F├Ârdergemeinschaft Herrenhof Mu├čbach / Herrenhof Mu├čbach
 
Hermann Juncker: "Visionen"
01.04.08 bis 27.04.08

Hermann Juncker

1929
- geb. in Ludwigshafen am Rhein

1950-1954
- Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe bei den Professoren Otto Laible und
Erich Heckel

1955-1987
- Kunsterzieher am Christian von Mannlich-Gymnasium in Homburg-Saar


Auszeichnungen:

1966
- Pfalzpreis für Malerei

1981
- Kahnweiler-Preis für Malerei der Stadt Rockenhausen


Mitgliedschaften:

- Saarländischer Künstlerbund
- BBK Saar
- Pfälzische Sezession
- apk Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler

Ausstellungen in Bundesländern und europäischen Ländern sowie außereuropäischen Ländern.

Besprechung von Gabriele Weingartner, Die Rheinpfalz vom 09.04.08

Einblicke in eine einmalige Epoche

Bildende Künstler sind beneidenswert: Wenn sie wollen, können sie ihr Lebenswerk sichtbar machen. Die Ausstellung "Visionen" im Mußbacher Herrenhof mit Arbeiten von Hermann Theophil Junckers spiegelt sogar eine ganze Epoche wider, so wie sie das Schaffen des 1929 in Ludwigshafen geborenen Pfalzpreisträgers dokumentiert hat.

Der Werdegang des annähernd Achtzigjährigen, seine Wandlungen und Ausdrucksweisen jedenfalls zeigen nicht zuletzt den Verlauf eines Kunstschaffens, wie es im 20. Jahrhundert typisch war: Man begann gegenständlich, wurde gestreift von Surrealismus und Tachismus, ließ erkennbar die internationale Moderne "an sich heran", probierte Kubistisches, war offen für unkonventionelle Malweisen, die sich nicht zuletzt in die Nähe des amerikanischen abstrakten Expressionismus bewegten. Nach dem zweiten Weltkrieg zumal, als die deutschen Künstler sich rigoros von allem Figurativen entfernten, weil sie einen möglichst großen Abstand zwischen sich und die NS- Malerei legen wollten, vor allem ja wirklich Nachholbedarf hatten an allem, was sich in der Zeit der Abschließung anderswo auf der Welt künstlerisch ereignet hatte, wollte man von der Gestik und der Vehemenz nicht so schnell lassen. Schon weil man sie als Freiheit begriff.

Hermann Th. Juncker ist ein schönes Beispiel für diesen Weg. Nach dem Studium an der Karlsruher Kunstakademie (bei Otto Laible und Erich Heckel) blieb er zwar lange Jahre Kunsterzieher am Christian-Mannlich-Gymnasium im saarländischen Homburg, zugleich aber ließ er doch auch nicht nach, sich auf vielfältige Weise ins südwestdeutsche Kunstgeschehen einzumischen. Er war Grafiker, fertigte Ex Libri und Medaillen, er gestaltete die Glasfenster der Protestantischen Kirche Homburg, präsentierte sein Schaffen in zahllosen Gruppen- und Einzelausstellungen, war (und ist) Mitglied diverser Künstlervereinigungen, darunter der Pfälzischen Sezession und der Vereinigung Pfälzer Kunstfreunde. 1981 erhielt Juncker den Kahnweilerpreis der Stadt Rockenhausen, der ebenso wie die Konzeption der Herrenhof-Schau ein bezeichnendes Licht auf sein Gesamtwerk wirft.

Denn in der Tat blieb der Künstler in all seinen Techniken vorwiegend dem ungegenständlich Informellen verpflichtet und gestattete sich nur teilweise - in seinen Süd-Frankreich-Skizzen, seinen zahllosen, sehr beliebten Ex Libri und Neujahrskarten - Ausflüge in die äußerlich dingfest gewordene Welt. So triumphiert auf seinen Großformaten in Öl die Farbe und deren entschlossen sinnlich gemachte Existenz: Auf Bildern aus den 1970ern (etwa "Hommage à Poe") genauso wie auf den beiden fulminanten Großformaten "La Parure" und "Rouge et Noir", die erst im 21. Jahrhundert entstanden. Aber auch auf zahllosen, ungemein sensibel ausgeführten Aquarellen - sämtlich aus den letzten beiden Jahren stammend - zeigt Juncker seine Verliebtheit in die Farbe und gestaltete deren so unterschiedliche Ausprägungen so gezielt dem Zufall nachhelfend wie koloristisch gewieft.

Als reine, sanfte Zärtlichkeit hat sich Junckers Farben-Liebe freilich nicht immer ausgedrückt. Sein grafischer Impetus, sein gewissermaßen immer "spitz bleibender Stift" zeigte und zeigt sich in all seinen Techniken: ob Aquarell, Radierung oder Tuscheskizze. Nicht selten ragen Stacheln und Spitzen aus feinen, fast kalligrafisch anmutenden Lineaturen hervor, wie Eisenspäne, von einem außerhalb des Bildes wirksamen Magneten angezogen, oder auch wie Dornenkronen, die Juncker der kruden Gegenwart geflochten hat. Selbst unaufhörliche Zellteilungen könnten es sein, die sich auf den Bildern vollziehen, als Beispiel dafür mag die Radierung "Status nascendi" (2006) stehen.

Reizung jedenfalls und nicht Beruhigung scheint der in hohem Alter noch so produktive Künstler bei den Betrachtern seiner Bilder anzustreben. Dass er selbst nicht selten von den Großen der Weltliteratur angeregt wurde, belegt er nicht zuletzt mit den Titeln einiger seiner Arbeiten: Stendhal, Poe, Melville, Baudelaire, Zuckmayer tauchen da auf. Allein dem Rilke-Gedicht "Oh Rose, reiner Widerspruch" hat Juncker zwei große Arbeiten gewidmet.





[zur├╝ck]
Hermann Juncker
Hermann Juncker: "Spuren unserer Apokalypse" (1998) ├ľl auf Leinwand, 2-teilig, 160 x 120 cm