F├Ârdergemeinschaft Herrenhof Mu├čbach / Herrenhof Mu├čbach
 
"Freiheit - Gleichheit - Einheit: Visionen und Verwirklichung"
Ausstellung im Rahmen der Veranstaltungen zum 175. Jahrestag des Hambacher Festes
01.05.07 bis 20.05.07

Das Hambacher Fest erwuchs aus der Oppositionsbewegung gegen die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Deutschland. Am 27.05.1832 zogen 20.000 Patrioten vom Neustadter Marktplatz aus zum Schlossberg. Hauptredner waren Johann Georg August Wirth und Philipp Jakob Siebenpfeiffer. Die zentralen Forderungen waren die bürgerliche Freiheit (wie Presse-, Rede- und Versammlungsfreiheit), die rechtliche Gleichheit aller Staatsbürger (auch die des "Dritten" Standes und die Gleichberechtigung von Mann und Frau), die nationale Einheit (der Wunsch war ein geeintes und starkes Deutschland, statt 39 souveräner Einzelstaaten) und die Neugestaltung Europas (Deutschland sollte Teil eines konföderierten republikanischen Europas sein). Die während des Hambacher Festes mitgeführten Farben Schwarz-Rot-Gold wurden später die Nationalfarben Deutschlands.

Philipp Jakob Siebenpfeiffer schloss seine Eröffnungsrede mit den folgenden Worten:
"Es lebe das freie, das einige Deutschland! Hoch leben die Polen, der Deutschen Verbündete! Hoch leben die Franken (Franzosen), der Deutschen Brüder, die unsere Nationalität und unsere Selbständigkeit achten! Hoch lebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund der Freiheit schwört! Vaterland - Volkshoheit - Völkerbund hoch!"
Die Reaktion der Regierenden waren Verbote, Verstärkung der Pressezensur und Abdrängung der Opposition ins Ausland und in die Illegalität. Die republikanische Bewegung wurde zum Erliegen gebracht. Aber: Das Hambacher Fest gilt als erster Höhepunkt frühliberaler bürgerlicher Opposition mit den Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Einheit in Deutschland.


Text von Gustav-Adolf Bähr, Vorsitzender der Fördergemeinschaft Herrenhof:

Zum Jubiläum eine Träne …

Die politische Situation um Hambach 1832 war eine andere. Die Proklamation der individuellen Freiheit, der Gleichheit der Gleichgesinnten, die Forderung der Einheit der Getrennten, der Protest gegen absolutistische Machtausübung waren bereits als frohe Botschaften der französischen Revolution in den Südwesten Europas geweht. Die gewagten Versuche einer Demokratischen Bewegung hatten die Träume der Menschen auf das Ende eines unwürdigen Untertanendaseins von Absolutismus und Totalitarismus teilweise erfüllt. Wir müssen wieder neue Hoffnung in das Morgen wagen! Denn...

Wir sind in höchster Gefahr, die Freiheit der Person an eine Parteiendemokratie zu verlieren. Es drohen Weltmächte mit der Vernichtung der Freiheit unbequemer Staaten. Ein menschheitliches Vertrauen, das die Staaten und Völker friedlich miteinander sprechen lässt, ist unterentwickelt. Gewalt geht von der Wirtschaft aus. Die Weltökonomie stellt Gleichheit, Brüderlichkeit und Solidarität unter das Diktat der Geldvermehrung und des Reichtums. Die teils geglückten Versuche, den Glauben an einen Gott aller Menschen zu zerstören, haben es erleichtert, Menschen und Schöpfung zu vernichten. Das tragende Innere der Freiheit ist geschwächt. Die Weltreligionen tun sich schwer zusammenzukommen und in Wahrheit von Gott zu reden! Ein das Leben verachtender Fundamentalismus macht Terror. Unsere demokratische Machtausübung lässt Mehrheiten ohne Vertrauen, ohne Geborgenheit und ohne Zuversicht. Viele fühlen sich betrogen. Sie sind verunsichert und zerrüttet. Sie spüren ihre Freiheit nicht, sie schweigen. Die durch Bürokratie gelenkte Allmacht staatlicher Gewalten hat zunehmend die Demokratie unterlaufen. Der Staatsbürger nimmt nur mehr das Gezänke und das Lügen um den Machterhalt zählbarer Mehrheiten wahr.

Diese Art erlebter Demokratie macht aus freien Bürgern feige Mitläufer oder schimpfende Zaungäste. Die Wahrheit muss die berechnende Lüge aus dem politischen Geschehen vertreiben. Freiheit ist mehr als die Demokratie gibt. Sie befähigt, moralische Entscheidungen zu fällen, die über eigene und Gruppeninteressen siegen. Gleichheit, Solidarität, Einigkeit, Gerechtigkeit und Freiheit sind die Evangelien einer Ethik, die allein ein würdiges Leben in der Geborgenheit der Menschenrechte sichert. Dieses Ethos neu mit Leben zu erfüllen wäre ein verheißungsvoller Aufbruch in das Morgen. Hambach 1832 war und ist noch heute eine Hoffnung auf Zukunft, ein Grund zu feiern und für mich Anlass, eine Träne zu vergießen.





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