Bezirksverband Pfalz / Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk)
 
Ben Morieso
"Friendly Fire - paradoxe Verhältnisse"
16.01.04 bis 14.03.04


Pfalzgalerie Kaiserslautern: "Friendly Fire - paradoxe Verhältnisse"


Ausstellung vom 16.01.04 bis 14.03.04

mit Arbeiten von Stefan Demary (Deutschland), Max Grüter und Roman Signer (Schweiz), Euan Macdonald (Großbritannien/USA) und Ben Morieson (Australien).

Eröffnung:
Freitag, 16.01.04, um 19.00 Uhr
Joachim Stöckle (Bezirkstagsvorsitzender) u.
Dr. Britta E. Buhlmann (Pfalzgalerie-Direktorin)

Während der Eröffnung findet ein Programm für Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren unter pädagogischer Leitung von Trude E. Deubig und Sylvia Fuchs statt.


In Videos, Zeichnungen und Installationen umkreisen die Künstler Themen wie (Selbst-)Zerstörung, Absurdität, Grenzüberschreitung und Paradoxie. Friendly Fire, ein Begriff aus der Sprache des Militärs, meint die versehentliche Unterbeschussnahme von Truppenteilen durch eigene Einheiten. Der Begriff, wie auch der des "Kollateralschadens", ist beschönigend und zynisch zugleich. Er taugt in hervorragender Weise dazu, gewisse, kaum mehr verständliche, paradoxe Verhältnisse unter einem Schlagwort zusammenzufassen. Es geht um die Entwicklung hin zu einer technischen Perfektion, die, neben den Möglichkeiten ihres Erfolges auch diejenigen zum vollständigen Desaster enthält. Es geht um Paradoxien, Absurditäten, in die wir uns verstricken im Bemühen, alles richtig und perfekt zu gestalten und zu organisieren. Es geht um den Aufwand, mit dem wir Null-Ergebnisse produzieren, um das Prinzip der Verschwendung und Verausgabung. Es geht um grauenhafte Fehlentwicklungen, die wir nie mitbedacht haben, als wir das Gute planten. Es geht um eine gewisse Palette der Paradoxien, Fehlleistungen und Verbohrtheiten, um ein Gelächter angesichts des Absurden und um ein erschrecktes, vom Grauen verursachtes Verstummen.

Stefan Demarys Installation mit 73 Radiorecordern, die alle sehr laut denselben Sender spielen, nimmt Bezug auf Probleme der Universalisierung/Hegemonialisierung von Informationssystemen und der durch sie transportierten Inhalte. Sein eigens für die Ausstellung produziertes Video aus dem Jahr 2002 zeigt anhand des banalen Vorgangs der Reinigung eines Aquarellfarbenkastens, wie ein zum Extrem getriebener Perfektionismus unbrauchbar macht, was er doch nur in einen makellosen Zustand hatte versetzen wollen.

Max Grüters Maschine, die alleine dazu dient, Lieblingsgegenstände der Besucher gegen eine Wand zu schleudern, um ihre Materialfestigkeit zu testen, ist die offene Aufforderung, das zu zerstören, was einem am liebsten ist. Von Euan Macdonald werden zwei Videos und Zeichnungen zu sehen sein.
Flugzeugzeichnungen fordern, wie die digital manipulierte Aufnahme eines Flugzeugs, durch die Anthropomorphisierung des Gegenstandes eine Empathie heraus. In seinem Video "Brakestand" zeigt Macdonald ein Auto, dessen Fahrer bei angezogenen Bremsen Vollgas gibt, bis sich die Reifen in Qualm und durchdringendem Lärm von den Felgen lösen. Durch gleichzeitige Ausnutzung zweier Möglichkeiten, die ihm die Technik bietet, und höchsten Energieaufwand, produziert Macdonald ein Null-Ergebnis.

Ähnlich verhält es sich bei dem Video "Burnout" von Ben Morieson, das eine Performance mit sechs Autos in den Docklands von Melbourne dokumentiert. Die visuelle und akustische Effizienz, mit der die Wagen durch Reifenspuren eine Zeichnung auf dem Asphalt hinterlassen, kontrastiert mit der offenkundigen Sinnlosigkeit und Absurdität des Ereignisses. Von Roman Signer sind drei Videos zu sehen: "Vier Stühle", "Schweben in einer Kiste" und "Zelt". "Vier Stühle" und das Video "Zelt", das eigens für die Ausstellung produziert wurde, dokumentieren zwei Sprengungen, die eine scheinbar idyllische und friedliche Situation urplötzlich in eine Szenerie des Desasters verwandeln. "Schweben in einer Kiste" zeigt einen von außen gefilmten und gesteuerten Modellhubschrauber, der in einer Holzkiste gestartet wird und, nachdem die Rotoren versehentlich die Wand berühren, außer Kontrolle gerät, lärmend und qualmend sich selbst zerstört, bis der Treibstoff zu Ende ist. Auch hier findet, wie bei Macdonald, eine Analogisierung von Maschine und Kreatur statt. Unfreiwillig wird der Betrachter zum Zeugen eines qualvollen Todeskampfes als Resultat einer von vornherein absurden Ausgangskonstellation.

Öffnungszeiten:
Mi. bis So. von 10.00 bis 17.00 Uhr
Di. von 11.00 bis 20.00 Uhr

Es erscheint ein 82-seitiger, durchweg farbig bebildeter Katalog mit Texten von Britta E. Buhlmann und Leonhard Emmerling zum Preis von rund 23,00 €.



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