Landkreis S├╝dwestpfalz / Kreisgalerie Dahn
 
Theo Schneickert
15.02.04 bis 14.03.04

Einführung von Clemens Jöckle

Theo Schneickert ist ein Zauberer der Farben, die sich aus dem scheinbar zufällig entstandenen Chaos seiner Bilder herauskristallisieren und deutlich machen, dass der Künstler nichts dem Zufall überlässt. Gekonnt setzt er Komplementärfarben ein, wodurch die Ausdruckskraft seiner Arbeit noch verstärkt wird, arbeitet sich in scheinbar unendlich vielen Schichten an das Wesentliche heran. Dabei entstehen Fenster, einzelne Bildteile, teils flächig, teils räumlich dargestellt. Er hält sich an keine einheitliche Perspektive, stellt gewagt Formen neben- und übereinander.

Vornehmlich in warmen Erdtönen arbeitend fallen einige Arbeiten, bei denen kalte Blautöne dominieren, aus dem Rahmen. Doch ganz ohne die warmen Erdfarben scheint Schneickert nicht auszukommen. So wie in seinem Bild "Sub", bei dem die Kälte des Blau durch warmes Braun und heißes Rot gemildert ist. Aus den Farben treten erst bei näherem Hinsehen die Figuren zu Tage, die Schneickert so sorgsam nebeneinandergesetzt hat. Aus dem Chaos streckt sich dem Betrachter eine Hand entgegen und je näher man den Bildern kommt, je stärker sich der Gesichtskreis auf die zum Teil sehr großformatigen Bilder fixiert, so abenteuerlicher wird das, was sich an Figuren, Gestalten und Geschichten aus dem wabernden Farbenchaos löst. Zufällig ist bei den scheinbaren Zufallsprodukten Schneickerts allerdings nichts. Er setzt gezielt die Möglichkeiten ein, die ihm das Zeitalter der Reproduzierbarkeit bietet, lässt es dabei aber nicht bewenden, schafft aus den durch moderne Technik möglich gewordenen Formen etwas völlig Neues.

Der Künstler verwendet zur Entwicklung seiner Bildideen Diapositive von beliebigen Alltagsdruckerzeugnissen, dazu gehören Journale, Prospekte und Magazine, Dias, die er als Standfotos während laufender Fernsehsendungen erstellt, Dias von eigenen, noch unvollendeten Bildern und Dias mit eingefärbten Klarsichtfolien.

Dieses Ausgangsmaterial kombiniert er spielerisch miteinander, projiziert es im Sandwichverfahren auf die Leinwand. Diejenigen Projektionen, die ihm erhaltenswert erscheinen, werden sofort wieder mit der Kamera festgehalten.

Für die so gefundenen Bildwelten und Farbräume nimmt Schneickert der weißen Leinwand ihre Jungfräulichkeit, trägt spontan meist recht laute Farben auf, um auf dieser chaotischen Untermalung im nächsten Schritt möglichst komplett die Bildidee aufzubringen. "In mehreren weiteren Übermalungen wird dann in einem zunächst offenen, wenig ergebnisorientierten Prozess eine Art Befreiungsakt in Bewegung gesetzt, der schrittweise von der ja meist viel zu komplizierten Anfangsidee wegführt und den Wesenskern des Bildes allmählich freilegt", beschreibt Schneickert seine bevorzugte Art zu arbeiten. Dabei wird nichts vollkommen überlagert, alle Malschichten korrespondieren von Anfang an.

Der 1939 in Kaiserslautern geborene Künstler hat sich 1976 nach langen Jahren in seinem Beruf als Klischee- und Farbätzer ganz seiner Kunst zugewandt. 1983 verließ er die Pfalz und zog nach Mannheim, wo er seitdem lebt und arbeitet.

Schneickert kann auf zahlreiche Ausstellungen verweisen, das Regierungspräsidium Karlsruhe kaufte Arbeiten von ihm und 1993 widmete er der Stadt Mannheim das Werk "Passagen". 1981 und 2001 war er in Gemeinschaftsausstellungen in Pirmasens zu sehen.





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Theo Schneickert
Theo Schneickert: "W├Ąchter II" (2000), ├ľl auf Leinwand, 120 x 120 cm