Daniel Odermatt
 
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Am Anfang war die Fotografie. Mit Bekannten und Freunden erarbeitete Daniel Odermatt eine Inszenierung. Es sind keine Porträts, die er sucht. Die Modelle spielen eine Rolle und verkörpern einen Gefühlsmoment. Nicht fotografisch genau, aber sehr realistisch setzt er in Zeichnungen mit Buntstift, Graphit und Pastellkreide und in den großen Gemälden mit Acrylfarbe die Vorlage um.

Die Figuren blicken den Betrachter nicht an - können oder wollen ihm nicht in die Augen sehen oder verstecken sich hinter großen Sonnenbrillen. Eine weitere Distanz schafft der künstliche unwirkliche Raum. Eingebettet in strenge klar geometrische Farbflächen, wirken die Figuren entrückt, unwirklich, in surreale Räume gepackt. Manchmal sogar ausgeliefert wie in der Arbeit mit dem Titel "ist noch Platz", in der die rotgelockte, nachdenkliche junge Frau an den Seiten mit breiten Balken begrenzt in einem Rahmen gehalten wird. Zwischen den naturalistischen Darstellungen und den glatten Farbflächen passiert ein Stilwechsel, der den Blick auf die Situation der Figur schärft.

In den früheren Arbeiten sind die Figuren heller, popartig abstrahiert. In den aktuellen Werken setzen sich Farbflächen klar gegeneinander ab. Titel wie "hier und da", "Entfernung", "Abwesenheit", "Nachwirkung", oder "zu spät" unterstreichen den Charakter der Situation, vermeiden aber bewusst eindeutige Erklärungen und lassen Raum für Emotionen.

© Beate Steigner-Kukatzki im März 2012



Daniel Odermatt inszeniert seine Bilder zuvor fotografisch bis ins Detail, dabei gibt es unterschiedliche Reihen, die sich zum Beispiel die Isolation oder Außenseiterstellung von Menschen vornimmt. Bei der anschließenden malerischen Umsetzung entsteht durch die frei gesetzten Farbflächen um die dargestellten Figuren ein distanzierter Farbraum, der von räumlich bis nahezu schwerelos entrückt ausschlagen kann. Der absolute Realismus seiner Figuren ist bei näherer Betrachtung eine fein abgestimmte Illusion, die sich gewisse Freiheiten in der malerischen Darstellung einräumt.

© Prof. Tina Stolt im September 2011