Bezirksverband Pfalz / Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk)
 
Katharina Moessinger
04.12.09 bis 24.01.10

Mit den artifiziellen Tieren der Berliner Künstlerin Katharina Moessinger eröffnet das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern am Freitag, 04.12.09, die fünfteilige Ausstellungsreihe "Reality Looks Back On Me". Bei dem Projekt geht es um jüngere Positionen skulpturaler und installativer Arbeiten.

Die KünstlerInnen sind zwischen 35 und 45 Jahren alt und arbeiten in Berlin. Obgleich sie sich mit unterschiedlichen Themen beschäftigen, eint sie, dass sie sich in ihrer jeweiligen Thematik mit Feedback-Phänomenen befassen. Feedback bedeutet zunächst eine Reaktion auf Aktionen. Ein gutes Feedback bestärkt und ermutigt; es ist eine Rückmeldung, die zeigt, wie andere Menschen Handlungen wahrnehmen. Es gibt allerdings auch unerwünschte Feedback-Reaktionen, beispielsweise wenn ein Mikrophon zu nah an einen Lautsprecher gehalten wird und dadurch ein Rückkopplungseffekt entsteht, der sich meist mit einem durchdringenden, schrillen Ton bemerkbar macht. Die beteiligten KünstlerInnen präsentieren bekannte Alltagsobjekte oder Alltagssituationen so, dass eine Schwelle oder ein Zwischenraum zwischen Objekt und seiner Funktion, zwischen Situation und der gewohnten Verhaltensweise, ihr zu begegnen, entsteht, die das Gegebene in Hinblick auf Mögliches zu öffnen vermag.

Katharina Moessingers Tiere sind meist überlebensgroße "Kuscheltiere". Kuscheltiere bringt auch die Industrie alljährlich besonders zu Weihnachten in großen Mengen in die Geschäfte; allerdings sind Moessingers "Kuscheltiere" aus echten Häuten und Fellen gefertigt. Durch das Schnittmuster, nach dem sie genäht sind, haben sie keine Ähnlichkeit mehr mit Tierpräparaten. Man ist mit dem seltsamen Umstand konfrontiert, einerseits die proportionalen Verzerrungen, Verniedlichungen und unnatürlichen Körperhaltungen wahrzunehmen, zum anderen aber Tierhaut und Fell vorzufinden. Hierdurch entsteht ein seltsamer Zwischenraum in der Wahrnehmung: Sind es Tierdarstellungen oder industriell hergestellte Kuschelobjekte? Moessinger kommt damit den "Funktionsweisen", die wir gewöhnlich mit dem Tier verbinden, nahe. Kein Tier ist einfach nur "Tier": Immer steht es schon in Beziehung zu den Menschen, es ist Nutztier, Nahrungslieferant, Kuscheltier, es vereint exotische Phantasien oder befriedigt Bedürfnisse nach Nähe, Wärme und Zärtlichkeit oder im Gegenteil nach Abenteuer und Wildheit.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es eine große Herausforderung in Kunst und Literatur, "Tier zu werden" (Franz Marc, Franz Kafka). Und auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts arbeiteten zahlreiche Künstler mit unseren Vorstellungen von Tieren. Unser Umgang mit Nähe und Distanz und - wichtiger noch - auch der mit Leben und Tod wird in den Installationen thematisiert. Ein zuckender Fisch liegt auf einer Marmorplatte. Neben dem Fisch liegt ein Holzknüppel. Darf man einschreiten? Darf oder muss man ihn erschlagen?





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Katharina Moessinger
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