/ Galerie Altes Rathaus Wörth
Xaver Mayer
Grafik
27.01.06 bis 26.02.06
Xaver Mayer
Xaver Mayer: "Fast daheim"

Einführung von Dr. Matthias Brück

Im alten "Wahrig" - gemeint ist das Wörterbuch der deutschen Sprache - wird der Begriff "Lebenskunst" wie folgt definiert: Ein Lebenskünstler ist jemand, der das Beste aus seinem Leben zu machen versteht; jemand der die Fähigkeit besitzt, sich mit kleinen Dingen das Leben schön und froh zu gestalten. Er begegnet Schicksalsschlägen mit Leichtigkeit, ohne sie auf die leichte Schulter zu nehmen. Er nimmt mutig neue Herausforderungen an, ohne vor Selbstüberschätzung zu strotzen. Er strahlt Freude am Leben aus, ohne in blinde Euphorie zu verfallen.

Der Verdacht drängt sich auf, die Lexikon-Autoren hätten sich Xaver Mayer als beispielhafte Vorlage für ihren Text genommen, ohne ihre Quelle zu nennen. Denn wer diesen Künstler auf seiner Bild-Reise durchs wirkliche Leben begleitet, der absolviert geradezu einen Meisterkurs in Sachen "Menschlich-Allzumenschliches". Der lernt sich und seine Mitmenschen besser kennen, als es jedes dickleibige Psychologie- oder Soziologie-Kompendium zu leisten vermag! Und so "tanzt er aus der Reihe" wie es der Ausstellungstitel verspricht - und mit ihm seine Gestalten und Figuren.

Da treffen immer wieder unnachahmbare Skurrilität, ironische Analyse, dramatischer Pfiff und liebevolles Komponieren Szene für Szene zusammen. Bis ins Kleinste wird jedes Detail ausgestaltet. Bis zu vier Druckplatten garantieren die Farbmächtigkeit und die subtilen Differenzierungen dieser Exponate. Fast jedes Blatt erzählt eine Geschichte, die der Betrachter zumeist mit Eigenphantasie mit Vergangenheit und künftigem Geschehen ergänzen könnte. Aber die Bild-Gegenwart bietet allein schon eine Fülle von aufregenden Momenten - zwischen idyllischer Versponnenheit und herber Enttäuschung. Da lässt sich einer schwindelfrei zu Gipfelträumen verführen, indes anderenorts die Traurigkeit einer Hinterhof-Idylle à la Zille beklemmend-düster in Szene gesetzt wird.

Es gehört zu den Besonderheiten von Xaver Mayer, dass aus einer sanften Melancholie kein allgemeiner Weltschmerz resultiert, dass eine amüsierte Nachdenklichkeit nicht in ein niveauloses Schenkelklopfen umzuschlagen droht. Denn es ist gerade dieses "Sowohl-als-auch" des Empfindens, Beobachtens und Einfühlens in die je konträren Situationen, was diesen Künstler immer wieder zu einem genialen "Daseins-Analytiker" mit Herz und Scharfblick prädestiniert. Nicht als einer "von der hohen Warte", vielmehr als ein direkt-indirekt Beteiligter, Betroffener. Eben war es noch der riesige Traktor, der mit stolzgeschwelltem Auspuff einen winzigen Erntewagen nach Hause zieht, da wird der Betrachter zugleich vom "Dorfspion" belauert, dessen Physiognomie in keinem CIA-Handbuch fehlen dürfte.

Ständig handelt es sich um Außenseiter unserer Gesellschaft, die diesen Künstler faszinieren - und denen er gewissermaßen "Erste Hilfe" leistet, gegenüber einer Entwicklung, die man unschwer mit einem Bonmot von Danny Kaye charakterisieren kann: "Geld allein macht nicht glücklich. Es gehören auch noch Aktien, Gold und Grundstücke dazu". Da karikiert Xaver Mayer einmal nur folgerichtig den tröstenden Kalenderspruch "Wenn Du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her" mit dem lakonisch-sarkastischen Titel einer Radierung: "Schwacher Trost".

Dabei kann man Kalender ganz anders entwerfen, wie Sie vielleicht schon entdeckt haben. In ihrer typisch jahreszeitlichen Prägung, versehen mit Texten von Erich Kästner oder Michael Bauer, werden sie bei diesem Künstler zu einem Kaleidoskop von Eigenart und künstlerischer Reflexion. Und das in der bereits erwähnten unglaublichen Farbdifferenzierung, um die so mancher Xaver Mayer beneiden dürfte. So ist es also nicht nötig, sich grün und blau zu ärgern, um etwas Farbe in unser Leben zu bringen. Dafür sorgt hilfsbereit schon dieser Künstler mit seinen hinreißenden Werken hier, wie natürlich auch bei Ihnen zu Hause.

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