Landkreis S├╝dwestpfalz / Kreisgalerie Dahn
 
Artur Bozem
25.04.04 bis 23.05.04

Mit 17 Jahren erhielt Artur Bozem, dessen Werke zur Zeit in der Kreisgalerie zu sehen sind, für die dem Zeitgeist entsprechende Zeichnung "Industrie zerstört die Natur" seine erste Auszeichnung – im vergangenen Jahr wurde er mit dem Kaiser-Lothar-Preis der Stadt Prüm ausgezeichnet. Dieser Preis wird seit 1957 an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr künstlerisches und kulturelles Schaffen den Europäischen Gedanken gefördert haben. Zwischen beiden Auszeichnungen liegen 30 Jahre. 30 Jahre, in denen der Preisträger Bozem seine künstlerischen Fähigkeiten immer wieder aufs Neue auslotete, in denen er mit Stilen, Farben, Formen und Materialien experimentierte. 30 Jahre, in denen er im In- und Ausland ausstellte und in denen er für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet wurde. Er sei ein Arbeiter im steinigen Weinberg der Kunst, immer bereit sich Neuem zu öffnen und Überraschungen zu präsentieren, sagt der Leiter des Andernacher Stadtmuseums, Klaus Schäfer, über ihn.

Bozem gehört zur Folgegeneration jener informeller Maler, deren bedeutendster Vertreter wohl Emil Schumacher ist, die im kunstleeren Raum des Nachkriegsdeutschland eine neue Malerei schufen. So löst Bozem sich in seiner Malerei von allen gegenständlichen Bindungen, reduziert die Welt auf wenige Linien und Farben, womit er am Ende eine grenzenlose Freiheit erreicht. Auch wenn der Einfluss Schuhmachers auf den Duktus der Bozemchen Arbeitsweise unbestreitbar ist, hat der 1952 in Neuwied geborenen Künstler längst zu seinem eigenen Stil und seiner eigenen Bildersprache gefunden. Bozems Bilderwelten sind ungestüme Anklagen an eine Gesellschaft, die es in den letzten 50 Jahren nicht geschafft hat, diese Welt humaner, gerechter und friedlicher zu machen. Seine Bilder sind Ist-Zustände, voller Symbolik, die den antiquierten und rückständigen Denkmustern versuchen begreiflich zu machen, das nur eine Gesellschaft, die der Kunst ihren Tribut leistet, nicht auf tönernen Füßen steht.

Bozem ist ein würdiger Nachfahre jener Maler der deutschen Informel, die 1958, ein Jahr nach dem der Kaiser-Lothar-Preis ins Leben gerufen war, erklärten: "Kunst hat mit Wahrheit nichts zu tun. Wer objektiv sein will, ist einseitig, wer einseitig ist, ist pedantisch und langweilig." Der Werbedesigner und Graphiker Bozem ist Gründungsmitglied der 1974 ins Leben gerufenen "Künstlergruppe Pellenz", die zu einem Sammelbecken der bildenden Künstler am Mittelrhein wurde. Bis heute ist er dieser Vereinigung treu geblieben. Inzwischen ist er auch Mitglied im "Zweibrücker Kunstverein", der "Fördergemeinschaft Herrenhof Mussbach e.V." in Neustadt an der Weinstraße, des "Künstlerbundes Rheinland" und schließlich in der "Europäischen Vereinigung Bildender Künstler". Großen Einfluss auf seine Arbeit hatte 1980 eine erste Konfrontation mit der Archäologie. Gemeinsam mit seinem Weggefährten Fred Schäfer-Schällhammer ist Bozem bei der Freilegung eines großen fränkischen Gräberfeldes in Saffig, Kreis Mayen-Koblenz mit dabei. Heute lebt Bozem in Rosenkopf im Landkreis Südwestpfalz.





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