Landkreis S├╝dwestpfalz / Kreisgalerie Dahn
 
Klaus Kadel
24.04.05 bis 22.05.05

Die Fingerabdrücke

Die Fingerabdrücke bilden den konzeptionellen Ansatz der Bilderserie "Die sich berührten" und stammen von Personen, die sich sehr nahe gekommen sind. Ausgehend vom Künstler, dessen Abdruck ebenfalls auf jedem Bild zu finden ist, finden sich auf den Bildern noch Abdrücke von Freundinnen, Ex-Freundinnen, deren neue Freunde, deren frühere Freunde sowie nächste Verwandte (Vater, Mutter, Geschwister) des Künstlers und deren Freundinnen / Ex-Freundinnen usw.

Die Arbeiten "Die sich berührten" und "Die sich begegneten" korrespondieren miteinander. Für "Die sich berührten" sammelte der Künstler auf dem in einer Art Lasurtechnik hergestellten Ölgemälde Fingerabdrücke von Personen, die sich auf verschiedene Art näher gekommen waren.

Bei der Arbeit "Die sich begegneten" handelt es sich um eine Arbeit auf Papier, das mit den Abdrücken von Grasschnitt einer bestimmten Wiese versehen wurde, anschließend steuerten Personen, die irgendwann über diese Wiese gegangen waren, mittels Grassaft ihre Fußabdrücke bei, die mit Linien und Formen in Aquarell- und Temperatechnik verbunden / getrennt wurden. Die Instabilität der Farbe der Fußabdrücke – nach wenigen Monaten verändert sich die Farbe in ein Braun und nach Jahren wird sie wahrscheinlich verblassen – ist absichtlich: Die Spuren, die jeder auf der Wiese hinterlassen hat, verwischen mit der Zeit. Die Stabilität der hochwertigen Pigmente des Ölgemäldes ist ebenso absichtlich und konzeptuell gewollt: Die Spuren, die durch die Berührungen erzeugt werden, verblassen nie.


In einer früheren Serie "GTP-xx" wurden Fingerabdrücke von grundsätzlich verschiedenen Personen gesammelt, deren Zusammentreffen auf dem Papier einzig durch die Bekanntschaft mit dem Künstler verbunden war. Die Abdrücke stammen aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen (vom Sozialhilfeempfänger bis zum Geschäftsführer), Altersklassen (7 bis 70 Jahre), Herkunft (aus vier Kontinenten) und Religionen (Moslems, Christen, Atheisten). Der Zufall dieses Treffens steht für chaotische Zusammenhänge, die überall zu finden sind und einander ähneln.

In einer neuen Serie "ÖB-xx" durchziehen Labyrinthen ähnelnde Linien die Bildfläche. Linienfragmente durchbrechen scheinbar das Liniengeflecht, bestehend aus einer einzigen Linie, die ein Labyrinth bildend, ein Labyrinth öffnend, sich über die Bildfläche und den Bildrand hinaus windet, ausbreitet, Raum und Form schaffend, Raum und Form verbindend. Verwobenes, Verbundenes – alles ist mit allem verbunden, nur scheinbar getrennt. Die Verbindung nicht erkennbar.

 

Kurzvita:

Geboren 25. April 1968 in Rodalben, aufgewachsen in Pirmasens.

Nach Ausbildung als Chemielaborant und Typograf seit 1991 freier Künstler mit
eigenem Atelier.

1987 Mitbegründer der Pirmasenser Künstlerinitiative Kunstprozesse, bis 1989 Vorstandsmitglied, seit 2000 Vorsitzender der Kunstprozesse.

Einzel- und Gruppenausstellungen in Dahn, Saarbrücken, Künzelsau und vielfach in Pirmasens (u.a. bei der rheinland-pfälzischen Kunstmesse) seit 1991.

Beteiligung an mehreren Kunstprojekten.

Tätig in den Bereichen Malerei, Objektkunst, Performance und Installation.





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Klaus Kadel
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