhauers, Hubert Georg Lang, Maler und Bildhauer, verweilte als Gast einige Male in der Villa Romana.

Einführung von Dr. Jürgen Vorderstemann

Im Jahre 1935 war Hans Purrmann die Leitung der 1905 begründeten Villa Romana in Florenz übertragen worden, die er acht Jahre bis 1943 innehatte. Die Idee der Gründung eines deutschen Künstlerhauses in Italien geht auf Max Klinger zurück; zu den Gründungsmitgliedern zählten Max Liebermann und Harry Graf Kessler. Purrmann definierte rückblickend die Aufgabe der Institution so: "Die ... Absicht war, bereits ausgereiften deutschen Künstlern von ausgewiesener Begabung und Bedeutung, ohne Ansehung ihres Alters, die Gelegenheit zu sorgenfreiem Schaffen in Florenz für die Dauer eines Jahres zu bieten" (Göpel, Leben u. Meinungen ..., S. 225). Die Auswahl der Künstler wurde durch die Jury des Deutschen Künstlerbundes getroffen, Purrmann, unterstützt von seiner Frau, führte das Haus in politisch schwieriger Zeit durchaus systemfern, was ihm manche Schwierigkeiten bereitete.

Üblicherweise wurde pro Jahr ein Künstler ausgewählt, nur 1941 und 1942 wurden für das Folgejahr drei benannt. Unter letzteren war der Bildhauer Hubert Nikolaus Lang; er war dann aber der einzige, der das Stipendium noch wahrnehmen konnte, wenn auch nur verkürzt, denn nach dem Sturz Mussolinis am 25. Juli mußte er 1943 Italien verlassen. Er war also Purrmanns letzter Villa-Romana-Stipendiat, und wir freuen uns sehr, eine Ausstellung seiner Arbeiten präsentieren zu können. Wir verdanken sie Langs Sohn Hubert Georg Lang, gleichfalls Maler und Bildhauer aus Oberammergau, der auch eigene Arbeiten mitgebracht hat und den wir herzlich begrüßen.

Lassen Sie mich Ihnen die beiden Künstler Lang kurz vorstellen:

Der Vater Hubert Nikolaus lebte von 1909 bis 1972 und war hauptsächlich Bildhauer. Er arbeitete in Holz, Keramik, Bronze, Muschelkalk, seine Gegenstände waren Figürliches, Porträts und Tiere. Als Meisterschüler von Joseph Wackerle in München steht er in der klassischen Tradition Adolf von Hildebrands. Das ist besonders spürbar in den arkadischen Hirtenmotiven und der antikisierenden Körperauffassung, doch die Pastoralen gehen auch über in die christliche Darstellung des guten Hirten. Man hat seine seit Mitte der 1950er Jahre entstandenen Plastiken in diesem Sinne und in ihrer Stilart mit solchen von Ernst Barlach und Ewald Mataré verglichen. Auf der anderen Seite blieb er immer mit der in Oberammergau heimischen Holzschnitzer-Tradition verbunden. Wie Purrmann hat es ihn nicht zu den Abstrakten gezogen, und wie dieser zeigt er nicht das Häßliche der Welt, sondern das Schöne und damit das positive Gegenbild. Daß er bei der Arbeit am "Betenden Hirten" in seiner Werkstatt starb, kann man als ein würdiges Ende eines Künstlerlebens ansehen.

Wie nicht anders zu erwarten, ist der Sohn Hubert Georg als Bildhauer und Maler vom künstlerischen Vorbild des Vaters mitgeprägt oder, wie es der langjährige Leiter der Villa Romana, Joachim Burmeister ausgedrückt hat, ist der Apfel nicht weit vom Stamme gefallen. Aber natürlich folgt er nicht allein ihm: Er war, nachdem er erst in der Oberammergauer Schnitzschule Grundlagen gelegt hatte, als Bildhauer Meisterschüler von Georg Brenninger an der Münchner Akademie und als Maler bei Alfred Hrdlicka in Stuttgart, er hat sich auch intensiv mit Henry Moore sowie der kubistischen Plastik, ich nenne nur Konstantin Brancusi und Henri Laurens, beschäftigt. Wie sein Vater arbeitet er gegenständlich. In der Motivik steht er ihm oft nahe: denn auch er findet seine Gegenstände oft in der Tierwelt, auch er sucht die Harmonie, und auch in ihm steckt die Italien-Sehnsucht, die sich in vielen Toscana-Bildern niedergeschlagen hat. In den 1970 und 1980er Jahren konnte er in Montechiaro die toscanische Natur, aber auch in den umliegenden Kunststätten die alten italienischen Meister studieren, an moderneren waren ihm Corot, Cézanne und Giorgio Morandi aus Bologna Vorbilder. Im Hause des Vaters hing ein Landschaftsbild von Hans Purrmann "Blick von der Villa Romana auf Florenz", gemalt 1940, das ihn sicher auch diesen Weg gewiesen hat. 1960 konnte er selber in seines Vaters Begleitung die Villa erstmals besuchen.

Unter den ausgestellten Werken möchte ich eines besonders hervorheben: Es handelt sich um die bronzene Porträtplastik, die Hubert Nikolaus Lang 1943 von Regina Purrmann, der Tochter des Malers, angefertigt hat. Das war in der schwierigen letzten Zeit Purrmanns in der Villa Romana. Die Vorgeschichte und warum ihm Regina Modell gesessen hat, ist nicht bekannt, doch aus den Briefen, die Purrmann an Lang geschrieben hat, geht hervor, daß er den jungen Mann menschlich wie künstlerisch geschätzt hat, und so mag sich die Entstehung erklären. So schreibt er ihm am 21.08.1943, nachdem er in einem früheren Briefe die gefahrvolle Situation in Florenz geschildert hatte: " ... ich glaube Sie können gut Anfang September in die Villa kommen .... Ich würde mich sehr freuen, Sie zu sehen." Das war allerdings eine Fehleinschätzung, und es kam es aber nicht mehr dazu, denn auch Purrmann mußte aus Florenz fliehen, und er berichtet in Briefen Lang ausführlich über die gefährliche Lage und über die Freunde, die umkamen. Am 14. November teilt er dann mit, daß die porträtierte Tochter Regina in München bei ihrem Bruder Robert ist. Pfingsten 1946 gibt er, schon aus Montagnola, eine interessante Anregung: "Ich freue mich, dass Sie mein (schon erwähntes) Bild in Ehren halten, wenn ich wieder nach Deutschland komme, dann können wir tauschen, vielleicht für Büste Reginas ein Stilleben!" Solch ein Angebot war sicher auch ein Zeichen kollegialer Wertschätzung.

Zu diesem Tausch kam es nicht mehr. Immerhin aber kam zwischen Regina Purrmann verh. Vollmoeller - sie hatte ihren Vetter geheiratet und damit den Mädchennamen ihrer Mutter erworben - und Hubert Georg Lang zu Verhandlungen über den Ankauf der Plastik, die damit endete, dass Herr Lang ihr die Plastik seines Vaters unentgeltlich überließ. 1992 schrieb sie ihm: „Ich weiss gar nicht recht wie mich bedanken, denn eigentlich wollte ich ihn [den Kopf] ja kaufen. .... Was wohl Vater sagen würde, wenn er wüsste, dass er jetzt, nach so vielen Jahren, bei mir ist? Es waren schöne und doch schreckliche Zeiten in Florenz.“ Nach dem Tod der Regina Vollmoeller kaufte Herr Lang jr. Die Plastik zurück. Er schenkte sie ihrem Entstehungsort, der Villa Romana. In dem Vorgespräch zur heute zu eröffnenden Ausstellung kam der Gedanke auf, einen Abguss der Plastik für das Purrmann-Haus zu erwerben. Herr Lang verwandte sich dafür bei der Villa Romana und vermittelte dann auch die Herstellung des Bronzeabgusses, den wir für das Purrmann-Haus ankaufen konnten.

Regina war ihrer Mutter Mathilde Vollmoeller-Purrmann in besonderem Maße verbunden. In ihrem Nachlass fand sich der Großteil des untergegangen geglaubten künstlerischen und auch persönlichen Nachlasses ihrer Mutter, der seit 1999 gesichtet werden und 2005 durch die Stadt Speyer endgültig erworben werden konnte. Ihm ist jetzt im Purrmann-Haus ein eigener Raum gewidmet. Die Porträt-Plastik der jüngsten Tochter, die das mütterliche Erbe so treu bewahrt hat, findet jetzt auf Dauer in diesem Raum ihren angemessenen Platz. Herr Lang aber hat sich in mehrfacher Weise verdient gemacht: einmal durch seine großzügige Geste gegenüber Regina Vollmoeller, dann gegenüber der Villa Romana und schließlich auch dem hiesigen Purrmann-Haus gegenüber, denn ohne ihn wäre uns diese bedeutende Erwerbung nicht gelungen.



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Hubert Nikolaus Lang
Hubert Nikolaus Lang: "Regina Purrmann", 1943, Bronze
Hubert Georg Lang
Hubert Georg Lang: "Ausblick Villa Romana", 2004, Öl auf Leinwand