Stadt Speyer / Purrmann-Haus Speyer
"Zauber südlichen Lichts - Hans Purrmann (1880-1966)"
Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Purrmann-Haus Speyer im Kunstforum der Berliner Volksbank in Berlin
07.12.06 bis 29.04.07
Hans Purrmann
Hans Purrmann: "Blick auf Collioure", 1911, Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Süddeutschland

Hans Purrmann (1880-1966) gehört zu den bedeutenden deutschen Malern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Zeitgenosse von Pablo Picasso, Ernst-Ludwig Kirchner, Paul Klee und Max Beckmann entwickelte seinen ureigenen Stil im "Kräftespiel der Farben", wie Hermann Hesse in einem dem Künstler gewidmeten Gedicht schrieb. Es sind besonders die starkfarbigen Stillleben und Landschaften, die Kunstgenießer schätzen und bewundern. Hans Purrmann war der kraftvollste Vertreter der deutschen Matisse-Schule und zeichnete sich durch eine leuchtende Farbenmalerei voll Harmonie und Licht aus.

Zum Anlass des 40. Todestages des Künstlers würdigten bereits die Kunsthalle Tübingen, das Saarlandmuseum und die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen im Kloster Cismar das Werk Purrmanns mit eigenen Ausstellungen.

Im Kunstforum der Berliner Volksbank werden in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie und mit Unterstützung des Kupferstichkabinetts, beide Staatliche Museen zu Berlin, rund 70 Gemälde, Grafiken und Skulpturen Hans Purrmanns und ergänzend Arbeiten von Künstlern gezeigt, die Purrmanns Entwicklung stark beeinflussten oder förderten. Zu sehen sind Werke der deutschen Impressionisten Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt, sowie der französischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts: Paul Cézanne, Henri Matisse, Vincent van Gogh und Paul Gauguin. Bilder von Purrmanns Weggefährten aus dem "Café du Dôme" wie Friedrich Ahlers-Hestermann, Albert Weisgerber, Rudolf Levy und Oskar Moll runden die Ausstellung ab.

Geboren in der Familie eines Dekorationsmalers in Speyer, kam Hans Purrmann nach Studienjahren in Karlsruhe und München 1904 nach Berlin, wo er die lichtdurchflutete Malerei des impressionistischen Dreigestirns studierte. Auf Liebermanns Empfehlung wurde er Mitglied der Berliner Secession, doch der deutsche Impressionismus bot ihm bald keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten.

So beschloss er, ins damalige Zentrum der Avantgarde zu gehen: nach Paris. Von 1905 bis 1914 blieb Purrmann in der französischen Metropole. Er verkehrte im legendären "Café du Dôme", wichtiger Treffpunkt der pulsierenden Künstlerszene. Purrmann begeisterte besonders die Begegnung mit der reinfarbigen Malerei von Henri Matisse. Kurz nachdem er Matisse persönlich kennen gelernt hatte, wurde er Mitbegründer seiner Malschule "Académie Matisse". Als 'massier' war Purrmann für die Organisation im Schulatelier verantwortlich. Gemeinsame Aufenthalte mit Matisse in Südfrankreich folgten, auf denen Purrmann im engen Austausch mit dem großen Vorbild sowie unter dem Eindruck des südlichen Lichts eine Bildsprache reiner Farbe und in die Fläche gebundener Formen entwickelte. Es entstanden heitere Landschaften, in mediterranes Sonnenlicht getaucht.

Purrmanns Interesse für die ausgewogene Komposition der Farbflächen äußerte sich vor allem in den zahlreichen Stillleben, in denen er Blumen, Früchte und ornamental gemusterte Stoffe beziehungsvoll arrangierte. Seinen eigenen Stil entwickelte er, indem er auch anscheinend gegensätzliche Farben zu harmonischer Einheit verband.

Der Beginn des 1. Weltkriegs zwang Purrmann zur Rückkehr nach Deutschland. In Berlin richtete er sein erstes Atelier ein, die Sommermonate verbrachte er in Langenargen am Bodensee und in Italien. Dort inspirierten ihn erneut die südliche Atmosphäre und die liebliche, sanft hügelige Landschaft. Mit heller Palette fing er die sonnige Umgebung ein, malte lichtdurchflutete Interieurs, die mit geöffneten Fenstern die Natur in den Raum lassen. Sein Stil wurde luftiger, der Farbauftrag leichter. Dennoch verlor er nichts von seiner intensiven Farbe.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten galt Purrmanns Kunst als "entartet", seine Bilder wurden aus deutschen Museen entfernt. Verstört und enttäuscht zog er nach Florenz, wo er in der Villa Romana vielen deutschen Künstlern einen Zufluchtsort bot. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen flüchtete er in die Schweiz. Im italienischsprachigen Tessin fand der vielreisende Künstler seinen Ort der Ruhe und des Friedens. Hier blieb er bis zu seinem Tod 1966. Seine Bedeutung als herausragender zeitgenössischer Maler bezeugt die Einladung zur 1. dokumenta 1955.

Purrmanns gesamtes Werk ist von einem freien, kräftigen Kolorismus geprägt und sollte die Gegenständlichkeit nie verlassen. Unbeeindruckt von anderen Tendenzen in der Kunst seiner Zeit, Expressionismus, Neue Sachlichkeit der 1920er Jahre oder Abstraktion der Nachkriegszeit, verfolgte er seine Kunst der Nuancen im Kräftespiel der Farben - er hatte seinen Weg gefunden.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.


Veranstaltungen im Kunstforum

10.01.07 | 18.00 Uhr
Kuratorenführung: "Malerei mit den Sinnen gedacht"
Dr. Friedegund Weidemann, Nationalgalerie (Berlin)

17.01.07 | 19.00 Uhr
Vortrag: "Purrmann und die deutsche Matisse-Schule"
Dr. Hanna Strzoda, Kunsthistorikerin (Berlin)

07.02.07 | 19.00 Uhr
Vortrag: "Mathilde Vollmoeller - Die starke Frau an der Seite von Hans Purrmann"
Maria Leitmeyer M. A., Kunsthistorikerin (Speyer)
Dr. Adolf Leisen, Leiter des Purrmann-Hauses (Speyer)

28.02.07 | 18.00 Uhr
Kuratorenführung: "Bilder wie edle Steine leuchtend"
Dr. Friedegund Weidemann, Nationalgalerie (Berlin)

07.03.07 | 19.00 Uhr
Vortrag: "Hans Purrmann in der Villa Romana 1935-1943"
Dr. Felix Billeter, Kunsthistoriker (München)

04.04.07 | 19.00 Uhr
Vortrag: "Innen und Außen - Hans Purrmanns Atelierblicke"
Janina Dahlmanns M.A., Kunsthistorikerin (Berlin)


Begleitprogramm für Kinder und Jugendliche

Werkstatt für Kreative | täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr

Kinder und Jugendliche können der Kunst in ihren verschiedenen Epochen und Ausdrucksformen - wie Malerei, Grafik oder Fotografie - begegnen. Unterschiedliche Materialien laden ein, das eigene künstlerische Talent auszuprobieren. Das Material wird kostenfrei zur Verfügung gestellt.


Workshop | Mi. um 15.00, 16.00 und 17.00 Uhr und nach Voranmeldung
"Die Farbe Rot - Malen im Atelier großer Meister"

Die Welt ist voller Farben und alle haben eine besondere Wirkung. Die Farbe Rot hat eine mächtige, unwiderstehliche Strahlkraft. Sie symbolisiert Vitalität, Liebe und Wärme, steht aber auch für Eigenschaften wie Zorn, Kraft, Macht und Stärke. Die Malerei kennt viele verschiedene Nuancen - von leuchtendem Purpur bis Karminrot über Rosa bis Pfirsich - sie finden sich in vielen Bildmotiven wieder und sollen zur Inspiration anregen. Die Teilnehmer werden mit verschiedenen Maltechniken und den Licht- und Schattenwirkungen vertraut gemacht, die sie anschließend ausprobieren können.


Malwettbewerb

Ob südlicher Sonnenuntergang oder ein herbstlicher Wald mit rot-gold gefärbten Blättern, rötlich flackerndes Feuer im Kamin oder ein Stillleben mit roten Rosen, Erdbeeren oder Kirschen: Die interessantesten Arbeiten zum Thema "Die Farbe Rot" werden prämiert. Die ausführlichen Teilnahmebedingungen sind im Kunstforum und im Internet veröffentlicht.


Kinder- und Jugendführungen


Das Kunstforum bietet für Schulklassen sowie Kinder- und Jugendgruppen individuelle Führungen an, z.B. im Rahmen des Unterrichts oder von Projekttagen. Sie können mit dem Workshop kombiniert werden. Nach Voranmeldung.


Kunstforum der Berliner Volksbank
Budapester Straße 35
10787 Berlin
Tel: 0 30 / 30 63 17 44
Fax: 0 30 / 30 63 15 20
email: kunstforum@berliner-volksbank.de




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Hans Purrmann
Hans Purrmann: "Blick auf Collioure", 1911, Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Süddeutschland