Bezirksverband Pfalz / Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk)
 
Erwin Wortelkamp: "Primavèra, Estate, Autumno"
Malerei
12.02.05 bis 10.04.05

Erwin Wortelkamp zählt zu den bedeutenden zeitgenössischen Bildhauern. Seine Arbeiten mit Leinöl, Terpentin und Pigmenten auf Papier sind weniger bekannt. Das Museum Pfalzgalerie zeigt nun aus dem umfangreichen malerischen Œuvre des Künstlers eine Auswahl von ca. 100 teilweise großformatigen Blättern, von denen die meisten erstmals in einer Ausstellung präsentiert werden.

Alle vorgestellten Werkgruppen sind in den letzten fünf Jahren während regelmäßiger Aufenthalte im Frühling, Sommer und Herbst in Acquaviva Picena, einem Bergdorf in den Marken über dem Adriatischen Meer, entstanden. Ein zum großen Teil auf geometrische Grundformen reduziertes Formenrepertoire sowie eine intensive Farbigkeit und Leuchtkraft der Blätter fallen auf. Sie reflektieren die von der mediterranen Landschaft ausgelöste Faszination des Künstlers. Beeindruckend ist die facettenreiche Wirkung, die Wortelkamp im Umgang mit der Farbe erzielt. Er trägt sie nie mit dem Pinsel auf, sondern vermag sie geschüttet, gewalzt und zerrieben als zarte Lasur, schwere Masse oder körniges Pigment in ihrer Materialität zu betonen.

In der Ausstellung werden die Papierarbeiten im Innen- und Außenbereich des Museums ergänzt durch mehrere, zum Teil monumentale Skulpturen, die in den Jahren 1986 bis 2004 entstanden sind. Mit Motorsäge und Axt in Hasselbach im Westerwald bearbeitete Holzskulpturen und in Bronze gegossene Werke schaffen zu den Papierarbeiten markante Kontraste, lassen aber gleichwohl enge Verbindungen erkennen. Unter diesen Werken befindet sich auch die 1986 aus Eichenholz gearbeitete, weiß gekalkte "Skulptur XXVI" aus museumseigenem Bestand. Wortelkamp nutzt das Projekt, um sich auch mit Arbeiten anderer Künstler aus der Sammlung der Pfalzgalerie auseinanderzusetzen; so u.a. mit einzelnen Exponaten von Franz Bernhard, Wilhelm Lehmbruck und Hans Steinbrenner, aber auch mit der Architektur des Museums.

1938 in Hamm/Sieg geboren, studierte Erwin Wortelkamp von 1960 bis 1965 Bildhauerei und Kunstpädagogik an der Akademie der Bildenden Künste in München. Anschließend lebte er sechs Jahre lang in der Pfalz, arbeitete als Kunsterzieher am Albert-Einstein-Gymnasium in Frankenthal und leitete die Informationsgalerie "atelier nw 8": 1969 bis 1972 in Beindersheim und 1972 bis 1973 in Frankenthal.

Zwei bedeutende Einschnitte nahmen starken Einfluss auf das künstlerische Schaffen Wortelkamps: 1975 sein Umzug nach Hasselbach im Westerwald und 1986, als er den italienischen Ort Acquaviva Picena für sich entdeckte. In Hasselbach entstanden und entstehen die meisten seiner Skulpturen und hier realisierte er auch, in der Absicht Plastiken anderer Künstler zur Landschaft in Beziehung zu setzen, das Kunstprojekt "im TAL". In Acquaviva Picena hat er eine zweite Wohn- und Arbeitsstätte gefunden, an der er seine farbintensiven Papierarbeiten herstellt. 1995 wurde der Künstler für sein umfassendes bildhauerisches Werk mit dem Staatspreis des Landes Rheinland-Pfalz und im Jahre 2003 mit dem Sparda-Bank-Preis für Kunst im öffentlichen Raum ausgezeichnet.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Vorwort von Britta E. Buhlmann sowie Texten von Annette Reich und Justus Jonas, Umfang 144 Seiten, ca. 99 Farb- und 21 Schwarz-Weiß-
abbildungen, Preis 18 EUR.

Die Volksbank Kaiserslautern, die zu den Förderern des Museums gehört, hat die Katalogproduktion finanziell unterstützt. Parallel zur Ausstellung zeigt die Volksbank vom 14.02.05 bis 09.03.05 Papierarbeiten und Skulpturen zum Thema "Hände" von Erwin Wortelkamp.



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Erwin Wortelkamp
Erwin Wortelkamp: "Acquaviva" (2001), Pigment, Leinöl, Terpentin auf Papier, 100 x 70 cm
Erwin Wortelkamp
Erwin Wortelkamp: "Acquaviva" (2004) Pigment, Leinöl, Terpentin auf Papier, 86 x 61 cm