Bezirksverband Pfalz / Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk)
 
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Kyra Spieker: "Der rote Faden"
K├╝nstler im Dialog mit Angewandter Kunst (3)
07.09.13 bis 03.11.13

Vernissage am 06.09.13 um 19.00 Uhr
Begrüßung: Dr. Britta E. Buhlmann, Direktorin des Museums Pfalzgalerie
Einführung: Dr. des. Svenja Kriebel M.A., Kuratorin der Ausstellung
Die Künstlerin ist answesend.

Mit der Ausstellung "Der rote Faden. Künstler im Dialog mit Angewandter Kunst (3)" ermöglicht die international renommierte Künstlerin Kyra Spieker einen  ungewöhnlichen Blick auf von ihr ausgewählte Stücke der Stoffsammlung des 
Museums Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk).


Bis November kann zwischen abstrakten Porzellan- und Papierarbeiten Spiekers und Stoffen aus der Kunsthandwerklichen Sammlung lustgewandelt werden. Denn es ist zunächst ein reines Vergnügen, den rhythmischen Strukturen der zart schimmernden Porzellanarbeiten und dem mitunter elegant verschlungenen Rapport der Damaste und Brokatstoffe aus der hauseigenen Sammlung zu folgen. Auf den zweiten Blick eröffnen sich weiterführende Überlegungen zu den Verbindungen beider Bereiche.

Zum dritten Mal werden Artefakte der Kunsthandwerklichen Sammlung in den künstlerischen Fokus genommen. Beim Aufeinandertreffen von Angewandter und
Bildender Kunst finden aufschlussreiche Verschiebungen ursprünglicher Zusammenhänge statt, die dazu auffordern, Altbekanntes im neuen Licht zu sehen. Die eigens für diesen Dialog geschaffenen Kunstwerke geben jeweils umgekehrt Einblick in das künstlerische Denken. Spiekers Arbeiten bestechen durch einen verblüffenden Umgang mit dem Raum. Grundlage ihrer Arbeit ist ein Würfelmodul mit wellenförmigen Ober- und Unterkanten. In Porzellan gefertigt, ist jeder Würfel einzeln eine gleichermaßen elegante wie schlichte Erscheinung. Zu mehreren als Modul geschichtet, gedreht und aneinandergereiht, lassen sie hingegen hochkomplexe, variantenreiche Rhythmen entstehen, die das Auge lange beschäftigen. Die Kombination von Raum, Oberfläche und Linie führt im Zusammenspiel zu imponierenden Werken, die ein darunterliegendes System spürbar werden lassen und
deren Ordnung man instinktiv ergründen möchte.

Spiekers ausgewählte "Gesprächspartner", Stoffe aus dem 17. und 18. Jahrhundert, überzeugen durch ihre mitunter ausgeklügelten üppigen Muster. Aber auch die einfacheren Ausführungen der Damaste, Seiden- und Silberbrokatstoffe wecken eine gewisse Ehrfurcht. Denn immer schwingt bei der Betrachtung der Gewebe der Versuch mit, die Webstrukturen zu entschlüsseln und damit automatisch der Gedanke an die Komplexität der Einrichtung des Webstuhls. Der Verlauf der Muster sowie die Wahl der Farben vermitteln neben den Webrichtungen von Kett- und Schussfäden eine zusätzliche Räumlichkeit. Hier liegt die thematische Schnittstelle zum Werk von Spieker: Raum, Ordnung und im weiterführenden Sinne Orientierung sind die zentralen Themen ihrer Arbeit. Der Blick Spiekers allerdings zielt tiefer und grundsätzlicher. Mit ihren Werken lässt sie sich nicht auf die Oberfläche der Stoffe selbst ein, sondern - und das mag zunächst verwundern - auf deren Raumgefüge. Kette und Schuss, Horizontale und Senkrechte, werden je nach Bindung der Stoffe unterschiedlich miteinander verkreuzt. Die Künstlerin widmet sich demnach einem Raum, der zunächst unsichtbar, aber wesentlich ist.

Spieker, 1957 in Schiltach im Schwarzwald geboren, begann ihre Ausbildung mit einer Lehre als Keramikerin, an die sie ein Studium für Keramikgestaltung in Höhr-Grenzhausen und 1996 das der Bildenden Kunst an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz anschloss. Sie hat neben zahlreichen Einzelausstellungen verschiedene Preise, Stipendien und Förderungen erhalten, unter anderem 1998 das Burgund-Stipendium des Kultusministeriums Rheinland-Pfalz. Sie wurde zu zahlreichen Keramiksymposien eingeladen, so nach Polen, in die Tschechische Republik, Finnland und 2011 zum renommierten internationalen Keramiksymposium in Römhild. Ihre Arbeiten sind sowohl in öffentlichen Sammlungen, unter anderem in der Städtischen Kunsthalle in Mannheim, dem Kunstgewerbemuseum in Berlin und dem Museum Ariana in Korea, als auch im öffentlichen Raum, wie in Dijon (Betonplastik, Institut Universitaire de Technologie), Mainz (Reliefs am Abgeordnetenhaus des Landtags) und Montabaur (Wandgestaltung am Mons-Tabor-Gymnasium), zu sehen. Sie war über mehrere Jahre Lehrbeauftragte an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Spieker lebt und arbeitet in Höhr-Grenzhausen.

Die Ausstellung wird aus Mitteln des Kultursommers Rheinland-Pfalz unterstützt. 




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mpk
Kyra Spieker: "Link", 2009, Porzellanarbeit, Foto: Helge Articus, H├Âhr-Grenzhausen