...Angesichts der frühen Zeichnungen erscheint Engels bildhauerisches, in Keramik realisiertes Werk vor allem mit Geduld und Konsequenz entwickelt. Das gilt nicht nur für die Technik, den so sensiblen wie experimentierfreudigen Umgang mit dem Material, sondern mehr noch für den inneren Zusammenhalt seiner zunächst klassisch figürlichen, seit mehr als zehn Jahren tendenziell abstrahierenden Formensprache. Scheint doch in Blättern wie "Legatur" oder "Bootskörper" von 1989 zeichnerisch deutlich angelegt, was 15 oder 20 Jahre später plastische Form wird.
Der "virtuelle Mensch" erscheint hier zwar in der Tat behindert. Aber weniger geistig als ganz konkret: In Engels Plastiken erweisen sich architektonische Gehäuse als solche der Isolation und Vereinzelung des Individuums. Und als Raum gewordenes Prokrustesbett.
(Christoph Schütte, FAZ 03.03.11)

Sie sehen, diese Plastiken leben nicht nur aus ihrem packend ästhetischen Vorhanden-Sein. Sie sind zu einem Teil "formgewordene Fragestellungen". Doch sind die Menschen in diesen Architekturen eigentlich lebensfähig, überlebensfähig? Können sie als längst schon total überreizte Wesen im eigentlichen Sinn noch existieren? Oder reflektiert dieser Künstler - wie in einem Gespräch angedeutet - diese Entwürfe als Behausungen für ein problemloses "Cocooning" - jene neue Form der "Heim-ins-Heim"-Bewegung, in der sich jeder seine eigene, vollfunktionierende Welt zu Haus installiert, um den unliebsamen Verhältnissen draußen zu entgehen? Somit würde das abgeriegelte Haus, die Bunkerwohnanlage tatsächlich zu einer Festung für bereits Teil-Degenerierte... Eine fortschreitende Globalisierung vereinigter Verstümmelung, wie Paul Virilio es einmal formuliert hat. Oder ist es vielleicht doch die Ankündigung eines kommenden Paradieses? Wie auch immer man es interpretieren mag. Stefan Engel lässt die Dialektik des "Innen und Außen" psychologisch, philosophisch als bedeutungskonstituierendes Moment erhellend in seinen Plastiken wirksam werden.

Engel findet so zu einer unideologisch-offenen, kritischen Welt-Deutung.
(Dr. Matthias Brück)